Wegen neuer Regelung

Flüchtlingshelfer sind sauer auf Staatsregierung

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Flüchtlingshelfer im Landkreis sind sauer auf die Staatsregierung. Der Grund ist ein Schreiben des Innenministeriums an die bayerischen Ausländerbehörden. Demnach sollen nur noch Flüchtlinge aus fünf Ländern arbeiten dürfen.

Landkreis – Die Mitglieder des Asyl-Helferkreises Puchheim haben Lebensläufe erstellt. Sie haben Arbeitgeber kontaktiert. Und sie haben sich durch einen Bürokratie-Dschungel gekämpft. 30 Flüchtlinge haben sie in Arbeit gebracht und 50 Personen beim Arbeitsamt angemeldet. „Zeitaufwand: 150 Stunden“, heißt es in einem Schreiben des Puchheimer Helferkreises. Und nun „alles umsonst?“

Viele Flüchtlingshelfer im Landkreis sind frustriert und sauer auf die Staatsregierung. Sie befürchten, dass die Ausländerämter Flüchtlingen mit geringer Bleibeperspektive bald die Arbeitserlaubnis verweigern. Der Grund: Das Bayerische Innenministerium hat im September eine entsprechende Weisung an die bayerischen Landratsämter geschickt und die Behörden kurz vor Weihnachten noch einmal daran erinnert. Demnach sollen nur noch Menschen aus Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia arbeiten dürfen, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deren Chancen, Asyl zu bekommen, als hoch einstuft. Nigerianer, Pakistaner oder Afghanen dagegen haben schlechte Karten. Bisher bekamen Flüchtlinge, die nicht aus sicheren Herkunftsländern stammen und sich im Asylverfahren befinden, nach drei Monaten eine befristete Arbeitserlaubnis – egal woher sie kommen. Nun spielt die Herkunft plötzlich eine Rolle.

Nicht anerkannte Asylbewerber müssen alle drei Monate beim Landratsamt eine Verlängerung ihrer Arbeitserlaubnis beantragen. Nach Angaben der Brucker Behörde hat das Ausländeramt seit Dezember nur bei einer „Handvoll“ Personen die Arbeitserlaubnis nicht verlängert. Gleichwohl könnten bald weitere hinzukommen. Derzeit leben im Landkreis 3339 Flüchtlinge, davon 1200 in der Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst. Von den 2139 Menschen, für die das Landratsamt zuständig ist, befinden sich 1246 noch im Asylverfahren. Etwa ein Viertel davon hat eine Arbeitsstelle. Darunter sind viele Nigerianer und Pakistaner.

Asylkoordinator Andreas Buchner weiß von fünf Azubis und einem Flüchtling, der ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Verlieren sie alle bald ihren Job? Das Ausländeramt beziehe unter anderem die Anerkennungsquote der Herkunftsländer bei der Prüfung der Anträge mit ein, sagt Buchner. Das sei aber nur eine „Tendenz“. „Wir schauen uns immer den Einzelfall an.“

Die neue Regelung des Innenministeriums könnte für etwa 30 Bewohner der Puchheimer Flüchtlingsunterkunft bedeuten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie kommen aus Nigeria, Afghanistan, Sierra Leone, Kongo, Pakistan oder Äthiopien. Viele arbeiten in der Gastro- oder Reinigungsbranche, darunter zum Beispiel ein Koch, der in einem bayerischen Restaurant eine Stelle gefunden hat. Sie alle hätten schon von der neuen Regelung gehört, sagt Marlies Eller vom Helferkreis Puchheim. Der Unmut in der Unterkunft wachse, weil etwa Syrer arbeiten dürften, Nigerianer aber bald nicht mehr. „Der Arbeitsentzug führt zu Ungleichgewicht.“

Da viele Flüchtlinge ohne Ausweis nach Deutschland eingereist sind, kann sie der Staat nicht in ihr Heimatland abschieben. Sollte man ihnen die Arbeitserlaubnis verweigern, seien sie zum „Nichtstun verdonnert“, wie die Puchheimer Asylhelfer schreiben. Sie befürchten schlimme Auswirkungen: „Schwarzarbeit, Alkohol, Schlägereien, Sexualübergriffe und Hass gegen Deutsche“. Zudem ärgert sie die Steuergeldverschwendung. Schließlich erhalten Flüchtlinge weniger Sozialleistungen, wenn sie arbeiten und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Die Flüchtlingshelfer im Landkreis blicken besorgt in die kommenden Wochen. Günter Mairhörmann vom Mammendorfer Helferkreis sagt: Das Thema beschäftige Helfer und Flüchtlinge in Mammendorf sehr. Noch hätten zwar viele eine Arbeitserlaubnis. Spannend werde es, wenn diese Personen bei der Ausländerbehörde um eine Verlängerung nachsuchen müssten. „Da sehe ich für Pakistani sehr schwarz.“

Rubriklistenbild: © dpa

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