Ecco Meineke gab in der Stadtbibliothek einen ersten Rückblick auf das neue Jahr.

Er liefert den schnellsten Jahresrückblick aller Zeiten

Die Idee hat natürlich ihren Reiz in Zeiten, in denen so gut wie jeder namhafte Kabarettist einen satirischen Jahresrückblick im Programm hat:

Germering– Warum nicht der erste im Jahr sein, der damit auftritt? Ecco Meineke, jahrelanges Mitglied der Münchner Lach- und Schieß und zudem ein formidabler Sänger, Musiker und Komponist, hat dies exklusiv in der Stadtbibliothek vor zwei Jahren begonnen. Eingeladen von der Volkshochschule, war er jetzt schon das dritte Mal mit dem aktuellsten Jahresrückblick zu Gast, den man sich vorstellen kann: Er rückte die ersten Wochen von 2019 in den Brennpunkt seiner kabarettistischen Lupe und fand dabei an jedem einzelnen Tag so viel Satire-Stoff, dass es für eine abendfüllende Show reichte. Die rund 50 Besucher in der Stadtbibliothek – viel mehr hätten nicht Platz gehabt – waren begeistert.

Los ging’s mit einem kurzen Ausblick auf das, was im neuen Jahr bevorsteht. Da spielte der Brexit natürlich ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft stattfindet – wo, das wusste keiner der Besucher, die Meineke fragte. Überrascht hat ihn das gar nicht – „Sind ja nur Frauen.“ Das hätten auch Fußball-Experten nicht richtig beantworten können.

Wie sich das Jahr aus Sicht des Kabarettisten entwickeln wird, machte Meineke mit einer Nachricht deutlich, die er dem 1. Januar zuordnete: die Trennung von Helene Fischer und Florian Silbereisen. „Jetzt wird’s richtig schmutzig,“ prophezeite Meineke und untermalte dies mit Schlagzeilen der Bild-Zeitung und der Illustrierten Bunte.

Über Hunderte von Containern, die im Ärmelkanal von einem Schiff gerutscht sind – „Stellen Sie sich vor, das wäre im Mittelmeer passiert...“ – ging es weiter zur Landung der Chinesen auf der Rückseite des Mondes. Die Frage nach dem „Warum?“ beantworte Ecco Meineke mit der bekannten Melodie „Moonriver“ aus „Frühstück bei Tiffany“, der er diesen Text verpasste: „Rohstoffe, seltener als Gold, wichtiger als Brot und Milch.“

Es war nicht das einzige mal, dass Meineke auch als Musiker auftrat. Während er beim Mondlied und auch bei anderen Stücken noch eine digitale Einspielung als Background nutzte, griff er hin und wieder auch selbst zur Gitarre. Da untermalte er stimmgewaltig den aufkommenden Rassismus in Teilen der Gesellschaft mit dem eigenen Lied „Pastinaken raus“. Und das Schneechaos ab dem 10. Januar kommentierte er einerseits mit Gershwins „Summertime“ und dem Text „Sommerreifen, and your driving is lässig“, andererseits mit dem umgemodelten „Wanderers Nachtlied“ von Goethe, das bei ihm so endet: „Warte nur balde/schaufelst du auch.“

Bei einer immer wieder von Szenenapplaus unterbrochenen Persiflage auf die Vierschanzentournee verwandelte Meinike sich mit minimalen Mitteln in einen Skispringer. Badekappe und Skibrille reichten dafür völlig aus. Dann stellte er sich an den Schanzentisch Bühnenrand und flog zu den Worten eines Moderators aus dem Off in die Tiefe, verschwand nach minutenlanger Flugdauer aus dem Blickfeld des TV-Reporters – und landet auf dem Mond.

Dass es Meineke bei allem eingestreuten Klamauk auch immer um die essentiellen Themen der Gesellschaft und der Menschheit geht, wurde bei der Meldung vom 26. Januar mehr als deutlich. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagte er mit nachdenklicher Stimme. Die Erklärung folgte auf den Fuß. Es handelte sich um den Tod des Zweijährigen, der in Spanien in einen Brunnenschacht gefallen war. Das hängt laut Meineke eng mit dem Klimawandel zusammen: Weil es in Spanien immer trockener werde, würden illegal immer tiefere Brunnen gebohrt, um noch an Grundwasser zu gelangen.

KLAUS GREIF

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