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Lothar Meßner im täuschend echt aussehenden Cockpit seines Flugsimulators.

Germering

Er fliegt eine Boeing im heimischen Garten

Der Germeringer Hobbypilot Lothar Meßner ermöglicht in einem Simulator im heimischen Garten Flugtraining mit einer Boeing 737. Das Flugabenteuer fühlt sich täuschend echt an.

Germering– Direkt an der Landsberger Straße steht in einem Garten ein kleiner, aus Holzlatten zusammengebauter Verschlag an dem zwei Vorhängeschlösser angebracht sind. Doch in dem kleinen Gartenhäuschen sind weder Polstergarnituren noch Gartenwerkzeug verstaut, sondern eine Boing 737. Zugegeben kein ganzes Flugzeug, aber dennoch eine fast detailgetreue Kopie des Cockpits einer solchen Maschine. Unter dem Firmennamen Alphawings bietet hier Lothar Meßner Flüge in seinem täuschend echten Flugsimulator an.

Als die Tür zu dem unscheinbaren Raum geöffnet wird und die spärliche Beleuchtung das Cockpit samt Innenausstattung offenbart, kommt langsam die Aufregung, die man vor einem Flug spürt, auf. Eine kleine Stufe und zwei gebrauchte aber originale Stühle aus echten Linienmaschinen sind zwar zunächst alles, was man sieht. Sobald der Besucher dann Platz genommen hat, fällt ihm auf, wie realistisch hier alles ist.

Aus versteckten Boxen ist simulierter Funkverkehr zu hören. Ein Blick aus den Cockpitfenstern zeigt den Flughafen von Linz – er ist auf Leinwände projiziert. „Heute fliegen wir von Linz nach München“, begrüßt mich Meßner, wie es ein echter Kapitän mit seinen Passagieren tun würde. Apropos Passagiere: An den unzähligen Schaltern und Hebeln die sich über und vor mir ausbreiten, gibt es auch den klassischen „Bitte anschnallen“-Hebel, der natürlich für den Start umgelegt sein muss.

Alles in allem ist das Cockpit – bis auf die sehr platzintensive Funkeinheit, die fehlt – original nachgebaut. Für den Flug beziehungsweise dessen Simulierung arbeiten zwei Hochleistungsrechner zusammen, um Echtzeitdaten und auch echte Wetterdaten ohne Unterbrechung darzustellen. „Bis die Software so funktioniert hat, wie ich das wollte, hat es einige Zeit gebraucht, aber jetzt sind die Kinderkrankheiten ausgeräumt“, erzählt der 51-jährige Hobbypilot. Insgesamt hat der im wahren Leben als Autohändler arbeitende Meßner wohl das Geld, das man für einen neuen, hochwertigen Mittelklassewagen ausgeben müsste, in sein Hobby investiert.

Jetzt soll sich das Investment auch ein wenig rentieren. Seit einem Jahr gibt es seine Firma Alphawings. Hier können Interessierte Flugstunden buchen und entweder als Co-Pilot hautnah bei einem Flug dabei sein oder als Pilot das simulierte Flugzeug sogar selbst steuern. „Ich habe einen Linienpiloten im Ruhestand, der ab und an kommt, um wieder mal fliegen zu können. Aber auch Menschen mit Flugangst kommen, um ihre Angst in einer sicheren Umgebung abzubauen“, sagt Meßner.

Mittlerweile sind wir auf der Startbahn des Flughafens in Linz angekommen und haben vom Tower die Starterlaubnis erhalten. Jetzt ist Konzentration gefragt. Die Klappen werden eingestellt und der Schub beschleunigt das Flugzeug auf fast 300 Stundenkilometer bis wir langsam abheben. Was sich jetzt nach einem einfach Computerspiel anhört, ist in der Tat Schwerstarbeit und mit der Tätigkeit eines echten Piloten durchaus zu vergleichen. Denn das Programm, welches den Flug simuliert, erzeugt auch Fehler und Probleme. In unserem Fall springen die Klappen, die das Flugzeug bei Start und Landung braucht, immer wieder in ihre Originalposition zurück und das muss Meßner jedes Mal aufs Neue korrigieren.

Einmal in der Luft übernimmt der Autopilot den weiteren Flug und wir können uns ein wenig unterhalten. Während das Flugzeug die im Flugplan eingegeben Waypoints – sozusagen Wegweiser für die Luft – abfliegt, erklärt der Hobbypilot, was es mit den ganzen Knöpfen, Schaltern und Hebeln auf sich hat. Meßner fliegt bereits seit über 25 Jahren im Flugsimulator und hat sich mit dem Cockpitnachbau einen Traum erfüllt. Er hat inzwischen mehr als 5000 Flugstunden gesammelt und freut sich immer noch auf jeden einzelnen Flug.

Auf die Frage, warum er nicht sich nicht früher zu einer Pilotenausbildung beworben hat, sagt er: „Die Aufnahmekriterien sind sehr hart. Vor allem die Lufthansa nimmt nur die Besten der Besten. Ich habe mal privat begonnen, einen Pilotenschein zu machen, aber die kleinen Maschinen haben mich nicht so interessiert. Ich wollte lieber wieder in die großen.“

Am Ende sind wir heil in München gelandet. Die simulierte Sonne ist auch schon untergegangen und wir rollen langsam zum Gateway. 1,86 Tonnen virtuelles Kerosin haben wir verbraucht und zur Verabschiedung schüttelt mir der Kapitän in seinem Garten die Hand.

Auf die Frage, ob er auch ab und an mit seiner Frau in den computeranimierten Urlaub fliegt, sagt der 51-Jährige: „Nein, sie setzt in der Regel keinen Fuß hier rein. Aber sie hat nichts dagegen. Sie weiß, das ist mein Baby. Und wenn ich fliege, schaut sie einfach fern.“ (tel)

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