Die Kirchenschule soll ab dem nächsten Jahr nach und nach abgerissen und in mehreren Schritten neu gebaut werden. Das Foto zeigt den Eingang (links) und den Haupttrakt, der in Richtung Hörwegstraße verläuft. Dieser Teil steht frühestens 2025 zur Disposition. Foto : Weber
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Die Kirchenschule soll ab dem nächsten Jahr nach und nach abgerissen und in mehreren Schritten neu gebaut werden. Das Foto zeigt den Eingang (links) und den Haupttrakt, der in Richtung Hörwegstraße verläuft. Dieser Teil steht frühestens 2025 zur Disposition.

Germering

An den Grundschulen wird es bald zu eng - eine soll neu gebaut werden

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Die Stadt bekommt ab 2031 ein Grundschulproblem. Auch ohne Bebauung des Kreuzlinger Felds und nach einem Neubau der Kirchenschule wird es dann Kapazitätsprobleme geben. Sollte am Kreuzlinger Feld gebaut werden und auch eine Schule entstehen, wäre das Problem gelöst.

Germering – Der Geograph und Stadtplaner Volker Salm hat vor eineinhalb Jahren mit seiner Demographiestudie dargelegt, wie sich Germering weiter entwickelt. Jetzt hat er die Ergebnisse der Studie speziell für den Grundschulbereich überarbeitet und die Ergebnisse im Stadtrat vorgestellt. Dabei kommt er zum Schluss: Die Stadt ist zwar 2018 und 2019 etwas schwächer gewachsen, dafür war der Bevölkerungsanstieg 2020 mit rund 500 trotz Corona sehr hoch.

Weil aber die Zahl der Geburten in den wachstumsschwächeren Jahren nicht zurück gegangen ist, stellt Salm fest: Auch ohne die Ausweisung weiterer Baugebiete, also ohne nennenswerten weiteren Zuzug, hat die Stadt spätestens ab 2031 ein Grundschul-Problem. Denn, so Salm: „Die Kinder sind schon da.“

Die einzelnen Sprengel

Aufgeteilt auf die einzelnen Sprengel zeigt sich: Die Kirchenschule benötigt in der so genannten Basisvariante – keine Baulandausweisung, also vor allem keine Bebauung des Kreuzlinger Felds – ab 2024 20 Klassenzimmer statt aktuell 17. In der Baulandvariante steigt diese Zahl in den nächsten elf Jahren auf bis zu 24. Der Bedarf könnte mit den Neubauplänen und einer Sprengeländerung gedeckt werden. Denn dann stünde ja am Kreuzlinger Feld eine neue Grundschule zur Verfügung.

Die Zahl der Kerschensteiner Grundschüler bleibt ohne Kreuzlinger Feld stabil. Mit einer Bebauung würde sie ab 2026 zwölf Klassen statt jetzt acht benötigen. Das könnte aber durch den Schulneubau am Kreuzlinger Feld und den aktuellen Ausbau der Kerschensteiner Schule problemlos bewältigt werden.

Am schwierigsten sieht es an der Kleinfeldschule aus. Sie müsste auch in der Basisvariante ausgebaut werden, weil die Schülerzahlen im Sprengel stark steigen. Eine Erweiterung ist dort aber schwer vorstellbar. Sollte die Stadt Bauland ausweisen – neben dem Kreuzlinger Feld stehen noch drei kleinere Gebiete an – könnte der Engpass nur mit einer Sprengeländerung bewältigt werden – ein Teil der Schüler müsste dann zur Grundschule am Kreuzlinger Feld gehen.

Am wenigsten betroffen von der Entwicklungsproblematik ist die Theresen-Grundschule – sie ist schon erweitert worden und kann den Bedarf voll abdecken. Bei den Mittelschulen sieht es ähnlich aus – sowohl die Wittelsbacher- als auch die Kerschensteiner Schule werden derzeit ausgebaut.

Sepp Dürr (Grüne) wollte wissen, ob es auch eine so genannte Corona-Variante gebe. In München sei schon von einem rückläufigen Zuzug die Rede. Dazu könne man noch wenig Belastbares sagen, antwortete Salm. Der Vergleich mit München hinke: Die Landeshauptstadt spüre vor allem den geringeren internationalen Zuzug. Aber auch das scheine sich schon wieder zu ändern. In Germering sei 2020 nichts davon zu spüren gewesen, so Salm.

Grundschule an der Kirchenstraße wird neu gebaut

Die Grundschule an der Kirchenstraße ist dringend sanierungsbedürftig. Die einzelnen Gebäudeteile sind ab 1950 entstanden, das benachbarte Kinderhaus Spatzennest stammt sogar aus dem Jahr 1920. Eine Machbarkeitsstudie hat jetzt aber gezeigt: Eine Generalsanierung ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Die Lösung des Problems mit einem Neubau in mehreren Schritten stellte die stellvertretende Bauamtsleiterin Gabriele Mühl im Stadtrat vor.

Damit der Schulbetrieb weiter laufen und trotzdem Neues entstehen kann, wird zunächst die alte Einfach-Turnhalle an der Hörwegstraße abgerissen. In diesem südlichen Bereich des Schulgeländes, in dem sich auch der Sportplatz befindet, werden ab Mitte 2022 zwei miteinander verbundene Neubauten errichtet. Sie sollen 2024 fertig sein.

Ein zweiter Bauabschnitt ab 2024 sieht die Sanierung des Traktes an der Augsburger Straße vor. Der soll aufgestockt und dann alle Betreuungseinrichtungen der Schule aufnehmen. Hier kommt dann auch der Kindergarten Spatzennest unter – dessen jetziges Haus wird dann abgerissen.

Ab Mitte 2025 soll neben dem Spatzennest der Haupttrakt der Schule abgerissen werden. Im neuen dritten Schulgebäude kommen vor allem Fachräume und die Mittagsbetreuung unter. Auch eine Dreifachturnhalle und ein Hartplatz sind in diesem Bauabschnitt vorgesehen. Der Abbruch der aktuellen Zweifachturnhalle und der Neubau eines großen Hartplatzes beendet bis etwa 2028 die Baumaßnahmen.

Die Gesamtkosten

Die Gesamtkosten werden auf rund 40 Millionen Euro beziffert. Erste kleinere Summen werden jetzt schon fällig De Stadtrat hat die notwendige europaweite Ausschreibung beschlossen,die rund 60 000 Euro kostet. Auch eine Bestandsuntersuchung für rund 50 000 Euro wurde in die Wege geleitet. Sie soll vor unliebsamen Überraschungen beim Abbruch schützen. Schließlich billigte das Gremium den Einstieg in eine Bauleitplanung für das Gebiet der Schule – bislang gibt es hier keinen Bebauungsplan. Die Kosten dafür betragen rund 30 000 Euro.

Die Stadträte waren durchweg angetan von der vorgeschlagenen Lösung. Dies habe den großen Vorteil, dass man abschnittweise und bei Bedarf vorgehen könne, sagte Sepp Dürr (Grüne). Man könne sich also notfalls Zeit lassen: „Das ist wichtig in unserer Lage.“ Laut Aussage von Bauamtsvertreterin Heike Thorwächter muss nämlich die Entscheidung, in den zweiten Bauabschnitt einzusteigen, erst gefällt werden, wenn der erste fertig ist.

Stadtbaumeister Jürgen Thum machte noch einmal deutlich, dass die Stadt auch mit dem Neubau der Kirchenschule ab 2031 ein Problem bekäme, wenn am Kreuzlinger Feld nicht gebaut wird: „Dann bräuchten wir einen anderen Standort für eine Schule.“ Das sah auch Daniel Liebetruth (SPD) so: „Wir kommen nicht um die Variante mit einer neuen Schule herum.“ Das würde auch die Kosten für Container-Lösungen minimieren.

Herbert Sedlmeier (CSU) warnte vor der Einschätzung, das man sich mit der Entscheidung Zeit lassen könne: „Wir wissen ja nicht, ob der Investor für das Kreuzlinger Feld dann noch da ist.“ Die Stadt selbst habe keine Grundstücke mehr: „Dann sitzen wir im Jahr 2032 da und haben keinen Standort.“

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