Germering

Ein Vergelt’s Gott für die Hagel-Helfer

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Das Unwetter vom Pfingstmontag hat noch jeder vor Augen – im wahrsten Sinne des Wortes vor allem in Germering. Insgesamt 580 Einsatzkräfte von 24 Feuerwehren und THW hatten Hilfe geleistet. Ihnen sagte die Stadt nun Dankeschön.

Germering – Julia Lichti hat den Pfingstmontag gleich in doppelter Erinnerung – als Geschädigte und als Gruppenführerin der freiwilligen Feuerwehr Germering. „Wir saßen gemütlich im Garten zusammen, als die Wolken immer dunkler wurden“, erzählt sie. Für einige Sekunden habe eisige Stille geherrscht, dann sei das Unwetter über die Stadt hereingebrochen. Dass Gartenmöbel kaputt gingen, hat Lichti noch mitbekommen. „Dann ging der Piepser los.“

Die Feuerwehrfrau hatte am Pfingstmontag das Gefühl, dass einige Bürger ungehalten waren. „Warum hat es so lange gedauert?“ oder „Warum zuerst der Nachbar und nicht ich?“ Irgendwann gehe dann die Kraft aus.

Rund um die Uhr

Ihr Kollege Alfons Niedermair von der Feuerwehr Unterpfaffenhofen hat es am Tag des Unwetters und am Dienstag fast zu einem Einsatz rund um die Uhr gebracht. „Bis um 5 Uhr früh und dann wieder ab 8 Uhr“, beschreibt er sein Pensum jener Stunden. Von den Schäden in der Stadt sei er schon beeindruckt gewesen. „Aber erst einmal war wichtig, die Pflicht zu erfüllen“, bleibt Niedermair bescheiden. Gleichwohl sei er natürlich froh über jede Hilfe aus anderen Orten gewesen.

Einer dieser Helfer von auswärts war Florian Quintus aus Mammendorf, wo eine der Landkreis-Drehleitern stationiert ist, die am Tag nach dem Unwetter zum Einsatz kam. Diese wurde bei drei Häusern benötigt. An dem Dienstag seien nach seinen Beobachtungen die Bürger etwas ruhiger gewesen. Er und seine elf Kameraden seien von den Germeringern gut versorgt worden. Dass man zu Einsätzen ein kleines Stück unterwegs sei, sei schon wegen der Drehleiter nichts übermäßig besonders. „Da geht es schon auch mal nach Dachau.“

Für Hermann Popp läge das vergleichsweise in der Nachbarschaft. Und auch die gut 20 Kilometer, die er von Pullach nach Germering fuhr, waren für ihn keine weite Strecke. „Ich habe schon beim Hochwasser in Dessau (Sachsen-Anhalt) geholfen“, berichtet Popp, der sich als katastrophenerfahren bezeichnet. „Wir fahren überall hin, wo wir gebraucht werden.“ Fast lächelt er bei dem Satz, der wie ein Motto klingt. Natürlich weiß er um die Ernsthaftigkeit.

Notdächer

Zu seinem 14 Mann starken Trupp gehörten auch Thomas Turi und Tobias Popp. Für die war der Einsatz mit mehr Nervosität verbunden gewesen, weil sie zum ersten Mal bei so einem strapaziösen Einsatz dabei waren. „Gut für’s Erfahrung sammeln“, sagt Hermann Popp. Mit dem Dank der Germeringer habe er nicht gerechnet. Umso schöner sei es, all die Kameraden einmal entspannt treffen zu können. Ähnlich empfanden es auch alle anderen Hilfskräfte, die zu der „Dankeschön“-Runde in den Germeringer Bauhof eingeladen worden waren.

Denn locker sei das am Pfingstmontag gar nicht gewesen, berichtet Christoph Weßbecher, Zugführer beim Technischen Hilfswerk (THW) in Fürstenfeldbruck. Die Uhr habe gerade die Grenze vom Unwettertag auf den Dienstag überschritten, als das THW in Bruck informiert wurde. „Notdächer errichten“, hieß es kurz zusammengefasst. Man habe da schon routiniert gearbeitet, berichtet Weßbecher. Doch wie viele andere zeigte er sich von den Schäden beeindruckt. „Das Ausmaß war doch besonders.“

Was er wie andere aber dann doch wieder routiniert abhandelt: „Sicher verfolgt man Wetter-Apps oder wenn der Himmel sich verdunkelt.“ Doch verrückt machen lassen dürfe man sich nicht – um im Bedarfsfall dann doch schnell einsatzbereit zu sein.

Unvergesslich

Das Pfingsthochwasser 1999 rufe immer noch Erinnerungen vor. Ähnlich stufte Oberbürgermeister Andreas Haas das Hagelunwetter vom 10. Juni ein. „Es wird unvergessen bleiben.“ Das gelte aber ebenso für den Umfang, in dem Stadt durch viele Einsatzkräfte Hilfe geleistet worden sei. „Allen, die zur Unterstützung gekommen sind, ein herzliches Dankeschön“, sagte Haas. Beeindruckt habe ihn bei den Einsätzen unter anderem, wie furchtlos manches Dach erklommen worden sei. „Vor allem bei Nacht ist das ja nicht ganz ungefährlich.“ Haas würdigte zudem, wie gut die Zusammenarbeit über Kommunal- und Landkreisgrenzen hinweg geklappt habe.

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