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Ein umgekippter Lkw blockiert die Straße zum Schusterhäusl – zum Glück nur bei der Großübung der Rettungskräfte.

Großübung der Rettungskräfte

Diese Katastrophe ist nur gespielt

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Sechs verunglückte Fahrzeuge – darunter ein Reisebus –, 25 teils schwer verletzte Menschen und eine enge Straße. Das war das Szenario für eine Großübung der Rettungskräfte aus der Region FFB.

Eine schlecht gesicherte Ladung von Baumstämmen löst in der Übung eine Kettenreaktion aus, die zur Katastrophe führt.

Germering – Die Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen ist das tägliche Brot der Einsatzkräfte, wie Kreisbrandrat Hubert Stefan erklärt. Dennoch freute er sich über die Möglichkeit, die Kooperation einen halben Tag lang im großen Stile üben zu können: „Der einzelne Helfer kann sein Handwerk, interessant wird sein, wie die Koordination der Zusammenarbeit läuft.“

Fast wie in Echt: Bei der Großübung spielten die vielen Verletzten so realistisch, dass Beobachtern manchmal der Atem stockte.

Neben den Feuerwehren aus Germering, Unterpfaffenhofen, Geisenbrunn, Gilching und Eichenau nahmen aus das THW und Rettungskräfte des BRK, der Malteser und der Johanniter teil. Für die hatte sich Ludwig Deimel, Zugführer bei der Germeringer Feuerwehr, folgendes Szenario ausgedacht: Ein mit Holzstämmen beladener Traktor fährt aus einem Waldweg und übersieht dabei einen Pkw. Es kommt zum Unfall, wobei das Auto zum Teil unter den Stämmen begraben wird. In der Folge ereignen sich weitere Unfälle, unter anderem mit einem Reisebaus und einem Lkw, der auf ein anderes Auto kippt.

Übung ist für die Helfer eine große körperliche Herausforderung

„Sich die Szene auszudenken, war eine Sache von fünf Minuten“, erzählt Deimel. Ungleich länger habe es dann allerdings gedauert, die Übung vorzubereiten. „Wir waren dafür schon Monate zuvor vor Ort.“ Die enge Straße habe man bewusst gewählt, um eine besondere Herausforderung zu bieten, ergänzt der stellvertretende Kommandant Thomas Mayrhofer.

Ab ins Krankenhaus: Auch der Abtransport der Unfalldarsteller mit den vielen bereitstehenden Rettungswägen wurde durchgeführt, als sei wirklich etwas passiert.

Am Tag der Übung wurden schließlich fünf Schrottautos sowie der Traktor eines befreundeten Landwirts drapiert und schließlich der Notruf abgesetzt. Die Übungsteilnehmer wussten dabei nicht, was sie erwartet.

Julia Lichti von der Germeringer Feuerwehr kam als Melder mit ihrem Gruppenführer zum Unfallort. Psychisch sei eine Übung natürlich nicht so belastend, wie ein realer Einsatz. „Da wäre bei einem Unfall dieser Größenordnung wahrscheinlich die eine oder andere psychologische Nachbetreuung der Einsatzkräfte nötig“, sagt die 39-Jährige. Körperlich sei die Übung aber absolut fordernd. „Die schweren Geräte, die zum Einsatz kommen, sind die gleichen wie beim realen Einsatz.“

Gespielte Unfallopfer haben sich über eine Stunde lang geschminkt

Claudia Bartmann (r.) von der „Realistischen Unfalldarstellung“ war auch mit dem Schminken der Kollegen beschäftigt.

Und auch die Verletzten tragen ihren Teil dazu bei, dass die Einsatzkräfte nicht auf Sparflamme üben können. Dargestellt werden die Unfallopfer von der Gruppe „Realistische Unfalldarstellung“ aus Traunstein und Ebersberg – Menschen, die sich ehrenamtlich als Maskenbildner und Schauspieler zur Verfügung stellen. Rund eineinhalb Stunden lang schminkten sich die gespielten Unfallopfer gegenseitig. Beim Einsatz schreien sie dann laut um Hilfe, kreischen vor Panik, stöhnen vor Schmerz. Und das so realistisch, dass OB Andreas Haas, der die Übung verfolgt, sagt: „Das ist schon irgendwie bedrückend.“

Zufrieden mit der Übung: Ric Unteutsch (l.) und Ludwig Deimel.

Auch wenn Claudia Bartmann aus Ebersberg während der Übung plötzlich zusammenbricht und sich nicht mehr rührt – alles nur gespielt. Zudem laufen die Unfallopfer immer wieder desorientiert und in Panik davon, so dass die Rettungskräfte sie wieder einfangen müssen. Ganz so, wie bei einem realen Einsatz. „Wir spielen so realistisch, dass sogar Krankenhausärzte ins Schleudern kommen“, sagt Norbert Ramsaier von der „Realistischen Unfalldarstellung“.

Rund zwei Stunden lang schneiden die Einsatzkräfte eingeklemmte Menschen aus den Autos und versorgen Verletzte. Dabei werden sie von einer Drohne und Kameraleuten der Feuerwehr gefilmt - für die Nachbesprechung, wie Ric Unteutsch von der Germeringer Wehr erklärt. Dabei werde dann analysiert, was gut gelaufen sei und wo man sich noch verbessern könne. Eines ist für Julia Lichti schon vor der Besprechung klar: „Das Szenario war absolut realistisch.“

Großübung der Rettungskräfte aus der Brucker Region: Bilder

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