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Die erste Mittelschule mit Inklusion

An der Kerschensteiner Mittelschule sind immer mehr Kinder mit besonderem Förderbedarf. Die Schule hat deswegen ein Inklusions-Leitbild erarbeitet und setzt es mit Unterstützung von Stadt und Schulamt um. Sie ist damit die erste Inklusions-Mittelschule im Landkreis.

Germering – Die Entwicklung inklusiver Schulen ist spätestens seit 2011 offizielles Ziel der bayerischen Bildungspolitik. Der Freistaat reagierte damit auf die UN-Behindertenkonvention, die Deutschland im Jahr 2009 unterzeichnete. Umgesetzt wurde das Ziel bisher aber eher spärlich. Im Landkreis gibt es bislang nur eine Grundschule in Fürstenfeldbruck, die ein inklusives Schulprofil entwickelt hat. Warum jetzt die Kerschensteiner Mittelschule einen entsprechenden Antrag gestellt hat, begründete Rektorin Claudia Frisch im Sozialausschuss.

Kooperation mit der Eugen-Papst-Schule

Die Kerschensteiner Schule ist schon aus räumlichen Gründen seit Jahren eng mit dem Thema Inklusion verbunden. Auf demselben Grundstück, also in unmittelbarer Nachbarschaft, befindet sich die Eugen-Papst-Schule, sonderpädagogisches Zentrum des Landkreises. Mit dieser Schule arbeite man seit langem eng zusammen, erklärte Claudia Frisch. Die Kerschensteiner Schule bietet so genannte Kooperationsklassen an, in denen Förderschüler ab der 5. Klasse an die Regelschule zurückgeführt werden. Das Modell funktioniere sehr gut, berichtete Frisch. Allerdings ende die Förderung ab der 7. Klasse – der Bedarf sei aber weiterhin vorhanden.

Immer mehr Schüler mit Förderbedarf

Insgesamt, so Frisch weiter, besuchten derzeit deswegen 16 Kinder mit anerkanntem Förderbedarf die Mittelschule. Hinzu kämen 21, bei denen der Bedarf früher festgestellt worden war. Neun weiteren Schülern im M-Zweig werden psychische Auffälligkeiten attestiert. Bei ihnen handelt es sich Frisch zufolge vor allem um Rückkehrer aus weiterführenden Schulen.

Zusätzliche Lehrerstunden

Um all diesen Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden und sie im Regelunterricht zu fördern, benötige die Schule unbedingt sonderpädagogische Unterstützung. Möglich ist dies mit der Entwicklung eines inklusiven Schulprofils. Der Schule werden dann vom Schulamt für 13 Wochenstunden sonderpädagogische Lehrkräfte und für weitere acht bis 13 Stunden Regelschulkräfte zur Verfügung gestellt. Das entspricht laut Frisch in etwa einer Lehrerstelle.

Um das Inklusionsmodell umzusetzen, wären auch weitere Gruppenräume und geeignete Unterrichtsmaterialien notwendig. Der zusätzliche Platzbedarf werde aber mit der anstehenden Schulerweiterung erfüllt. Und für die Materialien benötige man zunächst nur 500 Euro von der Stadt.

Der in der Sitzung anwesende Schulamts-Direktor Thomas Frey unterstützte den Antrag der Schule in vollem Umfang. Es gehe vor allem darum, sonderpädagogische Lehrkräfte an die Regelschule zu bringen.

In einer kurzen Diskussion wurde deutlich, dass die Stadträte aller Gruppierungen das Vorhaben begrüßen. Maximilian Streicher (ÖDP/Parteifreie) monierte, dass die Kommunen als unterste Ebene das umsetzen und finanzieren, was von den oberen Ebenen beschlossen worden sei. OB Andreas Haas antwortete, dass die Inklusion eine Aufgabe aller Schulen sei. Die einzigen Kosten, die aktuell auf die Stadt zukommen, seien die 500 Euro für Materialien.

Auch Sozialreferent Herbert Sedlmeier (CSU) bezeichnete die Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der er nicht zwischen oben und unten unterscheiden wolle. Er frage sich aber, was man sich für 500 Euro leisten könne. Das sei nur ein Ansatz, antwortete Frey: „Wir sind in einer Erprobungsphase.“

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