Umweltbeirat und Nahverkehr

Drei Ringe, zwei Streifen, eine Grauzone

Germering – Der Nahverkehr in Germering bietet einige Kuriositäten, mit denen sich jüngst der Umweltbeirat intensiv beschäftigte.

 Drei Zeitkartenringe braucht es für die Große Kreisstadt, während München mit vier auskommt. Zwei Streifen mehr sind nötig, wenn man statt in Harthaus in Germering aussteigt. „Diese Geschichte mit den drei Ringen gefällt uns auch nicht“, gestand Hermann Seifert von der ÖPNV-Stelle (Öffentlicher Personen-Nahverkehr) im Landratsamt.

Er räumte eine gewisse Machtlosigkeit ein. Einerseits gehen die Einnahmen in einen Pool, in den die acht im Verkehrsverbund beteiligten Landkreise und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ihre Einnahmen einbringen. Auch arbeiten Busunternehmen wirtschaftlich. Daher würden Anträge einzelner Landkreise, wie etwa die Tarifstruktur zu ändern, laut Seifert wohl abgelehnt. „Wenn es weniger Ringe gibt, sinken die Einnahmen.“ Die Alternative wäre die Anhebung des Grundtarifs.

Allerdings, so informierte Seifert, gebe es im Rahmen der bereits diskutierten Tarif-Strukturänderung Bestrebungen, zu große Sprünge abzubauen. So könnten laut dem ÖPNV-Experten Siedlungskomplexe zusammengefasst werden. Als Beispiele nannte er Germering, den westlichen Landkreis oder Eichenau mit Puchheim. „Das wollen wir für den ÖPNV erreichen“, nannte Seifert ein Ziel, gab aber zu bedenken: „Freistaat, Stadt München und Unternehmen, da müssen sie lange an dicken Brettern bohren.“

Tarifsprünge, wie zum Beispiel zwischen Harthaus und Germering, könnten laut Seifert durch eine kilometergenaue Abrechnung verhindert werden. Der Frankfurter Rhein-Main-Verbund praktiziert dies. Seifert gab aber zu bedenken, dass die Technik „aufwendig und teuer“ wäre.

Von Mitgliedern des Umweltbeirates wurde an dieser Stelle auf eine Grauzone hingewiesen. Wer von München aus nach Germering fahre, könne zunächst zwei Streifen abstempeln, in Harthaus schnell herausspringen, für die Kurzstrecke nur einen weiteren Streifen abstempeln und so einen Streifen sparen. Seifert warnte: „Ich wäre vorsichtig, den Tarif zu unterwandern.“

Grundsätzlich wurde in der Sitzung des Beirates festgestellt, dass sich die Kurzstreckenregelung innerhalb einer Kommune bewährt habe. So sind an einem Tag in Germering knapp 4000 Fahrgäste allein im innerstädtischen Verkehr unterwegs. Um dies erhalten zu können, beteiligt sich die Stadt derzeit nach Angaben Seiferts mit 723 000 Euro pro Jahr. Zur Attraktivität würden aber auch die Expressbusse beitragen.

Steigern will das Seifert durch Tangentialverbindungen im Landkreis, der von drei S-Bahn-Linien berührt ist. „Interessant wär das zwischen Germering und Olching.“ Bei weiten Entfernungen sei jedoch ein dichterer Minutentakt nötig, um mögliche Verspätungen zu vermeiden. Der dichtere Takt rechne sich. In Fürstenfeldbruck hätten sich die Fahrgastzahlen durch die Verkürzung des Taktes von 20 auf 15 Minuten auf bestimmten Linien um rund 700 pro Tag erhöht.

Herbert Krause, der Vorsitzende des Umweltbeirates, bedauerte das geringe Interesse an dem Thema. Kein einziger Bürger nahm als Zuhörer an der Sitzung teil. (hk)

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