Germering

Bayerisches Brauchtum im Blick der Welt

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So international war das Maibaum-Aufstellen der Germering Burschen noch nie. Unter den hunderten Besuchern des Traditions-Schauspiels an der Augsburger Straße waren nicht nur Gäste aus der französischen Partnerstadt Domont mit Bürgermeister Frédéric Bourdin. Auch die Austauschschüler aus Indien, die zurzeit an der Realschule sind, wohnten der Feier bei.

Germering – Das Brauchtum des Maibaum-Aufstellens ist in Frankreich unbekannt. Ausnahmen sind nur einige wenige Kommunen mit bayrischen Partnerstädten. Im mit Olching verschwisterten Feurs soll in Kürze ein von der Feuerwehr der Amperstadt gestifteter Baum aufgestellt werden. In Domont, dem Germering seit 35 Jahren verbunden ist, steht schon seit zehn Jahren ein solcher Brauchtumsbaum auf einem zentralen Kreisverkehr. Obwohl er aus Metall ist und längst nicht die üblichen Maibaum-Maße hat, ist er laut Bürgermeister Bourdin nicht mehr wegzudenken: „Er ist eine Zierde für den Ort.“

Das Brauchtum im Original hat er gestern wie die Schüler und Lehrer aus Indien, die seit Sonntag in Germering sind, zum ersten Mal gesehen. Besonders faszinierend fand Bourdin beim „Mix aus Tradition und Fest“ die Zusammenarbeit der Burschen beim traditionellen Aufstellen des Baumes mit purer Muskelkraft. Ähnlich stuften dies auch die Lehrerinnen der indischen Schülergruppe, Preehti Vaidyanathan und Poonam Nay. Sie bewunderten das komplexe Zusammenspiel der starken Männer, die den Baum nach und nach mit Hilfe der so genannten Schwaibeln in die Senkrechte stemmten. „That’s teamwork“, meinte Poonam Nay anerkennend.

Koordiniert wurde dieses Zusammenspiel wie immer von Helmut Westermair. Wie lange er das schon macht, ist laut Burschenchef Lukas Huber nicht bekannt. Klar sei nur, dass es schon Jahrzehnte sind. Der gestern aufgestellte Baum wird aber sein letzter als Taktgeber gewesen sein. Sein Nachfolger steht aber schon fest. Michael Herrmannsdorfer wird in drei Jahren in seine Fußstapfen treten. Am Mittwoch hat er als Assistent wichtige Arbeit geleistet.

Weihe durch den Stadtpfarrer

Westermair wurde für seine Arbeit noch vor dem Aufstellen von den Burschen bedankt und beschenkt. Diese Ehre wurde auch den Familien Fruth und Kirmaier zuteil. Die Fruths hatten den Baum gespendet und ihren Hofzweieinhalb Wochen für das Herrichten bereit gestellt. Der Kirmair-Hof durfte wie immer beim Aufstellen des Baums in Germering als Mittelpunkt der Maifeier verwendet werden.

Zu Beginn der Zeremonie stand brauchtumsgemäß die Weihe des Baums durch Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster. Der Segen Gottes sei das Wichtigste, sagte Jaster und fügte an: „Wir merken am Sonnenschein, dass wir gesegnet sind.“

Bevor der Kraftakt begann, begrüßte OB Andreas Haas die Besucher aus Domont und Bangalore. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Burschen für die viele Arbeit zum Erhalt der Tradition – und reihte sich dann in die Zahl der Helfer ein, die mit den Schwalben den Maibaum aufrichteten. Die verwendeten technischen Hilfen dienten nur der Sicherheit, wie Altbursche Michael Kleiber erklärte. Der Kommandant der Feuerwehr Germering stand an der im Boden verankerten Befestigung, die den Baum letztlich hält. Er gab immer dann ein Zeichen, wenn der weiß-blaue Stamm zu einseitig nach oben gewuchtet wurde.

Für die passende Musik zur Maifeier sorgten die Aubinger Trommler und die Luitpold-Musikanten aus Germerswang. Letztere sorgten schon zum Auftakt mit der Bayern-Hymne für die passende feierliche Stimmung. Da stand auch Frédéric Bourdin andächtig lauschend da – mitgesungen hat er aber nicht.

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