+
Ein Kettenbagger zerrt am Biotop oberhalb des Germeringer Sees gefällte Bäume aus dem Wald (oben). Die Abholzung ist nötig geworden, damit mehr Sonnenlicht durchkommt und sich so die Temperatur des Weihers erhöht.

Wegen Erdkröten, Grasfrösche und Insekten 

Für Biotop müssen Bäume fallen

Es war ein Paradies für Amphibien und Insekten – das Biotop oberhalb des Germeringer Sees. Doch mittlerweile ist die Fläche zugewuchert. Wegen der vielen Bäume kommt kaum Sonnenlicht durch und Kröten meiden die kalten Gewässer. Nun ist die Stadt mit schwerem Gerät angerückt. Es ist ein Kampf gegen die Natur für die Natur.

Germering – Die Kettensägen kreischen. Holz splittert. Bäume schlagen krachend auf dem Boden auf. Ein Kettenbagger zerrt sie weg. Claudia Müller beobachtet das Spektakel. Das Ganze ist ihr nicht geheuer. „Das ist schon ein massiver Eingriff“, sagt die Biologin – einerseits. Anderseits weiß die 49-Jährige: Nur wenn die Bäume gefällt werden, können die Biotope oberhalb des Germeringer Sees den Zweck erfüllen, für den sie die Stadt einst angelegt hat.

Vor 30 Jahren haben Arbeiter oberhalb des Sees auf rund 7500 Quadratmetern mehrere Tümpel geschaffen. Im Laufe der Zeit entstand ein Paradies für Erdkröten, Grasfrösche, Insekten und die Kreuzkröte – letztere ist äußerst selten. Die Natur hat sich das Gebiet nach und nach zurückgeholt. Bäume schossen in die Höhe, Büsche wucherten. Irgendwann kam kaum noch Sonnenlicht durch. Die Folge: Die Gewässer wurden kälter, was den Kröten gar nicht passte. „Amphibien mögen es sonnig in ihren Laichgewässern“, erklärt Müller. Je wärmer das Wasser, desto schneller könne sich der Nachwuchs entwickeln.

Die Biologin Claudia Müller (unten) sieht die Maßnahme mit gemischten Gefühlen. „Das ist schon ein massiver Eingriff“, sagt die 49-Jährige. Gleichwohl weiß sie, dass sich nur so wieder Erdkröten oder Grasfrösche am Biotop niederlassen. Ein schwacher Trost: Die gefällten Bäume sind von Pilzen befallen.

Deshalb haben sich Müller und Thomas Wieser, der bei der Stadt zuständig für Umweltangelegenheiten ist, dazu entschlossen, mehrere Dutzend Bäume zu fällen. Die Maßnahme hat man bewusst im Winter durchgeführt. Zu dieser Zeit stören die Arbeiter nur wenig Tiere. Die meisten Bäume seien von Pilzen befallen gewesen, sagt Müller. „Sonst hätte mir das Herz geblutet.“ Die Bäume, die entfernt wurden, hat die Biologin zuvor eigenhändig markiert. Mitarbeiter einer Spezialfirma aus dem Landkreis Starnberg zerrten sie anschließend aus dem Wald. Auch am Tümpel selbst haben Müller und ihre Helfer Hand angelegt. Der Bagger hob mehrere Schaufeln Schlamm aus dem Weiher. So entstanden ein Flachwasserbereich, in dem sich vor allem der Nachwuchs von Amphibien und Insekten wohlfühlt, und ein Tiefwasserbereich, wo etwa Wasserkäfer oder Grasfrösche eine Heimat finden sollen.

Zu dem Biotop oberhalb des Germeringer Sees hat Claudia Müller eine ganz besondere Beziehung. Im Jahr 1986 hat die damals angehende Biologin ihre Facharbeit über das Areal oberhalb des Sees geschrieben. Vielleicht auch deshalb wollte sie die Reaktivierung des Geländes so schonend wie möglich über die Bühne bringen. „Am liebsten hätte ich die Bäume mit einem Pferd herausziehen lassen.“ Das sei schonender für den empfindlichen Waldboden als der schwere Kettenbagger, der Spuren im Boden hinterlässt. Doch dafür war die Biologin ein bisschen zu spät dran. Claudia Müller sagt: „Das letzte Ross, das in Germering für diese Arbeit in Frage gekommen wäre, ist schon seit längerem im Ruhestand.“  tb

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Darum hat es diesmal mit dem Auszählen so lange gedauert
Bis die Stimmzettel nach der Bundestagswahl ausgezählt waren, dauerte es heuer in einigen Kommunen länger. In der Region Fürstenfeldbruck war Olching Spitzenreiter.
Darum hat es diesmal mit dem Auszählen so lange gedauert
Die Kinder standen immer an erster Stelle
Seit 1981 hat sich Brigitte Speck im Kindergarten St. Michael in Jesenwang für die Kinder eingesetzt. Nun wurde die langjährige Leiterin in den Ruhestand verabschiedet.
Die Kinder standen immer an erster Stelle
Unfall auf der B471
Eine 57-jährige Autofahrerin hat am Sonntagnachmittag einen schweren Unfall auf der B 471 zwischen Grafrath und Schöngeising verursacht. 
Unfall auf der B471
Neue Mitte, alte Straßen – was nun?
Maisachs neue Mitte ist fast fertig – zumindest die Gebäude. Doch was ist mit den Straßen? Die innerörtliche Achse wird bald zur Ortsstraße abgestuft und soll neu …
Neue Mitte, alte Straßen – was nun?

Kommentare