Freies WLAN in der Bibliothek hat zu unerwarteten Problemen geführt. symbolfoto

Stadtbibliothek

Freier Internet-Zugang lockt auch laute Gäste an

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Die Stadtbibliothek hat sich dank ihres kostenlosen WLAN-Angebots zum Treffpunkt einer Clique von Jugendlichen entwickelt. Weil die auch mal laut wurden und den Betrieb störten, wurde mithilfe der Polizei eine Gegenstrategie entwickelt.

Germering – Im Halbjahresbericht der Stadtbibliothek, der jetzt im Hauptausschuss präsentiert wurde, weist Leiterin Christine Förster-Grüber auf das Problem hin, das mit Einführung des kostenlosen WLANs aufgetreten ist. Dies habe nicht nur Schüler und Studenten angelockt, die die Bibliothek zum Recherchieren und Lernen nutzen. Ein Freundeskreis von etwa 25 bis 30 Jugendlichen habe sich seitdem den Jugendbereich im Untergeschoss und das Lesecafé im Obergeschoss zum Treffpunkt auserkoren.

Die Bibliothek habe das zunächst wohlwollend aufgenommen, erzählt Förster-Grüber auf Nachfrage – auch wenn die Jugendlichen nicht der Bücher wegen gekommen seien. Allerdings habe es bald Probleme und Beschwerden anderer Nutzer gegeben, denn: „Das Verhalten und die Lautstärke dieser Gruppe war mit dem Bibliotheksbetrieb nicht vereinbar.“

Gespräche mit den Jugendlichen, Ermahnungen und mündliche Hausverweise haben der Bibliothekarin zufolge zunächst wenig geändert. Dann habe man Rat bei der Polizei und bei Jugendsozialarbeitern gesucht. Vor allem mit Hilfe von Polizeivize Andreas Ruch habe man dann einen Stufenplan ausgearbeitet, der sich als erfolgreich herausgestellt hat.

Dabei geht es laut Förster-Grüber vor allem um die Art und Weise der Kommunikation mit den Jugendlichen. Wenn sie wieder mal zu laut oder mit ihrem pubertären Gehabe andere stören würden, reagieren die Bibliothekare zunächst mit einer freundlichen Ansprache. Fruchtet diese nichts, folgt eine kernigere Ermahnung, so Förster-Grüber. In der nächsten Stufe wird dann mit einem Hausverweis gedroht. Und wenn sich auch dann nichts ändert, muss der Störer tatsächlich die Bibliothek verlassen. Allerdings nicht für immer, erklärte Christine Förster-Grüber: „Wir wollen sie ja eigentlich im Haus haben. Sie sind uns ja mittlerweile auch irgendwie ans Herz gewachsen.“ Also bekommen sie am nächsten Tag wieder die Chance, ins Haus zu kommen und sich einigermaßen gebührlich zu verhalten.

Die Situation habe sich seitdem deutlich verbessert, berichtet Förster-Grüber. Allerdings habe dies den Mitarbeitern der Bibliothek zusätzliche und ungewohnte Arbeit beschert: „Die pädagogische und disziplinarische Aufgabe bindet personelle Ressourcen.“

Indischer Praktikant darf nicht einreisen

Die Stadtbibliothek hat im vergangenen Jahr einen Praktikanten aus Mazedonien beschäftigt, der anschließend einen begeisterten Erfahrungsbericht auf einem internationalen Bibliotheksportal veröffentlichte (wir berichteten). Das hat Wellen geschlagen, wie Christine Förster-Grüber jetzt berichtet. Es gab Anfragen von Bibliothekaren aus Afrika und Indien, die sich ebenfalls kundig machen wollten, wie die Germeringer Einrichtung geführt wird. 

Mit dem Kollegen aus Indien sei eigentlich schon alles klar gewesen, so Förster-Grüber. Dann hat allerdings die deutsche Botschaft in Neu Delhi nicht mitgespielt: „Sie hat ihm kein Visum erteilt.“ Sie habe zwar sogar in Neu Delhi angerufen, um die Entscheidung rückgängig zu machen, erzählt die Bibliotheksleiterin. Es war allerdings vergebens. Die Anfrage eines weiteren Bewerbers aus Kamerun habe sich dann erledigt, weil dieser selbst die Leitung einer Bibliothek übernommen habe. Jetzt gebe es aber noch einen jungen Bibliothekar aus Nigeria, der im Frühjahr 2018 zu einem einwöchigen Praktikum nach Germering kommen wolle. Auch hier müsse man aber erst abwarten, ob er ein Visum erhält.

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