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„Fernsehrichter“ Alexander Hold (l.) kandidiert für die Freien Wähler für das Amt das Bundespräsidenten. Beim Neujahrsempfang im Hotel Mayer wird er von den Kreisvorsitzenden Fee Huber und Hans Friedl begrüßt.

Neujahrsempfang der Freien Wähler

Fernsehrichter kritisiert zündelnde CSU

Germering - Ein wirkliches Staatsoberhaupt bekommt man kaum mal persönlich zu Gesicht, aber auch Bundespräsidenten-Kandidaten trifft man eher selten. Vielleicht auch deshalb war der Saal des Restaurants im Hotel Mayer überfüllt, als jetzt beim Neujahrsempfang der Brucker Freien Wähler Alexander Hold präsentiert wurde.

Der Richter, Richter-Darsteller in über 2000 Gerichtsshows und Stadtrat in Kempten, tritt bei der Wahl am 12. Februar als einer von drei Gegenkandidaten des haushohen Favoriten Frank-Walter Steinmeier an. Die Freien Wähler stellen auf der Bundesversammlung elf von 1260 Wahlmännern.

Der 54-Jährige – offenes weißes Hemd, Jeans, jünger wirkend als in der Robe im Fernsehen – sieht seine Aufgabe schon mit der Kandidatur erfüllt. Angesichts des großen Medieninteresses könne er jeden Tag die Botschaft verbreiten, dass direkte Demokratie das Vertrauen der Bürger in den Staat wieder stärken könne. Besonders angesichts des weit verbreiteten Unverständnisses über die Auswahl des nächsten Staatsoberhauptes durch drei Parteivorsitzende bei einem Abendessen. Auch der Bundespräsident könnte natürlich direkt vom Volk gewählt werden statt von Abgeordneten und Parteien-Vertretern: „Wir wollen dazu beitragen, dass die nächste Bundesversammlung die letzte wird.“

Anders als ein Bundespräsident kann sich ein Kandidat für das Amt ins politische Tagesgeschäft einmischen. Schwerpunkt von Holds Vorstellung in Germering war das Flüchtlingsthema. Die CSU zündele mit Worten und werfe ihre christlichen Werte dann über Bord, „wenn Menschlichkeit unbequem wird“.

„Irrlichternden Postfaktischen“, die überall das Abendland bedroht sehen, argumentativ zu begegnen, sei ohnehin sinnlos. Aber der „Kontrollverlust des Staates“ bei der Grenzöffnung 2015 oder die „Kapitulation des Rechtsstaats“ in der Kölner Silvesternacht habe in der Tat das Urvertrauen der Bürger in die innere Sicherheit beschädigt.

Für den Juristen ist klar, dass sich der Staat vorbehalten müsse, wen er im Land haben wolle und wen nicht. Die Unschuldsvermutung gelte im Straf-, aber nicht im Ausländerrecht. Er wolle außerdem keine Ressentiments gegen Flüchtlinge schüren, aber dass Zuwanderer in teuer gebaute Neubauwohnungen ziehen, könne nicht dem sozialen Frieden dienen. Und als Beispiel für „verpasste Integration“ nannte Hold die Reinigungsfirmen in Asylbewerber-Heimen: „Wie sollen die Leute da auf die Idee kommen, später in der eigenen Wohnung zu putzen?“

Hold schnitt noch weitere Themen an: Big Data, die mögliche Destabilisierung der Welt „durch ein paar Nerds“, seine große Sorge um das Friedensprojekt EU, das von Osten und neuerdings von Westen gleichermaßen angegriffen werde, den deutschen Perfektionismus, mit dem man sich auch „zu Tode regulieren“ könne. Und angesichts von rund 70 Gästen, die sich fast gegenseitig auf die Füße traten, auch seine Freien Wähler: Die könnten selbstbewusst genug sein, um größere Säle zu mieten.

von Olf Paschen

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