Wort des Jahres 2018 steht fest und stiftet große Verwirrung - Was ist das eigentlich?

Wort des Jahres 2018 steht fest und stiftet große Verwirrung - Was ist das eigentlich?

Wegen neuer Regelung

Flüchtlingshelfer sind sauer auf Staatsregierung

  • schließen

Flüchtlingshelfer im Landkreis sind sauer auf die Staatsregierung. Der Grund ist ein Schreiben des Innenministeriums an die bayerischen Ausländerbehörden. Demnach sollen nur noch Flüchtlinge aus fünf Ländern arbeiten dürfen.

Landkreis – Die Mitglieder des Asyl-Helferkreises Puchheim haben Lebensläufe erstellt. Sie haben Arbeitgeber kontaktiert. Und sie haben sich durch einen Bürokratie-Dschungel gekämpft. 30 Flüchtlinge haben sie in Arbeit gebracht und 50 Personen beim Arbeitsamt angemeldet. „Zeitaufwand: 150 Stunden“, heißt es in einem Schreiben des Puchheimer Helferkreises. Und nun „alles umsonst?“

Viele Flüchtlingshelfer im Landkreis sind frustriert und sauer auf die Staatsregierung. Sie befürchten, dass die Ausländerämter Flüchtlingen mit geringer Bleibeperspektive bald die Arbeitserlaubnis verweigern. Der Grund: Das Bayerische Innenministerium hat im September eine entsprechende Weisung an die bayerischen Landratsämter geschickt und die Behörden kurz vor Weihnachten noch einmal daran erinnert. Demnach sollen nur noch Menschen aus Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia arbeiten dürfen, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deren Chancen, Asyl zu bekommen, als hoch einstuft. Nigerianer, Pakistaner oder Afghanen dagegen haben schlechte Karten. Bisher bekamen Flüchtlinge, die nicht aus sicheren Herkunftsländern stammen und sich im Asylverfahren befinden, nach drei Monaten eine befristete Arbeitserlaubnis – egal woher sie kommen. Nun spielt die Herkunft plötzlich eine Rolle.

Nicht anerkannte Asylbewerber müssen alle drei Monate beim Landratsamt eine Verlängerung ihrer Arbeitserlaubnis beantragen. Nach Angaben der Brucker Behörde hat das Ausländeramt seit Dezember nur bei einer „Handvoll“ Personen die Arbeitserlaubnis nicht verlängert. Gleichwohl könnten bald weitere hinzukommen. Derzeit leben im Landkreis 3339 Flüchtlinge, davon 1200 in der Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst. Von den 2139 Menschen, für die das Landratsamt zuständig ist, befinden sich 1246 noch im Asylverfahren. Etwa ein Viertel davon hat eine Arbeitsstelle. Darunter sind viele Nigerianer und Pakistaner.

Asylkoordinator Andreas Buchner weiß von fünf Azubis und einem Flüchtling, der ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Verlieren sie alle bald ihren Job? Das Ausländeramt beziehe unter anderem die Anerkennungsquote der Herkunftsländer bei der Prüfung der Anträge mit ein, sagt Buchner. Das sei aber nur eine „Tendenz“. „Wir schauen uns immer den Einzelfall an.“

Die neue Regelung des Innenministeriums könnte für etwa 30 Bewohner der Puchheimer Flüchtlingsunterkunft bedeuten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie kommen aus Nigeria, Afghanistan, Sierra Leone, Kongo, Pakistan oder Äthiopien. Viele arbeiten in der Gastro- oder Reinigungsbranche, darunter zum Beispiel ein Koch, der in einem bayerischen Restaurant eine Stelle gefunden hat. Sie alle hätten schon von der neuen Regelung gehört, sagt Marlies Eller vom Helferkreis Puchheim. Der Unmut in der Unterkunft wachse, weil etwa Syrer arbeiten dürften, Nigerianer aber bald nicht mehr. „Der Arbeitsentzug führt zu Ungleichgewicht.“

Da viele Flüchtlinge ohne Ausweis nach Deutschland eingereist sind, kann sie der Staat nicht in ihr Heimatland abschieben. Sollte man ihnen die Arbeitserlaubnis verweigern, seien sie zum „Nichtstun verdonnert“, wie die Puchheimer Asylhelfer schreiben. Sie befürchten schlimme Auswirkungen: „Schwarzarbeit, Alkohol, Schlägereien, Sexualübergriffe und Hass gegen Deutsche“. Zudem ärgert sie die Steuergeldverschwendung. Schließlich erhalten Flüchtlinge weniger Sozialleistungen, wenn sie arbeiten und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Die Flüchtlingshelfer im Landkreis blicken besorgt in die kommenden Wochen. Günter Mairhörmann vom Mammendorfer Helferkreis sagt: Das Thema beschäftige Helfer und Flüchtlinge in Mammendorf sehr. Noch hätten zwar viele eine Arbeitserlaubnis. Spannend werde es, wenn diese Personen bei der Ausländerbehörde um eine Verlängerung nachsuchen müssten. „Da sehe ich für Pakistani sehr schwarz.“

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

B2 in Fürstenfeldbruck: „Die Stadt will die Straße zurückerobern“
Montserrat Miramontes ist schon viel herumgekommen: Ursprünglich stammt die 36-Jährige aus Guadalajara in Mexiko. In Deutschland hat die Umweltingenieurin an der …
B2 in Fürstenfeldbruck: „Die Stadt will die Straße zurückerobern“
Betriebe sollen Defibrillatoren melden
Weil bei akuten Herzrhythmusstörungen Minuten über Leben und Tod entscheiden können, will die Stadt dafür sorgen, dass Defibrillatoren im Stadtgebiet leichter zu finden …
Betriebe sollen Defibrillatoren melden
Der große Tag für die Luzienhäusl
Jedes Jahr am Tag der Heiligen Luzia schwimmt ein Lichtermeer die Amper herunter. 
Der große Tag für die Luzienhäusl
Trassen-Suche für Hubschrauber-Transport
Schwertransporte sind immer eine aufregende und spannende Sache. Demnächst sollen Lkw mit sechs Hubschraubern durch den Landkreis rollen. Nun wird überlegt, welche Route …
Trassen-Suche für Hubschrauber-Transport

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion