Chansonabend

Erinnerungen an einen großen Germeringer Künstler

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Angekündigt war es als Chansonabend. Aber es war viel mehr als das. 

Germering – Gabriele Misch sang im ausverkauften Nachtasyl der Stadthalle nicht nur Lieder ihres im vergangenen August verstorbenen Mannes Günter Edin. Ihr neuer musikalischer Begleiter Peter Wegele streute dazu immer wieder klassische Klavierkompositionen Edins ein, dem Germering in den vergangenen 30 Jahren eine neue Heimat geworden war. Und darüber hinaus war der rund zweistündige Abend auch ein von Gabriele Misch selbst glänzend inszeniertes Schauspiel mit Texten rund um die Liebe – Texte, die sie wie viele der gesungenen Lieder selbst geschrieben hat.

Vor eineinhalb Jahren hat Gabriele Misch das Programm „Komm, hol den Mond...“ erstmals im Roßstall aufgeführt. Damals saß noch Günter Edin am Klavier. Dass der Komponist, der vor allem mit seinen Musicals „Der kleine Lord“ und und „Emil und die Detektive“ deutschlandweit bekannt war, in den 1980er-Jahren auch als Liedermacher aufgetreten war, war bis dahin den wenigsten bekannt. Einige der Nummern aus dieser Zeit wie „Leg doch die Etikette an die Kette“ oder „Denn vom Dastehn und Zusehn“ sang Gabriele Misch jetzt selbst. Die bissig-satirischen Texte, mit denen Edin gesellschaftliche Entwicklungen unter die Lupe nahm, haben immer noch Bestand.

Der überwiegende Teil der Lieder waren aber Chansons aus der gemeinsamen Zeit des Ehepaars Edin/Misch. Die Sängerin und Schauspielerin hat die Texte alle selbst geschrieben. Sie handeln durchweg von der Liebe – nicht nur zwischen Mann und Frau, nein. Thematisiert wird hier immer wieder auch die Lieber zur Bühne, zum Theater. Als Textdichterin hat Gabriele Misch von ihrer Mutter Fini Busch, die die Texte vieler berühmter deutscher Schlager („Ein Schiff wird kommen“, „Der weiße Mond von Maratonga“) geschrieben hat, viel mitbekommen.

Gabriel Misch, die sich auch durch ihre Programme mit Liedern von Hildegard Knef und Marlene Dietrich einen Namen gemacht hat, entführte die Besucher dabei meisterhaft in die Welt des Musiktheater der 1920er-Jahre in Berlin – dass sie bei ihren kongenialen Moderationen ab und an ein wenig Berliner Dialekt aufblitzen ließ, war sicher kein Zufall.

Dass Gabriele Misch die Lieder ohne ihren gewohnten Begleiter überhaupt spielen konnte, war neben dem grandiosen Pianisten Peter Wegele auch einem weiteren Germeringer zu verdanken. Gemeinsam mit dem Arrangeur und Kontrabassisten Eric Stevens haben sie die oft nur skizzenhaft vorhandenen Notationen wieder spielbar gemacht.

Zu den Höhepunkten des Abends zählten die von Wegele eingestreuten Klavierwerke Edins. Miniaturen wie der Walzer „Einsamkeit“, „Variationen über ein eigenes Thema“ oder „Andante Espressivo“ zeigten, welch einzigartiger Notensetzer er gewesen ist. Er hätte zu Lebzeiten mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Möglicherweise geschieht das aber jetzt postum.

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