Die Grafik zeigt den geplanten Windpark
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Die Grafik zeigt den geplanten Windpark

Krailling

Entsteht ein Windpark vor Germerings Toren?

  • Andreas Deny
    vonAndreas Deny
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Kann westlich des Kraillinger Gewerbegebiets KIM ein Energiepark mit 250 Meter hohen Windrädern entstehen? Die Gemeinde lässt dies derzeit von einem Ingenieurbüro aus Landsberg prüfen.

Krailling/Germering – Der Ausbau der Windkraft im Landkreis Starnberg ist seit Langem angedacht. Seit 2011 gibt es einen Teilflächennutzungsplan, der Konzentrationsflächen ausweist, auf denen Windkraftanlagen möglich wären. Die Gemeinde Krailling will jetzt Nägel mit Köpfen machen und lässt Flächen östlich der Autobahn A 96 – nur rund 1100 Meter von der Germeringer Stadtgrenze entfernt – von dem Landsberger Ingenieurbüro Sing untersuchen. Dieses hat im Bereich zwischen Germering, Gut Hüll, Frohnloh und der Kraillinger Innovationsmeile (KIM) sechs potenzielle Standorte ausgemacht – fünf auf Kraillinger Gebiet, die sich großteils in Privatbesitz befinden sowie einen auf Gilchinger Gemeindeflur.

Die sechs Standorte sind derzeit aber nicht genehmigungsfähig. Das Projektgebiet liegt im militärischen Kontrollbereich der Bundeswehr am Standort Lechfeld bei Augsburg. Für die Radarführung des dortigen Militärflughafens gelten Mindesthöhen, über die keine baulichen Hindernisse ragen dürfen. Aktuell sind nur Bauwerke mit einer maximalen Höhe von 180 bis 200 Meter zulässig, was für moderne Windenergieanlagen zu niedrig ist. Will man diese wirtschaftlich betreiben und das Windpotenzial ausnutzen, seien Höhen um die 250 Meter erforderlich, sagt Michael Keller vom Büro Sing.

Um dies zu realisieren, müsste die Kontrollzone per Ausnahmegenehmigung um 30 bis 60 Meter angehoben werden. Ob dies möglich ist, müsse jetzt eruiert werden, sagt Keller. Derzeit laufe bereits ein Verfahren über die Bundestagsabgeordneten Katrin Staffler (CSU) und Michael Schrodi (SPD), die sich für eine Anhebung der Radarführungshöhen einsetzen. Nur wenn man hinsichtlich des Standorts Lechfeld grünes Licht erhalte, wolle man ausloten, ob es auch Probleme mit der Einflugschneise des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen gebe, so Keller.

Die angedachten Standorte haben einen Abstand von 1100 Metern zur Stadtgrenze von Germering, 650 Metern zu Gut Hüll, 1000 Metern zu Pentenried, 1200 Metern zu Frohnloh sowie 1100 Metern zur Ortsgrenze von Geisenbrunn (siehe Karte). Da der Teilflächennutzungsplan des Landkreises vor dem Erlass der 10H-Regel Bestand hatte, müssen Windräder dort nicht zwangsläufig in einem Abstand zur Wohnbebauung errichtet werden, der der zehnfachen Höhe des Windrades entspricht. Als Mindestabstand sind 1000 Meter zur geschlossenen Wohnbebauung sowie 600 Meter zu Bereichen mit überwiegend gewerblicher Nutzung sowie Kleinsiedlungen festgelegt.

Laut Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux handelt es sich bei der Studie um einen ersten Vorentwurf. „Wenn das Projekt möglich ist, wird es mehrere Jahre dauern.“ Die Gemeinde wolle jedoch keinesfalls selbst als Bauherr auftreten, vielmehr werde man Investoren suchen. Am liebsten sei ihm eine Struktur mit starker Bürgerbeteiligung, etwa eine Bürgergenossenschaft umliegender Gemeinden mit vielen Kraillingern.

Starkes Interesse an dem Projekt hat laut Haux der Betreiber des Tanklagers, die Krailling Oils Development, die einen Öko-Energiepark schaffen und den grünen Strom aus der Windkraft abnehmen will. Der Strom soll in Wasserstoff umgewandelt werden, um daraus synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels herzustellen.

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