Eines der vor kurzem vollendeten Projekte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: die sanierte Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin.
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Eines der vor kurzem vollendeten Projekte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: die sanierte Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin.

Ehrenbürger Parzinger und die Entwicklungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Ein Germeringer hütet die Preußen-Schätze

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist in den 1950er-Jahren vor allem deswegen gegründet worden, um die Kulturgüter des ehemaligen Landes Preußen zu bewahren. Sie ist eine der weltweit größten Kultureinrichtungen und besteht aus den 16 staatlichen Berliner Museen, der Berliner Staatsbibliothek, dem Geheimen Staatsarchiv, dem Ibero-Amerikanischen Institut und dem Staatlichen Institut für Musikforschung.

Germering – Präsident der Stiftung ist der gebürtige Germeringer Hermann Parzinger. Er hat am Max-Born-Gymnasium sein Abitur gemacht und ist später zu einem der weltweit anerkanntesten Archäologen aufgestiegen. Wichtigster Grabungsfund des Trägers des Leibniz-Preises, dem wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis, war ein skythisches Fürstengrab mit tausenden Goldobjekten im Juli 2001 in Südsibirien.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht seit Monaten deutschlandweit in der öffentlichen Diskussion. Im Raum stand zeitweise sogar eine Auflösung und Zerschlagung der Einrichtung. Wir haben mit Hermann Parzinger, einem Ehrenbürger der Stadt Germering, darüber gesprochen.

Herr Parzinger, Sie sind Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, über die seit einigen Wochen deutschlandweit diskutiert wird. Wie und wann sind Sie zu diesem Amt gekommen?

Hermann Parzinger

Ich bin im Sommer 2007 vom Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), der aus Vertretern des Bundes und aller 16 Ländern besteht, einstimmig zum Präsidenten gewählt worden und trat am 1. März 2008 dieses Amt an. Zuvor war ich Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts. Eine Findungskommission des Stiftungsrates der SPK hatte mich 2007 angesprochen, ob mich dieses Amt interessieren würde.

Ein Gutachten des Wissenschaftsrates hat vor kurzem eine Neuordnung der Stiftung angeregt. Können Sie unseren Lesern erklären, um was es dabei geht?

Die Stiftung ist die mit Abstand größte Kultureinrichtung Deutschlands und eine der größten weltweit. Sie vereinigt mit ihren Museen, Bibliotheken, Archiven und Instituten herausragende Sammlungen von Weltrang, wie auch der Wissenschaftsrat feststellte. Dazu gehören die Museumsinsel, ein Teil unserer Sammlungen zieht demnächst ins Humboldt Forum im Berliner Schloss, hinzu kommen weitere bedeutende Häuser der Staatlichen Museen, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv und weitere Institute. Eine so große Institution muss sich immer wieder fragen, ob ihre Organisationsform, ihre Governance und ihre Verwaltungsstrukturen noch angemessen sind oder nicht doch grundlegend reformiert werden müssten. An diesem Punkt sind wir jetzt, und ich begrüße diese Chance zur Neuordnung ausdrücklich.

Sie haben die Vorschläge des Wissenschaftsrates öffentlich für gut befunden –obwohl die Umsetzung möglicherweise Ihre Stelle als Stiftungsvorsitzender gefährdet. Können Sie das erklären?

Die Empfehlungen sind sehr weitreichend. Vieles begrüße ich in der Tat sehr, wie zum Beispiel eine größere Autonomie der einzelnen Museen. Auch wird im Gutachten unsere jahrelange drastische Unterfinanzierung schonungslos offengelegt. Hier sind unsere Träger in der Pflicht, uns besser auszustatten. Was mich dagegen nicht überzeugt, ist der Vorschlag, die Stiftung nach den klassischen Sparten Museum, Bibliothek und Archiv aufzuteilen. Heute in unserer immer stärker vernetzten Welt muss man genau den entgegengesetzten Weg beschreiten und die Sammlungen noch stärker verknüpfen. Außerdem bräuchten wir bei vier unabhängigen Einrichtungen vier Verwaltungen, und so weiter. Das kostet deutlich mehr Geld, das ich lieber in die fachliche Arbeit der Einrichtungen investieren würde, wo es dringend fehlt.

Als Sie zum Stiftungspräsidenten gewählt wurden, haben Sie Ihre eigentliche Profession als Archäologe weitgehend aufgegeben. Haben Sie das irgendwann bereut?

Die letzten fünf Jahre, bevor ich zur Stiftung kam, war ich Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts und hatte bereits kennengelernt, was es heißt, für eine große Institution verantwortlich zu sein. Ich fand das immer ungemein spannend und herausfordernd und erlebe das ja gerade jetzt wieder. Immerhin gestalten wir ein entscheidendes Stück Berlin mit und tragen maßgeblich dazu bei, die deutsche Hauptstadt als Kulturmetropole zu positionieren. Mit der Archäologie bin ich durch meine regelmäßige Lehrtätigkeit an der FU Berlin verbunden Auch halte ich immer wieder archäologische Vorträge und schreibe Bücher. Hinzu kommen kleinere Forschungsprojekte, für die man nicht wochenlang im Ausland sein muss, das ginge jetzt nicht mehr.

Sie stehen wenige Jahre vor Ihrem Ruhestand – werden Sie anschließend wieder archäologisch tätig werden?

Na ja, so nahe ist der Ruhestand nun auch wieder nicht. Die nächsten fünf Jahre werden durch die Neuordnung der Stiftung und die großen Bauprojekte, das Humboldt Forum, das Museum des 20. Jahrhunderts und viele andere, noch herausfordernd genug. Darüber hinaus denke ich jetzt noch nicht.

Haben Sie noch Verbindung nach Bayern, speziell nach Germering – immerhin sind Sie seit 2008 auch Ehrenbürger der Großen Kreisstadt?

In Bayern bin ich oft. Meist im Bayerischen Wald, dort steht das Elternhaus meines Vaters, ein denkmalgeschütztes Blockhaus aus dem 16. Jahrhundert, das viel Pflege braucht und für mich schon auch etwas ganz Besonderes ist. In Germering bin ich auch immer wieder, meine Schwägerin lebt dort noch, außerdem liegt dort das Grab meiner Eltern und meines Bruders. Also die Verbindung ist auf jeden Fall da.

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