Wolfgang Brenner repariert auch zuhause kaputte Dinge. 

Repair-Café

Er bringt kaputte Dinge wieder zum Laufen

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Das Repair-Café in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde zieht eine positive Jahresbilanz. Einer, der dazu beigetragen hat, ist der in Eichenau lebende Wolfgang Brenner. Der 75-jährige pensionierte Siemens-Ingenieur ist regelmäßig als ehrenamtlicher Reparateur im Café.

-Herr Brenner, wie sind Sie zum Repair-Café gekommen?

Das Repair-Café lernte ich im Februar 2014 erstmals durch einen Zeitungsbericht kennen. Man suchte dort nach Leuten mit Reparaturkenntnissen. Damals hörte ich zum ersten Mal von dieser weltweiten Bewegung und war von dem Grundgedanken begeistert, defekte Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, die man bisher nur für sich selbst repariert hatte, auch für andere Menschen instand zu setzen. So wie es in den früheren Jahren allgemein üblich war, anstelle sie wegzuwerfen. Ein Neukauf bedeutet immer zusätzliche Anschaffungskosten sowie Verbrauch von Rohstoffen und Energien.

- Sie sind ja beruflich gewissermaßen vorbelastet, oder?

Ja. Nach der Ausbildung bei Osram zum Mechaniker war ich zunächst als Werkzeugmacher tätig. Dann absolvierte ich ein Studium Feinwerktechnik mit Abschluss Diplomingenieur. Ich wurde Entwicklungs-Ingenieur bei Siemens in Berlin und München. Von 1970 bis 1987 wurde ich von Siemens nach Südafrika versetzt, wo ich dort in Pretoria in den späteren Jahren eine Fabrik mit mehr als 300 Beschäftigten zur Herstellung von Siemens-Telekommunikations-Anlagen geleitet habe. 1987 kehrte ich zu Siemens München zurück und betreute zunächst weltweit Fabriken. Später war ich in der technische Entwicklung. Ich habe in meinem Keller eine wohl sortierte Werkstatt mit Tischlerkreissäge, Ständerbohrmaschine, Schleifböcken, Trennschleifmaschine, Drehmaschine sowie Schweißgeräte und Feldschmiede mit Amboss.

-Reparieren Sie daheim auch alles?

Eine Reparatur ist immer eine spannende Herausforderung, bei der die vielen Stunden im Keller nicht immer dem eigentlichen Wert des Gerätes entsprechen. Aber jede gelungene Reparatur erweitert die fachlichen Kenntnisse, befriedigt die Neugier und wird mit dem guten Gefühl der Zufriedenheit belohnt. Bei Küchengeräten zählt natürlich auch der Dank der Ehefrau. In vielen Fällen gibt es aber nicht einmal eine Alternative. Während meiner Zeit im afrikanischen Ausland war Improvisation angesagt, wenn es galt, mitten in der Wüste den zerrissenen Anlasser mittels zweier Autobatterien wieder zusammen zu schweißen oder ein kaputtes Kugellager mit einem Stück Zaundraht zu reparieren. Eine der längsten Reparaturen dauerte zwei Tage, als ich durch eine Unachtsamkeit mit dem Landrover auf einen Felsen fuhr und dabei die Vorderachse derart stark verbog, dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war. Zwei Tage habe ich im Buschfeld an einer Ausgleichsplatte aus Aluminium gehämmert, gebohrt und gesägt, sodass nach dem Einbau beide Vorderräder wieder parallel liefen.

-Was ist das Schöne an Ihrer Tätigkeit?

Im Repair-Café kann ich meine Neigung zum Tüfteln und Lösungsfinden einem größeren Kreis zugänglich machen. Insbesondere, wenn zu Hause alles funktioniert und nichts mehr zu reparieren ist. Es macht mir großen Spaß, dort mitzuwirken und hilft in vieler Hinsicht den zahlreichen Besuchern. Nach all den Jahren beim Repair-Café kann ich sagen, dass ich hier eine großartige Freizeitbeschäftigung gefunden habe und dass jeder Reparatur-Samstag ein Gewinn ist. Für die Reparateure in ihren grünen Hemden. Und auch für unsere Besucher, wenn sie mit zufriedenen Gesichtern ihren „Patienten“, den sie mit den Helfern zusammen erfolgreich repariert haben, wieder mit nach Hause nehmen können. Sei es, den wiederbelebten Haartrockner oder die vor Jahren geerbte Bronzestatue, die jetzt wieder fest auf ihrem Sockel steht. Viele Besucher suchen uns sogar mehrmals auf, das ermutigt die Reparateure, es kann aber auch an den vielen anderen Mitwirkenden des Repair-Cafés liegen, die mit Kaffee und Kuchen für eine nette und familiäre Atmosphäre in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde sorgen.

-Gibt es auch Dinge, die man nicht mehr reparieren sollte?

Jede Reparatur, ob Fahrrad Handy oder Oberhemd ist für jeden einzelnen der zahlreichen Reparaturexperten immer eine interessante Aufgabe. Scheinbar unlösbare Probleme werden untereinander diskutiert. Jeder hilft jedem. Umfangreiches Fachwissen und ein ausgiebiges Sortiment an Werkzeugen sowie Ersatzteilen stehen immer zur Verfügung und erleichtern die Arbeiten erheblich. Sehr oft liegt der Fehler nur an einer Kleinigkeit, und das Gerät kann mit einem kleinen Bauteil von wenigen Cent vor der Verschrottung gerettet werden. Dennoch, nicht alles lässt sich reparieren, denn viele Geräte sind heute von Hause aus nicht mehr für Reparaturen ausgelegt. Auch dafür haben die Besucher Verständnis. Haushaltsartikel, die früher rein mechanisch funktionierten, sind heute zum großen Teil mit aufwändiger Elektronik durchsetzt. Andere Geräte sind mit derart kuriosen Schrauben versehen, dass sie sich nur mit unseren selbst angefertigten Sonder-Schraubendrehern öffnen lassen. Leider sind auch Drucker oder Fernseher in ihrer heutigen Ausführung derart komplex und vielfältig, sodass ein Fehler in der verfügbaren Zeit nicht immer gefunden und behoben werden kann. Aber rund 70 Prozent der Geräte lassen sich instand setzen und werden, sofern es sich um Geräte mit Stromanschluss handelt, nach sorgfältiger Prüfung durch unseren Elektro-Spezialisten, den Besuchern übergeben. Und wenn die Reparatur nicht gleich klappt oder man weiß, dass man die kaputte Schraube als Ersatzteil bei sich im Keller liegen hat, dann kommt es schon mal vor, dass man die Wanduhr oder die Getreidemühle mit nach Hause nimmt und dort fertig macht. Es ist auf jeden Fall für eine gute Sache.

Interview:Klaus Greif

So kann man helfen

Wer sich vorstellen kann, seine Fähigkeiten ebenfalls für andere einzusetzen, soll sich per E-Mail an Repair-Cafe@germering.feg.de wenden. Informationen gibt es auf www.germering.feg.de/RepairCafe.

Jahresbilanz: 

Seit über vier Jahren wird an fast jedem letzten Samstag im Monat in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde am Bahnhofplatz das Repair-Café veranstaltet. An den zehn Öffnungstagen im abgelaufenen Jahr machten über 600 Leute von diesem Angebot Gebrauch und brachten ihre „Patienten“, wie die zu reparierenden Gegenstände im Repair-Café bezeichnet werden, dorthin. Insgesamt waren es rund 470 kaputte Dinge, von denen 285 sofort repariert werden konnten. Bei einem Viertel der Gegenstände konnten die Mitarbeiter des Repair-Cafés nichts mehr ausrichten. Bei dem Rest mussten die Besitzer Ersatzteile für eine Reparatur besorgen. Die höchste Erfolgsquote wies mit 86 Prozent die Kleiderklinik auf, gefolgt von der Fahrradklinik mit rund 81 Prozent. Auch die Holzklinik hatte eine vergleichbar hohe Erfolgsquote, wurde aber deutlich weniger in Anspruch genommen. Den stärksten Andrang erlebte die Kleingeräteklinik mit knapp 277 Patienten – fast die Hälfte konnte repariert werden.

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