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Das Mosaik am Eingangsbereich des ehemaligen Altenheims zeigt Jesus mit zwei Jüngern, die ihn bitten, in Emmaus zu bleiben.

Am ehemaligen Altenheim

Don-Bosco-Abriss gefährdet Kunstwerke

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Das ehemalige Altenheim Don Bosco ist gespickt mit Arbeiten des Künstlers Josef Dering. Nun will die Caritas das Gebäude abreißen. Was mit seinen Kunstwerken passiert, ist unklar.

Germering – Der Künstler Josef Dering ist seit 18 Jahren tot. Doch seine Werke prägen den Landkreis. Man findet viele Darstellungen des Malers und Grafikers im öffentlichen Raum. Der Eichenauer hat insbesondere in den beiden Kreisstädten Spuren hinterlassen. In Bruck gestaltete er die Fassade der Sparkassenfiliale in der Innenstadt, in Germering den Germarbrunnen, eine Wasser-Anlage in der WWK-Siedlung. Ob Derings Kunst ästhetisch ist oder nicht, darüber lässt sich freilich streiten. Germerings Kulturreferentin Centa Keßler (SPD) sagt: „Sein Stil ist nicht jedermanns Sache.“

Nun droht ein Teil seines Vermächtnisses zu verschwinden, und das ausgerechnet in Germering, der Stadt mit den wohl meisten Dering-Arbeiten. Die Caritas will das ehemalige Altenheim Don Bosco an der Parkstraße, in dem derzeit noch Flüchtlinge leben, ab April abreißen und neubauen. Das Gebäude ist gespickt mit mehreren Kunstwerken von Josef Dering. Das auffälligste ist das Mosaik am Eingangsbereich. Es entstand 1986 und zeigt Jesus mit zwei Jüngern, die ihn bitten, in Emmaus zu bleiben, einem Ort bei Jerusalem. Was mit dem Mosaik beim Abriss passiert, ist unklar. Die Gefahr besteht, dass es im Bauschutt verschwindet.

Noch ist unklar, wie viel es kostet, die Kunstwerke zu erhalten

Einer, der sich mit Derings Werken im Landkreis auskennt, ist der Gilchinger Kunsthistoriker Lothar Altmann. Er hatte bei Dering Zeichenunterricht. In den 1990ern hat er anlässlich des 80. Geburtstags des Künstlers einen Beitrag in der Zeitschrift Amperland verfasst. Demnach befinden sich im Altenheim Don Bosco neben dem Mosaik über dem Eingang noch drei weitere Dering-Arbeiten. Es handelt sich dabei um Keramiken im Speisesaal und in der Hauskapelle. Sie zeigen unter anderem eine Vision des himmlischen Jerusalems und den Kreuzweg. Hinzu kommt eine Hinweistafel aus Keramik im Eingangsbereich.

Über das Schicksal der Darstellungen entscheidet nun die Caritas – und letztlich auch der Geldbeutel. Beim katholischen Sozialverband ist man sich durchaus bewusst, von wem die Werke stammen. „Wir sind gerade am Prüfen“, sagt Pressesprecherin Marion Müller-Ranetsberger. Ein Problem sei zum Beispiel, dass ein riesiger Betonträger das Mosaik umrahme. Man habe noch „keine Ahnung“, wie viel der Erhalt kosten würde, sagt Marion Müller-Ranetsberger.

Zumindest ein Teil der Arbeiten ist gerettet

Zumindest ein Teil der Arbeiten im Don-Bosco-Altenheim ist in Sicherheit: „Die Kreuzweg-Motive in der Hauskapelle hat eine katholische Mission in Kroatien bekommen“, sagt Müller-Ranetsberger. Nach der Prüfung will man entscheiden, was mit den anderen Kunstwerken passiert. Eventuell wollen sich Vertreter der Caritas mit der Bürgerstiftung Fürstenfeldbruck zusammensetzen. Letztere verwaltet den Nachlass von Josef Dering, der 1999 im Senegal starb. Die Arbeiten liegen in einem Depot im Bauernhofmuseum Jexhof.

Dorothee von Bary, Vorsitzende der Bürgerstiftung, war überrascht, als sie hörte, dass sich im Don-Bosco-Altenheim Dering-Kunstwerke befinden. „Ich wusste das nicht“, sagt sie auf Nachfrage und versichert, dass sich die Bürgerstiftung nun für den Erhalt einsetzen wolle. „Wir erkundigen uns und versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.“ Sie könne sich auch vorstellen, dass sich die Stiftung in irgendeiner Form an den Kosten beteilige. Doch: „Das letzte Wort hat der Eigentümer.“

Das weiß auch Centa Keßler. Sie ist der Meinung, dass man die Kunstwerke bewahren sollte. „Die Caritas wird sicher wieder eine Kapelle bauen.“ Und da würden Josef Derings Arbeitern „gut reinpassen“.

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