Hans-Joachim Lutz verstarb mit 72 Jahren.

Nachruf

Er stellte sich bis zuletzt in den Dienst des Nächsten

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 Als Hans-Joachim Lutz sich Ende Juli 2017 aus dem Kreistag zurückzog, wurde er von gesamten Plenum mit minutenlangem Applaus verabschiedet.

Germering – Groß war der Respekt, den sich der Mediziner als Sozialreferent in seinen 33 Jahren im Kreis-Parlament verdient hatte. Zwei Monate zuvor hatte es im Stadtrat eine ähnliche Szene gegeben: stehende Ovationen für Hans-Joachim Lutz, der aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat zurückgab. Nun ist der CSU-Kommunalpolitiker und langjährige Vorsitzende des Germeringer Sozialdienstes im Alter von 72 Jahren verstorben.

Wäre es nach seiner Familie gegangen, hätte der 1947 in Tegernsee geborene Lutz das Baugeschäft des Großvaters übernehmen sollen. Sein Vater war bereits im Alter von 37 Jahren gestorben – zwei Monate vor der Geburt seines jüngsten Kindes. Hannes, wie ihn alle nannten, war das vierte der fünf Kinder und der ältere der beiden Söhne. Doch ins Baugewerbe zog es ihn so gar nicht.

Als Ministrant entschied er sich für eine theologische Laufbahn und machte am Spätberufenen-Seminar in Waldram in nur sechs Jahren sein Abitur. Noch während dieser Zeit begann er, am Versehrtenkrankenhaus in Bad Tölz als Pflegehelfer zu arbeiten. In der Medizin fand er endgültig seine Berufung. Statt Pfarrer zu werden, studierte Lutz in München Medizin. Er arbeitete unter anderem in den Kreiskrankenhäusern Bogen und Starnberg sowie an der Chirurgischen Klinik in Großhadern, bevor er Anfang der 1980er Jahre mit einer eigenen Praxis in Germering niederließ. Hier spezialisierte sich der Chirurg auf ambulante Operationen.

Ausgeprägte soziale Ader

Eine ausgeprägte soziale Ader zeichnete ihn schon in jungen Jahren aus. Noch während seiner Zeit in Waldram engagierte er sich in der Kinder-Ferienbegleitung der Caritas. Ein einziges Mal in den sechs Jahren betreute er eine Kindergruppe gemeinsam mit einer jungen Frau. Sie hieß Rita Rutkowski und wurde 1970 Rita Lutz. Die Kinder Florian, Monika und Michaela kamen 1973, 76 und 79 zur Welt.

Mit schier unerschöpflicher Energie engagierte sich Lutz in einer Vielzahl von Ämtern – sein Talent zu geschliffener Rhetorik prädestinierte ihn dafür. Neben der Kommunalpolitik war er Chefarzt des BRK Oberbayern, Vorsitzender des Ärztlichen Kreis- und Bezirksverbands, Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesärztekammer und Mitglied im Vorstand des Hartmannbunds. Er gehörte dem Prüfungsausschuss Chirurgie an und war Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Aus- und Fortbildung in den medizinischen Berufen. Bereits seit 1975 war Lutz als Notarzt tätig und baute einen Notarztstandort für Germering auf, der später auf Gröbenzell ausgedehnt wurde.

Träger des Bundesverdienstkreuzes

Humorvoll, gelassen, freundlich, konstruktiv und ausgleichend – in so mancher Laudatio wurde unterstrichen, dass der Träger des Bundesverdienstkreuzes nicht nur fachlich hochkompetent, sondern auch persönlich ein Gewinn für seine Mitmenschen war. Besonders am Herzen lag ihm stets der Sozialdienst – sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats behielt er auch dann noch, als er andere freiwillige Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen schon aufgeben musste. Sein letzter Wunsch war, dass statt Kränzen und Blumen zu seiner Beerdigung für den Sozialdienst gespendet werden sollte.

Die letzten Lebensjahre des begeisterten Skiläufers und Tennisspielers waren überschattet von schwerer Krankheit. Nach einer Entzündung der Wirbelsäule lag der Chirurg unzählige Male bei seinen Kollegen unterm Messer, zuletzt saß er im Rollstuhl. Seine Frau verlor er 2017, ebenfalls nach schwerer Krankheit. Die letzten Jahre lebte Lutz in der Nähe seiner jüngsten Tochter – der Mutter seiner beiden Enkelkinder – in der Nähe von Murnau. Dort wird er heute die letzte Ruhe finden.  os

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