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Ortsgeschichtliche Themen ziehen viele Besucher an: Das Zeit+Raum-Museum war beim Vortrag von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl wieder sehr gut besucht.

Germering

Als die Kirchen noch das Dorf verwalteten

  • vonHans Kürzl
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Ortsgeschichte liegt offensichtlich im Trend. Nach dem Vortrag über die Mammutjäger von Nebel stieß jetzt auch ein Referat von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl über Abgaben und Besitzverhältnisse in früheren Zeiten im Stadtmuseum auf großes Interesse.

GermeringAnsiedlungen sind nicht nur über Ausgrabungen nachweisbar. Auch Schriftstücke, die vergleichbar mit Quittungen sind, zeigen Entwicklungen auf. Zehentdokumente sind schriftlichen Unterlagen, die die Zahlung von Abgaben belegen. Bei diesen Vorgängen spielten die Kirchen eine durchaus bedeutende Rolle, wie Marcus Guckenbiehl im Zeit+Raum-Museum erläuterte. Titel seiner Ausführungen: „Von der Zehentbeschreibung zurück bis ins frühe Mittelalter“.

„Die Pfarreien waren zusätzlich Wirtschaftsbetriebe, die unter anderem der Versorgung dienten“, erklärte der Stadtarchivar. Zugleich hatten sie lange Zeit Aufgaben übernommen, die erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in Kommunalverwaltungen stattfinden. „Das Notariat, das Standesamt, das fand alles über die Kirchen statt“, erklärte Guckenbiehl. Nicht einmal die Säkularisation, die die Besitzverhältnisse kirchlicher Güter regelte, habe daran etwas geändert. Erst um 1880 habe der Staat diese Aufgaben übernommen.

Kirchen führten genau Buch

Doch auch die Art der Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten, entwickelte sich allmählich. Sie erfolgten zunächst in Form von Naturalien, ehe man mehr zu Geld überging. Davon profitierten auch die St. Jakob-Kirche und ihre Filialkirchen St. Martin, Alling und Holzkirchen. „An den Pfarrer haben die meisten gestiftet“, merkte Guckenbiehl an. Die Kirchen wiederum führten recht genau Buch.

So berichtete der Stadtarchivar über eine Art Notizbuch des Bischofs Konrad III. aus dem Jahr 1305. Das zeigt zwar auf den ersten Blick nur die Struktur der Kirchen auf. „Aber es ist wohl auch aus finanziellen Gründen geführt worden, um den Überblick zu behalten“, benannte Guckenbiehl einen Grund solcher Aufzeichnungen. Weitere Aufzeichnungen stammen beispielsweise aus dem Jahr 1604 von Pfarrer Andreas Erhardt. 108 Jahre später wurden diese Belege von Balthasar Mayer weiter aktualisiert.

Wie genau früher gearbeitet wurde, belegte Guckenbiehl anhand der Erstellungen der Kataster zu Beginn der 1800er-Jahre. Diese dienten der Zuordnung von Liegenschaften. Dank spezieller Messlatten sei es möglich gewesen auf einer Strecke von 21 Kilometern eine Abweichung auf lediglich 16 Zentimeter zu beschränken.

Doch eines bleibt bei aller Buchführung und Ausgrabungen unklar, wie Guckenbiehl zum Abschluss seines knapp 70-minütigen Vortrags einräumte: „Warum Kirchen so relativ abseits von Siedlungen lagen, ist für uns noch nicht nachvollziehbar.“

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