OB Andreas Haas (v.r.), Michael Glietzel und Michael Seeholzer präsentieren die Kamerad des Abbiege-Assistenten.
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Hier sitzt die kleine Kamera: OB Andreas Haas (v.r.), Michael Glietzel und Michael Seeholzer präsentieren einen wichtigen Bestandteil des Systems an einem Einsatzfahrzeug der Feuerwehr.

Abbiege-Assistent für Bauhof- und Feuerwehrautos

Diese kleine Kamera kann Leben retten

  • vonHans Kürzl
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Die Stadt hat zehn Großfahrzeuge des Bauhofs und der Freiwilligen Feuerwehren mit Abbiege-Assistenz-Systemen ausgestattet. Das soll mithelfen, Unfälle zu vermeiden.

Germering – Lkw oder Busse, die nach rechst abbiegen, sind eine große Gefahr für Fußgänger und Radfahrer, weil sie nicht im Blickfeld der Fahrer sind. Dagegen helfen moderne Abbiege-Assistenten. Die Stadt hat jetzt zehn dieser Systeme in Bauhof- und Feuerwehr-Fahrzeuge einbauen lassen. Bei einem Ortstermin im Bauhof wurde die Neuerung jetzt vorgestellt.

Mit dabei war auch Polizei-Vize Andreas Ruch, der die Investition begrüßte: „Es wäre toll, wenn andere Kommunen in unserer Region nachziehen würden.“ Das würde wieder ein Stück mehr Sicherheit auf die Straßen tragen.

Vier Bauhof-Fahrzeuge werden ausgestattet

Dieses Bauhof-Fahrzeug verfügt noch über einen zusätzlichen Spiegel an der Beifahrerseite.

OB Andreas Haas wies bei der Präsentation zwar darauf hin, dass es in der Stadt bislang noch keine schwerwiegenden Vorfälle zwischen Einsatzfahrzeugen und schwachen Verkehrsteilnehmern gab. Aber auch Haas ist froh, dass vier Fahrzeuge des Bauhofes, zwei der Unterpfaffenhofener und vier der Germeringer Feuerwehr künftig sicherer gelenkt werden können.

Das ist vor allem in der Stresssituation eines Einsatzes notwendig. „Da braucht es einen schnellen Überblick“, sagt Haas. Und erntete Zustimmung vom Feuerwehrreferenten des Stadtrates, Rudolph Widmann.

Überblick dank Kamera und Monitor

Michael Glietzel zeigt auf den Monitor, den der Fahrer beim Abbiegen im Blick haben sollte.

Mehr Überblick verschaffen kann sich der Fahrer mittels Kamera und eines im Wagen angebrachten Monitors. Beide werden automatisch aktiviert, wenn der Blinker fürs Rechtsabbiegen gesetzt wird. Angebracht sind sie auf der Beifahrerseite, in der Regel also rechts. Nur bei der Kehrmaschine, die von rechts gesteuert wird, ist das laut dem stellvertretenden Bauhofleiter Michael Seeholzer genau andersherum angeordnet. Zudem besteht die Möglichkeit, beide Elemente auf Dauerbetrieb zu setzen. „Vom Prinzip her ist das mit einer Rückfahrkamera im Pkw vergleichbar“, erklärte Michael Gitzel, der Gerätewart der Germeringer Wehr.

Zwischen 1300 und 1500 Euro kostet die Kombination von Kamera und Monitor je Fahrzeug plus Einbau. Gefördert wird diese Investition über das Bundesamt für Güterverkehr. Förderfähig sind Nutzfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als dreieinhalb Tonnen. Das solle die allgemeine Verkehrssicherheit deutlich erhöhen und Unfälle signifikant verringern helfen, heißt es von Seiten der Behörde.

Radfahrer müssen trotzdem wachsam sein

Die Fahrzeuge sicherheitstechnisch so zu ergänzen, sei freiwillig. An dem Punkt hakte Katrin Lehrack vom Allgemeinen Deutschen Fahrad-Club (ADFC) ein. Diese Abbiege-Assistenz-Systeme würden die Sicherheit zwar steigern. „Aber der Radfahrer kann nicht erkennen, ob ein Fahrzeug damit ausgestattet ist.“ Deshalb sei seitens der Radfahrer grundsätzlich Vorsicht angebracht.

Der städtische Fahrradbeauftragte Thomas Wieser bestätigte das ausdrücklich. „Ich würde mich als Radfahrer nie mit einem Lastkraftwagen anlegen.“ Wieser spricht von Distanz halten, gegenseitigem Verständnis und davon, das Vorurteil vom rabiaten Lkw-Lenker in der Schublade zu lassen. „Von denen ist doch jeder froh, wenn er unfallfrei bleibt.“

Wieser spricht aus eigener Erfahrung. Vor knapp vier Jahrzehnten hat er den Lkw-Führerschein gemacht. Von Sicherheitssystemen war man damals weit entfernt. „Außenspiegel, mehr gab es nicht.“ Auch wenn diese Erfahrung lange zurückliegt, so ist sie bei Wieser präsent geblieben.

Ein wenig sollte sich seiner Meinung nach auch ein Radler in die Situationen einer Frau oder eines Mannes am Steuer eines Lkw hineinversetzen. „Und vielleicht das eine oder andere Mal auf sein Recht verzichten, bevor es richtig eng wird.“

Völlig einig war man sich bei der Präsentation der Abbiegeassistenzsysteme in einem Punkt: Was die Technik in einem Fahrzeug biete und möglich mache, sei in jedem Fall hilfreich. Aber die letzte Instanz bleibe der Mensch und wie er diese Technik nutze.

Auch Müllautos im Landkreis haben bereits einen Abbiege-Assistenten.

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