Faktencheck im Umweltbeirat

Freiham wird zur Belastung für Germering

Die Bau-Dynamik in Freiham kann Germering belasten. Der Umweltbeirat sucht nach Lösungen – im Landkreis-Osten und im Münchner Westen.

Germering – Die genauen Zahlen will sich der Umweltbeiratsvorsitzende Herbert Krause gar nicht vorstellen. Germering habe mit 40 000 Einwohnern 32 Prozent Auspendler. Mit einer ähnlichen Quote sei in Freiham zu rechnen. „Die S-Bahn wird dadurch noch mehr belastet“, ist sich Krause sicher. Ein Faktencheck des Eisenbahningenieurs Stefan Baumgartner zur S-Bahn, der auf Initiative des stellvertretenden Vorsitzenden Elmar Schulte entstand, sollte in der jüngsten Sitzung des Beirats Diskussionsgrundlage sein. Vor allem aber nahm der Beirat Empfehlungen mit.

So würde es Baumgartner begrüßen, wenn eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gremien der Stadt Germering und dem für Freiham zuständigen Münchner Bezirksausschuss (BA) 22 entstünde. „Um eine gemeinsame Siedlungsplanung anzustreben“, begründete der Eisenbahningenieur sein Ansinnen. So könnten auch unterschiedliche Berechnungen von Einwohnerentwicklungen besser hinterfragt werden. In Bezug auf die Verlängerung der U-Bahn bis Freiham hatte es solche Unterschiede zwischen dem Münchner Baureferat und dem BA 22 gegeben.

Dessen Vorsitzender Sebastian Kriesel zeigte sich auf Nachfrage einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Gremien aufgeschlossen. „Bisher war die Landkreisgrenze doch ein eher trennendes Element.“ In Gröbenzell habe man dagegen mit engeren Kontakten gute Erfahrungen gemacht. Das wolle er nun auch mit Germering anstoßen. „Das Thema Freiham verbindet uns sehr“, sagte Kriesel.

Um Germering an einer möglichen U-Bahn teilhaben zu lassen, können sich Baumgartner und auch der Umweltbeirat eine Busverbindung zwischen Germering und Freiham in einem an die U-Bahn angepassten Zeittakt vorstellen. Gleichzeitig sollte die Verbindung zwischen der Großen Kreisstadt und dem Osten des Landkreises erheblich verbessert werden. „Derzeit komme ich zu Fuß fast schneller nach Eichenau als mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, so Baumgartner.

Die Verbindung in Nachbarorte wie Eichenau, Olching oder Planegg müsse attraktiver gestaltet werden. „Mindestens ein 20-Minuten-Takt muss möglich sein“, sagte Baumgartner. Ergänzen sollte dieses Angebot ein Nachtbus von Germering nach Pasing, der stündlich fährt. Mit diesem Paket könnten die verschiedenen S-Bahn-Äste laut Baumgartner entlastet werden. Aus diesem Grund erteilte er einer Tramlinie von Freiham bis Pasing eine Absage. „Spätestens dort wird man wieder auf die S-Bahn umsteigen.“

Wenig begeistert zeigte sich Baumgartner auch von den Expressbahnen, die 2026 mit der Einführung der zweiten Stammstrecke fahren sollen, ergänzt von einem 15-Minuten-Grundtakt. Der Rhythmus der Abfahrtszeiten sei unregelmäßig. Weil auf anderen Strecken zudem 10-Minuten- und 20-Minuten-Taktzeiten vorgesehen sind, befürchtet Baumgartner Schwierigkeiten bei der Koordination. „Jede kleine Verspätung kann große Auswirkungen haben.“ Die zweite Stammstrecke blockiere nötige Investitionen auf den Außenästen. Auf der S-Bahnlinie 8 ist der Abschnitt ab Weßling bis Herrsching nur eingleisig ausgebaut.

von Hans Kürzl

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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