Bei Germering

Freihams Zentrum in der Warteschleife

  • Sascha Karowski
    VonSascha Karowski
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Der Bau des Stadtteilzentrums in Freiham muss neu ausgeschrieben werden. Damit wird die Fertigstellung um vermutlich zwei Jahre verzögert. Die Germeringer Einzelhändler lässt das aufhorchen.

Freiham/Germering – Die Suche nach einem Schuldigen scheint noch nicht ganz abgeschlossen. „Wir hoffen, dass der nächste Investor seine Finanzverhältnisse erst einmal prüft, bevor er sich auf das Verfahren einlässt“, sagte die SPD-Sprecherin im Kommunalausschuss, Ulrike Boesser. Das klingt schon sehr deutlich nach Kritik an der Partizia AG. Wie berichtet hatte sich das Augsburger Unternehmen als Bauträger im September völlig überraschend aus dem Projekt Stadtteilzentrum Freiham zurückgezogen, obwohl es das Bieterverfahren gewonnen hatte. Firmensprecher Andreas Menke begründete den Rückzug damit, dass wegen des Vergabeverfahrens Rechtsunsicherheiten bestanden hätten. Man fürchtete die Klage eines Mitbewerbers. Eine juristische Auseinandersetzung hätte zu Verzögerungen führen können, möglicherweise sogar zu einer Rückabwicklung des Verfahrens. Teile des Stadtrates werfen allerdings auch dem Kommunalreferat vor, das Verfahren unnötig verkompliziert zu haben und damit ursächlich für die rechtlichen Bedenken der Patrizia zu sein. FDP-Fraktions-Vize Gabriele Neff hatte in Folge sogar den Rücktritt von Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) gefordert. Sei’s drum. „Das ist jetzt erst mal abgehakt“, sagt Boesser. Der Kommunalausschuss hat sich jetzt in nicht-öffentlicher Sitzung dazu entschlossen, das Verfahren neu auszuschreiben. Damit ist der Fall eingetreten, den die Verwaltung verhindern wollte. Nach der Absage der Patrizia hatten Vertreter des Referats Gespräche mit den übrigen Bietern aufgenommen, um das Projekt noch zu retten. Offenbar ohne Erfolg. Auf dem Gelände nahe der Kreuzung zwischen der Bodensee- und der Wiesentfelser Straße sind vier Gebäude geplant, die neben 350 Wohnungen auch Platz für Einzelhandel und Dienstleister bieten sollen. Die Stadt hatte geplant, dieses Zentrum im Idealfall zeitgleich mit der Wohnbebauung der neuen Siedlung fertigzustellen. Durch die neue Ausschreibung ist das nicht mehr möglich. Wie es heißt, verzögere sich der Bau des Stadtteilzentrums um bis zu zwei Jahre. Um die Nahversorgung der neuen Bewohner übergangsweise sicherzustellen, hatte die CSU die Errichtung eines Interims-Supermarkts gefordert. Dem stimmte der Ausschuss zu. Die Kosten dafür soll der neue Investor schultern. „Wir wollen einen Pendel-Einkaufsverkehr nach Germering oder Pasing weitestgehend vermeiden“, sagt CSU-Fraktions-Vize Kristina Frank. „Der Investor soll notfalls während der Bauzeit ein Einkaufsprovisorium im Viertel aufstellen. Denkbar wären Containerlösungen.“ Ein möglicher Standort schwebt CSU-Stadtrat Johann Sauerer vor. „Nur in Kombination mit dem zügigen Abriss und Neubau des Geschäftszentrums in der Wiesentfelser Straße kann die Versorgung annähernd garantiert werden.

Germeringer Einzelhandel will Versorgung der neuen Nachbarn übernehmen

Germeringer Einzelhandel will Versorgung der neuen Nachbarn übernehmen

Das Germeringer Gewerbe sieht die Verzögerung beim Bau des Stadtteilzentrums in Freiham durchaus als Chance, neue Kunden für die Geschäfte in der Großen Kreisstadt zu gewinnen. Kathrin Schmidt, im Wirtschaftsverband für den Einzelhandel zuständig, kündigte an, dass man in jedem Fall versuchen werde, die Werbung für das heimische Gewerbe verstärkt im Richtung Freiham und auch Aubing auszuweiten. 

Man habe schon im Rahmen der aktuellen Image-Kampagne „Germeringer Lieblingsläden“ eine Umfrage am S-Bahnhof Freiham gemacht, um zu erkunden, welche Rolle die Germeringer Geschäfte bei den neuen Nachbarn spielen. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Allerdings ist die Zahl der Einwohner in Freiham ja noch sehr begrenzt. Aktuell stehen nur wenige Wohnhäuser am Rande des großen Gewerbeparks. Das eigentliche Siedlungsgebiet von Freiham nördlich der Bodenseestraße ist gerade erst im entstehen.

 Nächstes Jahr sollen die ersten Wohnhäuser fertig sein. Nach und nach sollen aber bis zu 20 000 Menschen dort leben. Dieses Potenzial müsse man nutzen, meinte Schmidt. Wenn sich die ersten Bewohner wegen der jetzt eingetretenen Verzögerung nach Einkaufsmöglichkeiten umsähen, liege Germering natürlich nahe. Das GEP mit dem Cineplex-Kino sei ja auch jetzt schon ein Magnet über die Stadtgrenzen hinaus. 

Zudem habe man den Vorteil, dass die Geschäfte im Zentrum nahe am S-Bahnhof liegen. Das einzige Problem werde sein, wie man mögliche Kunden über die Autobahn nach Germering bringt: „Die ist ja jetzt schon dauernd dicht.“

 Gewerbereferent Albert Metz sieht die Verzögerung ebenfalls als große Chance für den Germeringer Einzelhandel: „Wir sind sehr gut aufgestellt und können die Grundversorgung von Freiham übernehmen.“ Anschließend müsse es dann darum gehen, diese neuen Kunden zu binden. Unabhängig davon sei er schon immer der Meinung gewesen, dass die Besiedelung von Freiham mehr Chancen als Risiken bietet. Er kenne schon jetzt Neuaubinger Bürger, die überwiegend in Germering einkaufen, Und nicht nur das: „Auch unser Kultur- und Freizeitangebot spielt da ein große Rolle.. (kg)

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