Dering-Kunstwerk am Altenheim Don Bosco 

Ende der Zitterpartie: Mosaik in Sicherheit

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Das Dering-Mosaik ist nun endgültig gerettet. Experten haben es aus der Fassade des Altenheims Don Bosco herausgeschnitten und mit einem Lkw auf das Kasernen-Gelände verfrachtet. Nun lagert es an einem längst vergessenen Ort.

Germering – Das Mosaik baumelt an den Ketten des Krans. Der Lkw-Motor röchelt. Zwei Tonnen schweben vor dem stillgelegten Feuerwehrhaus auf dem Kasernen-Gelände in der Luft. Als das Kunstwerk auf den Boden rumpelt, wackelt es. Und Brigitte Breidenbach von der Benatzky-Stiftung entfährt vor Schreck ein Schrei: „Huh“, ruft sie. Doch es geht alles gut. Das Mosaik ist zum Schutz mit Holz verkleidet. Josef Feiler, Chef einer Betonbohrfirma, sagt: „Jetzt hat es Rumpf gemacht.“ Er und seine Mitarbeiter versuchen, das Kunstwerk auf einen Hubwagen zu hieven, um es in die leere Halle schieben. Darin steht an einer Wand: „In this building.“ Es ist ein Überbleibsel aus alten Zeiten, als Amerikaner die Kaserne nutzen. An diesem Donnerstagnachmittag ist es eine Richtungsweisung.

Experten einer Betonbohrfirma haben das Mosaik des verstorbenen Künstlers Josef Dering, das bisher den Eingang des Don Boco Heims schmückte, aus der Fassade herausgeschnitten und in das ehemalige Feuerwehrhaus verfrachtet. Dort lagert es, bis die Caritas das Seniorenheim neu aufgebaut hat. Nun ist es endgültig in Sicherheit. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Am Altenheim Don Bosco kreischt am frühen Nachmittag die Säge. Ihre Zacken fräsen sich durch den Beton des Querbalkens am Eingang des Gebäudes, das baufällig ist und nun abgerissen wird. Josef Feiler fuchtelt mit den Armen. Er trägt eine gelbe Warnweste und roten Helm. Er gibt seinen zwei Mitarbeitern Anweisungen. Diese schneiden das Mosaik samt Wand aus der Fassade und heben es anschließend auf einen Lastwagen. Wochen lang haben sie auf diesen Moment hingearbeitet. Sie haben das Dach teilweise entfernt, in Wände gebohrt und geschraubt. Immer mit dabei: Die Sorge, dass das Mosaik einfach zerbröselt. Feiler sagt: „Wir sind eigentlich keine Restauratoren. Wir machen Dinge eher kaputt.“

Er ist Chef eines Schongauer Handwerksbetriebes. Dieser ist spezialisiert auf Betonbohrungen und -schneidungen. Eigentlich helfen Feiler und seine Mitarbeiter dabei, Gebäude abzureißen. Manchmal retten sie aber auch Kunstwerke, so wie heute. Die Bürgerstiftung hat sie beauftragt, das Mosaik abzunehmen. Die Organisation verwaltet den Nachlass des Künstlers Josef Dering. Sie hat Mitte März im Zuge einer Spendenkampagne zur Rettung des bedrohten Kunstwerkes mehrere tausend Euro gesammelt. Mehrmals drohte das Vorhaben zu scheitern. Vorstand Helmut Stolle sagt: „Wir haben ja viele Projekte. Aber das hier ist derzeit das Aufregendste.“

Ein Kran hebt das Mosaik auf den Lastwagen. Dann fahren Feiler, seine Mitarbeiter, Helmut Stolle und Brigitte Breidenbrach los in Richtung Kaserne. Eigentlich sollte das Mosaik im Bauhof unterkommen. Doch dort sei zu wenig Platz gewesen, sagt Brigitte Breidenbach von der Benatzky-Stiftung, die bei der Spendenaktion mitgeholfen hat.

Auf dem Kasernengelände muss Stolle mehrmals aussteigen, um Zäune aufzusperren. Der Lkw fährt vorbei an heruntergekommenen Gemäuern und Ruinen. Dann stoppt er vor dem alten Feuerwehrhaus. Ganz in der Nähe lagert ein tschechisches Unternehmen Öl in Silos. Es ist ein Ort, an dem Schätze vergessen werden.

Ein paar Minuten später schwebt das Mosaik über den Boden. Stolle hält die Hände nach oben, um dem Kranfahrer den Abstand zur Wand zu deuten. Da die Türschwelle im Weg ist, muss der Kran das Mosaik von außen nach innen auf den Hubwagen heben. Es geht um Zentimeter. Feiler und sein Kollege drücken, schieben und zerren. Sie müssen aufpassen, dass das Mosaik nicht seitlich umkippt. Doch letztlich bleibt es unbeschadet.

Die Halle ist leer. Früher parkten hier Feuerwehrautos. Nun steht darin ein Kunstwerk, das keiner sieht, weil es mit Holz verkleidet ist. Die Caritas hat versichert, es in das neue Gebäude zu integrieren. Doch wann genau es seinen Lagerort wieder verlässt, ist unklar. Auf der Holzverkleidung steht: „11. Mai 2017, Dering Mosaik“. Damit der, der es findet, weiß, was sich dahinter verbirgt.

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