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„Es ist traurig, dass es heute immer noch Frauenhäuser geben muss.“ Brigitte Breidenbach

Brigitte Breidenbach im Porträt

Eine Kämpferin in Frauenfragen

Germering - Sie ist Gründungsmitglied der Germeringer Fraueninitiative (Gefi) und des Frauen- und Mütterzentrums (Frau MütZe). Für ihr langjähriges Engagement erhielt Brigitte Breidenbach nun das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Doch wie kam es eigentlich dazu, dass sich die gebürtige Wertheimerin und ehemalige Geschäftsführerin der Firma GeBe-Elektronik für die Landkreisfrauen derart ins Zeug legte und immer noch legt? Da muss Brigitte Breidenbach ein wenig ausholen. „Damals war ich in Germering fremd, hatte ein Baby und jede Menge Arbeit“, erzählt die heute 73-Jährige. Sie bekam noch zwei weitere Kinder und hat mittlerweile vier Enkel, um die sie sich gerne kümmert, wenn es ihr Zeitplan zulässt.

„Schon damals wurden geschlechterspezifische Themen diskutiert“, erinnert sie sich. Bei den dritten Germeringer Frauentagen gab es eine Zukunftswerkstatt „Eine Stadt auf neuen Wegen – weiß sie auch, was Frauen wünschen?“ Die Gefi, ein Netzwerk von und für Frauen, wurde gegründet. Und Brigitte Breidenbach war dabei. „Damals wurde meine Begeisterung geweckt, mich im sozialen, kulturellen und politischen Leben in Germering aktiv zu beteiligen“, sagt sie. Das sei nur gemeinsam mit anderen möglich. Das habe sie gespürt.

Der Frauennotruf wurde eingerichtet, später kamen Arbeitskreise hinzu, eine Diskussionswerkstatt, ein Frauen- und ein Computertreff. Am runden Tisch stellten sich die Frauen dem Thema Männergewalt und organisierten auch Frauendiscos im Nachtasyl.

„Mit Michaela Radykewicz, Ulrike Huppertz, Hildegard Jakobs, Feri Erschadi-Zimmermann und Gisela Rümler hatte ich immer starke Frauen an meiner Seite. Und wir haben immer voneinander profitiert“, betont Breidenbach. Das war nicht nur harte Arbeit. Sondern: „Wir hatten auch jede Menge Spaß miteinander.“

Doch auch einige Hürden mussten gemeistert werden. „Schon bald merkten wir, dass wir Räume benötigten, um unsere Pläne mit offenen Treffs und Veranstaltungen (mit Kinderbetreuung) realisieren zu können“, erinnert sich Breidenbach. Allerdings erklärten sich nur wenige bereit, solche Räume „nur an Frauen“ zu vermieten. Erst mit der Gründung der Fraueninitiative Gefi gelang endlich das Vorhaben.

Längst habe sich die Situation entscheidend verbessert, viele Frauen hätten heute nicht mehr das dringende Bedürfnis, sich derart emanzipieren zu müssen, so Breidenbach. Die Rahmenbedingungen seien besser geworden. Aber längst nicht optimal, wie die 73-Jährige betont: „Frauen sind zwar gut ausgebildet, aber sobald sie sich für Kinder entscheiden, kommen die Probleme und die gesellschaftlichen Zwänge.“ Sie seien zwar in vielen Dingen auf dem Papier gleichberechtigt, aber noch längst nicht gleichwertig. „Es ist auch erschreckend, wie die Gewalt nicht nur gegenüber Frauen zunimmt. Und es ist traurig, dass es heute immer noch Frauenhäuser geben muss.“

Im Laufe der Jahre haben Breidenbach und ihre Mitstreiterinnen einiges erreicht. Über eines freuen sie sich aber besonders: „Die Gefi-Frauen, also alle, nicht nur ich, sind besonders stolz, rund 20 bekannte Männer aus Germering gewonnen zu haben, ein Statement dafür abzugeben, warum sie gegen Gewalt an Frauen sind. Wir haben immer auf Schwachstellen aufmerksam gemacht – viele Frauen konnten durch ihre Mitarbeit bei der Gefi auch wieder neues Selbstvertrauen gewinnen.“

Ihre Ehrenämter will Brigitte Breidenbach auch in Zukunft gerne weiter ausfüllen. Die bayerische Herdprämie hält sie für einen völlig falschen Weg und kontraproduktiv. „Dieses Geld sollte lieber in die Bildung der Kinder gesteckt werden, das letzte Kindergartenjahr sollte kostenlos und Pflicht sein.“ Und: „Das Wort Rabenmutter gibt es nur im deutschen Sprachgebrauch: Das sollte als Unwort endlich ausgemerzt werden.“ In Sachen Kinderbetreuung habe sich Germering zwar mächtig ins Zeug gelegt. Doch: „Es stehen zwar Räume zur Verfügung, aber zu wenig Personal.“

Den Ehrenpreis nimmt Brigitte Breidenbach gerne entgegen. „Das tue ich im Namen vieler Germeringer Frauen, die in Sachen Gleichberechtigung an meiner Seite aktiv sind.“ Und wenn sie heute jemand als Emanze tituliert, dann beleidigt sie das nicht: „Ich freue mich darüber, weil das ja zeigt, dass ich mich weiterentwickelt und mich von Abhängigkeiten befreit habe.“ In diesem Sinne zitiert sie gern einen Mann, nämlich Wolfgang Merkel, Professor an der Humboldt-Universität, der sagt: „Emanzipation ist kein gesicherter Zustand, sondern ein stets zu betreibendes Projekt.“

von Angi Kiener

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