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Die letzten Tage in ihrem Wirtshaus in Germering  verbringen Michael und Rosi Steiner damit, aufzuräumen.

Eigentümer hat nichts mehr investiert

Kult-Wirtschaft macht dicht - Betreiber-Ehepaar von Kosten überrollt: „Ganzes Herzblut hineingesteckt“

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Die Steiners und ihre Holledau: Sie waren eine Institution in Germering. Fast vier Jahrzehnte bewirtete das Ehepaar seine Gäste an der Friedenstraße. Doch jetzt ist Schluss. Die Steiners sperren zu – nicht ganz freiwillig.

  • Eine Kult-Wirtschaft in Germering sperrt zu.
  • Der Eigentümer wollte bestehende Schäden nicht mehr beheben.
  • Das Wirts-Ehepaar hatte nicht nur Herzblut, sondern auch viel Geld investiert.

Germering – Wenn Wände sprechen könnten – in der Holledau hätten sie allerhand zu erzählen. Wild ging es zu, damals in den 80ern. Rauschende Feste haben sie gefeiert, nicht selten bis in die frühen Morgenstunden. Sperrstunde? Kannten sie nicht in der Holledau. Und wenn um 2 Uhr morgens die Gäste der Hunger überkam, dann hat Michael Steiner eben noch einmal die Küche angeheizt. Steiner konnte aber auch anders. Zum Beispiel, wenn das Spiel der Kartler mal wieder in einer Rauferei endete. Dann setzte er die erhitzten Gemüter kurzerhand vor die Tür. „Am nächsten Tag war dann alles wieder in Ordnung“, erinnert sich Steiner mit einem Schmunzeln.

Aus für Kult-Wirtschaft in Germering: Holledau war eine Institution

Der heute 68-Jährige istWirt mit Leib und Seele. Stolze 37 Jahre waren er, seine Frau Rosi und ihre Holledau eine Institution in Germering. Bayerische Gemütlichkeit war für den gebürtigen Österreicher immer ganz wichtig. Ob in der mit dunklem Holz ausgekleideten Wirtsstube oder im Biergarten beim Spanferkel-Grillen unter einer imposanten Linde: Gemütlichkeit war Trumpf in der Holledau.

Doch damit ist es jetzt vorbei. Die Holledau ist Geschichte. Die Steiners haben aufgegeben. Der Eigentümer des Gebäudes habe schon lange nichts mehr investiert, sagt Steiner. Seit 15 Jahren kämpfte er etwa mit der Kühlung, ließ Reparaturen immer wieder auf eigene Kosten durchführen. „Ich habe mein ganzes Herzblut in diese Wirtschaft gesteckt“, sagt Michael Steiner.

Der endgültige Todesstoß für die Holledau kam dann am Pfingstmontag in Form von faustgroßem Hagel. Der Eigentümer habe die Schäden nicht mehr beheben wollen, sagt Steiner. Und selbst wolle er nicht noch mehr Geld in das Haus stecken. Im Juli fasste das Wirts-Ehepaar dann den schweren Entschluss, seine geliebte Wirtschaft zuzusperren.

Vor Schließung der Kult-Wirtschaft in Germering: Wilde Party zum Ende der Holledau

Zum Ende der Holledau haben sie nochmal die Anfangszeiten aufleben lassen – mit einer wilden Party mit Freibier bis in die frühen Morgenstunden. Mehr als 100 Gäste waren da. „Die Leute wollten gar nicht heimgehen“, sagt Michael Steiner. „Da sind dann auch Tränen geflossen.“

Jetzt räumen die Steiners auf. In fast 40 Jahren hat sich in der Wirtschafts so einiges angesammelt. Von alten Wagenrädern an der Wand bis zum griabig-bayerischen Mobiliar – alles muss raus. Deshalb bieten die Wirtsleute viele Stücke zum Kauf an. Wer Interesse hat, kann sich bei Michael Steiner unter Telefon (01 70) 4 29 47 87 melden.

Ebenfalls in Germering: Die Polizei sucht nach Zeugen: An der Germeringer Straße machten Randalierer etliche Autos kaputt. Weitere aktuelle Nachrichten aus Germering finden sich immer bei merkur.de.

Auch interessant: In München verzweifelt ein Wirt in einem berühmten Gasthaus an einer Mäuse-Plage. Er bekämpft das Ungeziefer mit allen Mitteln. 

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