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Er weiß fast alles über Freddie Mercury

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Von: Andreas Daschner

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Nicola Bardola hat ein Buch über Freddie Mercury geschrieben. Hier präsentiert er es vor dem Münchner Petit Café, einer Stammkneipe des legendären Rockstars.
Nicola Bardola hat ein Buch über Freddie Mercury geschrieben. Hier präsentiert er es vor dem Münchner Petit Café, einer Stammkneipe des legendären Rockstars. © Daschner

Er ist einer der größten Weltstars der Musikgeschichte: Queen-Sänger Freddie Mercury. Von 1979 bis 1985 hatte er seinen Lebensmittelpunkt in München. Der Germeringer Autor Nicola Bardola hat ein Buch über diese bewegte Zeit geschrieben.

Germering – Eigentlich gilt Bardola als absoluter Beatles-Kenner, hat bereits viel beachtete Biografien über Yoko Ono, John Lennon und Ringo Starr veröffentlicht. Nun also Queen. Aber warum? Als Grund dafür nennt der Germeringer Autor den Film „Bohemian Rhapsody“ aus dem Jahr 2018 – oder vielmehr den Ärger, den er beim Ansehen des Streifens verspürte.

Das englische Drama von Regisseur Bryan Singer beleuchtet die Geschichte Freddie Mercurys von der Gründung der Band Queen im Jahr 1970 bis zum Live-Aid-Konzert 1985, sechs Jahre vor dem Tod des Sängers. So weit so gut. Aber: „Der Film dauert über zwei Stunden, die Münchner Jahre sind aber auf zehn Minuten komprimiert“, sagt Bardola. Keine Spur von der Freundschaft des Starsängers zu Schauspielerin Barbara Valentin. Und auch Mercurys Lebensgefährte Winnie Kirchberger wird mit keiner Silbe erwähnt.

Bardola – selbst Queen-Fan, seit er im Alter von 16 Jahren die Single „Bohemian Rhapsody“ gekauft hat – musste das korrigieren. Und so entstand die Idee zu seinem neuen Buch „Mercury in München“. Dass der Untertitel „Seine besten Jahre“ nicht übertrieben ist, machte Bardola bei der Buchpräsentation deutlich, die zu verschiedenen Originalschauplätzen führte.

Mercury besaß auch ein Appartement in New York, wie Bardola berichtet. Gewesen ist der Weltstar dort aber so gut wie gar nicht, hat vielleicht zweimal einen Fuß in die Räume gesetzt. „New York war ihm zu unsicher“, weiß der Germeringer Autor. Mercury mochte es lieber ruhig und sicher – so wie in München eben, wo er von 1979 bis 1985 seinen Lebensmittelpunkt hatte.

Gelebt hat Mercury in den sechs Jahren hauptsächlich in zwei großen Appartements in einem Haus an der Stollbergstraße 4. Die Appartements gibt es heute noch, sogar der Eingang zum Haus ist laut Bardola unverändert. Nur wenige Meter weiter, in der Stollbergstraße 11, lebte Barbara Valentin, deren Wohnung oft Mittelpunkt von Partys war. Ein Bonmot hat Bardola von dem damals ebenfalls in diesen Kreisen verkehrenden Travestiekünstler Peter Ambacher, bekannt als Miss Piggy, erfahren.

„Bei einer Party hatte sich Barbara Valentin gerade eine Line Kokain vorbereitet, als die Polizei an der Tür klingelte“, erzählt Bardola. Valentin setzt sich kurzerhand auf die Drogen, ehe ein Gast die Tür öffnete. „Die Polizei kam herein, ließ sich ein Autogramm von Freddie Mercury geben und ging dann wieder“, erzählt Bardola und schmunzelt dabei.

Der homosexuelle Mercury fühlte sich in Bayerns Metropole wohl auch deswegen so wohl, weil München damals als eine der wichtigsten Gay-Citys, also Schwulenstädte, galt. „Let’s go to the 48 – Lass uns zur 48 gehen.“ Das war laut Bardola einer der Sätze, die Mercury oft sagte. Gemeint war die Schwulensauna im Tal 48, die damals den Namen „Caesar’s Club“ trug. Die Buchpräsentation führt auch zum ehemaligen Sebastianseck am Sebastiansplatz –einer Gaststätte, in der Mercury den Wirt Winnie Kirchberger kennen und lieben lernte. Mehr als drei Jahre dauerte die Beziehung zu dem aus Österreich stammenden Gastwirt.

Auch im Glockenbachviertel – heute noch Mittelpunkt einer lebendigen Schwulenszene – war Mercury oft und gerne unterwegs. Auf dem dortigen historischen Pissoir ist der Sänger als Graffiti verewigt. Im damaligen Club „Mrs. Henderson“ an der Müllerstraße feierte der Star sogar seinen 39. Geburtstag. „Mit einer der extravagantesten Partys, die man sich vorstellen kann“, erzählt Bardola. Nachzulesen auch in seinem Buch. Ebenso wie die Platten, die Queen in dieser Zeit in den Musicland-Studios im Arabella-Haus in Bogenhausen aufgenommen hat. Darunter Hits wie „Another One Bites the Dust“ und „Crazy Little Thing Called Love“.

Rund ein Jahr hat Bardola recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen und geschrieben, bis sein Buch fertig war. „Oft führte ein Treffen zum Nächsten, weil ein Augenzeuge wieder einen anderen kannte“, berichtet der Autor. Der seit geraumer Zeit in Germering lebende Bardola hätte sogar selbst zum Zeitzeugen werden können. In Zürich geboren verbrachte er das Semester 1981/1982 zum Studium der Germanistik in München – genau zu der Zeit also, als auch Mercury hier lebte. „Begegnet bin ich ihm aber leider nie“, sagt Bardola bedauernd.

Mediendaten

Das Buch „Mercury in München“ erschien am Montag zum Preis von 24 Euro im Heyne Hardcore Verlag (ISBN: 978-3-453-27352-8). Das 432 Seiten dicke Werk enthält 94 Schwarzweiß-Abbildungen, einen 16-seitigen Fototeil und zwei Karten, auf denen die Orte in München verzeichnet sind, die in Mercurys Leben eine wichtige Rolle gespielt haben.

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