Bereit zum Start fürs Weltraumbier (links, v.l.) Holger Dietz, Daniel Vitt (beide Brauhaus), Markus Geiss, Thomas Sinn (beide Hopstronautix) und Harald Heitmeir (Brauhaus). 

Erstes Weltraumbier kommt aus Germering

  • vonHans Kürzl
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Aus Germering soll das erste europäische Weltraumbier kommen. Eine Zusammenarbeit zwischen dem örtlichen Brauhaus und drei Raumfahrttechnikern soll es möglich machen.

Germering – Hopstronautix – die Wortschöpfung klingt ein wenig danach, als würde der Druide Miraculix ein neues Geheimrezept entwickeln. Und tatsächlich haftet der Idee von Markus Geiss und Thomas Sinn sowie dem Amerikaner Daniel Gillies, die sich als Gruppe diesen Namen gegeben haben, etwas Magisches an: 500 Gramm edelster Hopfen sollen in einer unbemannten Rakete mit auf die Reise in den Weltraum gehen, wieder auf die Erde zurückkehren und im Brauhaus Germering zu einem „Space Beer“ verarbeitet werden.

„Von dem Fingerabdruck aus dem Weltraum wird etwas zu spüren sein.“ Daniel Vitt, einer der vier Geschäftsführer und Sprecher des Brauhauses, ist überzeugt, dass die Idee durch die Decke gehen wird. Er spricht davon, dass Temperatur, Druck und die für den Flug notwendige Vakuumverpackung den Geschmack beeinflussen. Am Ende soll ein spaciges „Double-IPA“ stehen – ein herzhaftes Bier, bei dem das Hopfige im Vordergrund steht und im Geschmack das Fruchtige durchscheinen soll. „Ein Bier mit viel Wumms“, schließt Vitt seine Beschreibung ab. 20 Hektoliter wollen die Germeringer Hobbybrauer davon abfüllen, das sind 5000 Flaschen. „Wenn alles gut geht, könnten wir das noch vor Weihnachten schaffen“, so Vitt.

Die Idee für das ungewöhnliche Projekt kam den drei Hopstronautix-Gründern auf ganz banale Weise vor zwei Jahren – bei einem Bier. „Wir haben Raketenstarts beobachtet und uns die Wartezeit beim Bier trinken vertrieben“, erzählt der 36 Jahre alte Thomas Sinn, der aus der Nähe von Stuttgart kommt. „Warum dann das Ganze nicht verbinden“, fügte der sieben Jahre jüngere Markus Geiss hinzu.

Der Hopfen wird vakuumverpackt als Würfel  ins All fliegen.

Mit Exos Aeorospace und Spacevenirs fanden sich zwei Kooperationspartner. Das US-Unternehmen Exos Aerospace etwa startet vom Spaceport America in New Mexico und möchte eines Tages touristische Kurzausflüge in den Weltraum verkaufen. Zunächst aber werden Forschungsprojekte befördert.

Die Germeringer Brauer werden allerdings nicht die ersten sein, die Hopfen mit einer Rakete nach oben schicken. Die Celestial Beerworks in Dallas beförderten ihr Produkt vor einem Jahr rund 60 Kilometer in die Höhe.

Das Hopstronautix-Projekt setzt dem aber eins drauf. Denn der Hopfen für das Germeringer Bier wird mit einer unbemannten Rakete rund 100 Kilometer in den Himmel fliegen – bei 100 Kilometern beginnt laut Definition der Weltraum. Es wird dann also tatsächlich das erste Weltraumbier, das im Brauhaus gebraut wird.

„In Amerika ist die Idee super angekommen“, berichten Geiss und Sinn. Das habe ihnen Mut gemacht, „in Europa auf die Suche nach kreativen und experimentierfreudigen Brauereien zu gehen“. Im Brauhaus Germering bekam man Wind von der Sache und der Suche der Hopstronautix. „Wir haben uns da schon sehr angesprochen gefühlt“, räumt Mit-Geschäftsführer Harald Heitmeir ein.

Die Wohnortnähe der beiden, Sinn wohnt seit einem Jahr in Germering, der gebürtige Niederbayer Geiss in Gilching, tat ein Übriges. Für das Brauhaus Germering, das im Januar 2018 gegründet wurde und im April 2019 in die alte Molkerei an der Dorfstraße einzog, bedeutet das Projekt mit dem Weltraum-Hopfen zudem eine willkommene Abwechslung.

Zu Beginn dieses Jahres begann man mit dem Brauen, die Einrichtung nahmen Formen an. Man hätte Vorträge oder Seminare übers Brauen anbieten können. „Doch dann kam uns Corona dazwischen“, so der dritte Geschäftsführer Holger Dietz, der Geschmacksexperte des Brauhauses ist.

Die Corona-Krise mit ihren Einschränkungen verhindert auch, dass die Brauer den Start der Rakete, der im September geplant ist, live miterleben. „Wir wären wahrscheinlich schon nach New Mexico geflogen“, bedauern Dietz, Heitmeir und Vitt. Nun bleibt der Livestream. Und die Vorfreude auf den Genuss des Weltraumbiers.

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