Prostituierte im Bordell
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Er versprach ihr eine rosige Zukunft als Managerin. Doch tatsächlich wollte ein Rumäne (25) eine junge Landsfrau (21) zur Prostitution zwingen. (Symbolfoto)

Aus dem Landgericht

21-Jährige zur Prostitution gezwungen - 25-jähriger Rumäne will mit Freundin Geld machen

  • Angela Walser
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Er versprach ihr eine rosige Zukunft als Managerin. Doch tatsächlich wollte ein Rumäne (25) eine junge Landsfrau (21) zur Prostitution zwingen.

Germering/München – Die beiden hatten sich über Facebook kennengelernt. In letzter Minute gelang es der Frau, sich einer Opferschutz-Organisation anzuvertrauen. Jetzt wird dem 25-Jährigen vor dem Landgericht München I der Prozess gemacht.

Die Verteidiger des Angeklagten waren zum Auftakt ein wenig auf Krawall gebürstet. Erst passte ihnen die Umbesetzung des Gerichts nicht, dann sprachen sie eine Rüge wegen der Zulässigkeit aus. Ihrer Meinung hätte das Verfahren am Amtsgericht verhandelt werden müssen, da bei einem Geständnis nicht mit einer Strafe über vier Jahren zu rechnen sei.

Doch tatsächlich hatte der Kurierfahrer bis dato noch nicht gestanden. „Ich will keine Angaben machen“, versuchte sich der Angeklagte auch Gehör zu verschaffen, doch seine Anwälte wollten davon nichts hören. Sie feilten an den rechtlichen Hürden, verlangten ein Rechtsgespräch und so verzögerte sich der Prozess Stunde um Stunde.

Irgendwann gelang es dann aber doch, zumindest die Anklage zu verlesen. Sie malte das traurige Bild einer verzweifelten jungen Frau, die in ihrer Heimat keine Perspektive sah, zu studieren oder eine Berufsausbildung zu absolvieren. Über Facebook erfuhr der Kurierfahrer, dass sich die 21-Jährige mehr Freiheiten wünschte – sie war das gefundene Opfer für ihn. Stimmt die Anklage, dann hatte er geplant, die junge Frau in einem Bordell in München arbeiten zu lassen. Er bewohnte mit ihr in Germering eine Ein-Zimmer-Wohnung.

Doch die Rumänin reagierte geschockt auf seine Pläne und wollte auf keinen Fall dort arbeiten. Es gab Tränen und auch Übergriffe. Gott sei Dank verletzte sich die junge Frau körperlich nicht schwer. Der Angeklagte schickte sie zum Putzen, damit überhaupt etwas Geld reinkam. Weil sie nicht Deutsch verstand oder sprach, konnte sie sich mit niemandem verständigen. Für eine Heimfahrt fehlte ihr das Wissen.

Außerdem hatte ihr der Vater gedroht, dass sie sich nicht mehr bei ihm blicken lassen sollte. Dabei wusste er gar nicht, dass sie mit ihrem „Freund“ nach Deutschland gefahren war, sondern wähnte sie an einem anderen Ort in Rumänien.

Das Glück der 21-Jährigen war es, dass ihr Peiniger zum Termin der für Prostituierte gesetzlich vorgeschriebenen Anmeldung nicht mit nach München fuhr. Er war als Kurier verhindert. Dabei hatte er ihr zuvor noch angedroht, sie umzubringen, sollte sie beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) seinen Namen nennen.

In einem Münchner Bordell hatte er bereits ein Zimmer für sie reserviert. Sie sollte zehn Kunden binnen 24 Stunden haben. Nach Abzug der Zimmermiete hatte sich der Angeklagte innerhalb von 20 Tagen Einnahmen in Höhe von 6000 Euro erhofft. Mit dem Geld wollte er dann angeblich in den Autohandel einsteigen.

So zumindest stand es in der Anklage. Doch offenbar war der psychische Zustand der Rumänin beim Termin so beklagenswert, dass die KVR-Mitarbeiter Unheil befürchteten und eine Mitarbeiterin vom Opferschutz alarmierten. Ihren Peiniger sollte sie niemals wiedersehen. Trotzdem ließ er ihr über den Facebook-Account einer Bekannten mitteilen, dass er ihr den „Kopf abreiße“, sollte er sie jemals finden. Der Prozess dauert an.

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