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Hat endlich genug Platz für seinen Betrieb: Herbert Böck war einer der Vorkämpfer für den Handwerkerhof. 

Tag des Handwerks

Erfolgsmodell Handwerkerhof

Meister Eder und seinem Pumuckl reichte eine kleine Werkstatt im Hinterhof. Heutigen Anforderungen genügen solche Räumlichkeiten in der Regel nicht mehr. Doch wohin mit den Betrieben? In Städten und Gemeinden finden sich kaum geeignete große Grundstücke. Eine mögliche Lösung des Problems: Handwerkerhöfe.

Germering– Ein Dutzend Handwerksbetriebe hat sich im Winkel zwischen der Augsburger Straße und der B 2 in Germering angesiedelt. Eine Handvoll weiterer Betriebe kommt schon bald dazu. Doch die Entstehung des Handwerkerhofs war nicht frei von Geburtswehen und Rückschlägen, wie der dort ansässige Elektrikermeister Herbert Böck weiß.

Handwerkerhöfe sind keine neue Erfindung. Es handelt sich dabei um Gewerbegebiete, die speziell auf die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben zugeschnitten sind. In Olching gibt es schon lange ein solches Kompetenzzentrum. Selbst im kleinen Grafrather Ortsteil Mauern haben sich die Handwerksbetriebe an einem Ort gebündelt. Auch die Stadt Puchheim hat schon darüber nachgedacht.

In Germering kam die Idee für einen Handwerkerhof auf, nachdem die 2011 eröffnete Umgehung von Puchheim-Ort die Flur zerschnitten hatte. „Davor waren auf dem Areal des heutigen Handwerkerhofes landwirtschaftlich genutzte Flächen“, erklärt Böck. Doch nach der Verlegung der B 2 blieb ein kleines Eck übrig, das für den Feldbau nicht mehr taugte. Unter anderem siedelte sich dort ein Pferdehof an. Einer der Landwirte, nämlich Rupert Streicher, hatte schließlich den Gedanken, den Grund für einen Handwerkerhof zu nutzen.

„Ich habe sofort mit ihm darüber gesprochen“, erzählt Böck. Sein Betriebsgebäude in der Stadt – das Wohn- und Geschäftshaus der Eltern – war nämlich zu klein geworden. „Die Anforderungen an die Sozialräume wurden immer größer, ein Ausbau war nicht mehr möglich.“ So gediehen die Pläne für den Handwerkerhof. Insgesamt standen 24 000 Quadratmeter für das Vorhaben zur Verfügung.

Eine Ringstraße sollte das Areal erschließen, die Stadt gab ihren Segen. „Aber dann sprang einer der Landwirte wieder ab“, erinnert sich Böck. Plötzlich standen nur noch 12 000 Quadratmeter zur Verfügung. Es musste umgeplant werden.

Ab 2014 konnte dann endlich gebaut werden. Böck war mit seiner Elektrikerfirma der dritte Betrieb, der seinen Spatenstich auf dem Areal feierte. Mittlerweile finden sich dort mehrere Heizungsbauer und Elektrofirmen, ein Fliesenleger, ein Maler, ein Kugellagervertrieb, eine Firma für Sicherheitstechnik und eine Kfz-Werkstatt. Sogar ein Industriekletterer und ein Taucher sind mit im Boot. „Die Germeringer Elektriker sind jetzt fast alle beieinander“, sagt Böck. Dieses gebündelte Auftreten hat auch Vorteile – vor allem wenn bei einigen die Auftragsbücher voll sind.

„Dann empfehlen wir uns untereinander schon mal weiter“, sagt Böck. Eine Konkurrenzsituation sieht der Elektrikermeister jedenfalls nicht. „In Zeiten des Internet ist das völlig egal, dass man direkt nebeneinander liegt, da informiert sich sowieso jeder vorher.“

Günstig sei die Ballung der Betriebe auch für die zuliefernden Großhändler. „Die müssen jetzt nicht mehr durch ganz Germering fahren, um ihre Kunden zu besuchen, sondern haben die Unternehmen alle gebündelt an einem Platz.“

Aktuell bekommt der Handwerkerhof sogar noch Zuwachs. Die zweite Hälfte des Areals wurde zwischenzeitlich nämlich doch noch verkauft und wird bereits bebaut. Neben einer Großfirma finden dort vier weitere Handwerksbetriebe Platz. Und Böck ist sich sicher, dass man noch einmal ein Gebiet von gleicher Größe mit Firmen füllen könnte. „Es gibt viele Interessenten, nicht nur beim Handwerk, sondern auch beim Kleingewerbe“, sagt er. „Der Bedarf ist also durchaus da.“ Das liege auch an Germerings Autobahn- und S-Bahnanbindung. „Die Lage ist einfach geil“, sagt Böck enthusiastisch.

Handwerkerpreis 2017

11 300 Mitarbeiter und 857 Auszubildende arbeiten in den Handwerksbetrieben des Landkreises. Für sie haben die Kreishandwerkerschaft, die Stadt Fürstenfeldbruck und der Landkreis jetzt den Handwerkerpreis 2017 ausgelobt. Prämiert werden sollen Betriebe, die besonders treue und langjährige Angestellte haben. Bewerben kann man sich bis 30. Juni per Mail unter info@khs-ffb.de oder per Fax an (0 81 41) 6 33 24.

von Andreas Daschner 

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