Diese Illustration des Briefzentrums stellten die Post-Vertreter in der Sitzung vor. Am unteren Bildrand ist die Augsburger Straße in Richtung Hotel Mayer zu sehen.

Germering

Mammutdiskussion über geplantes Briefzentrum

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Eine erste Entscheidung über den Bau eines Briefverteil- und Verwaltungszentrums der Post im Gewerbegebiet Nord ist am Dienstag nach fast dreistündiger Diskussion im Planungsausschuss vertagt worden. Eines wurde dabei aber schon klar: Es wird eine knappe Entscheidung.

Germering Die Pläne der Deutschen Post, im Germeringer Norden ein modernes Briefverteilzentrum zu bauen, das die bisherigen Standorte in München und bei Starnberg ersetzen soll, werden seit rund einem halben Jahr öffentlich diskutiert. Jetzt war das Vorhaben zum ersten Mal Thema im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss. Zur Abstimmung stand der Antrag der Post, über die notwendige Aufstellung eines Bebauungsplan – bislang gibt es nur einen vor 18 Jahren beschlossenen Rahmenplan, der das fragliche Areal als künftiges Gewerbegebiet vorsieht.

Zur Abstimmung kam es dann aber nicht. OB Andreas Haas stellte nach fast drei Stunden den von Grünen-Fraktionssprecherin Agnes Dürr angeregten Antrag auf Vertagung, weil in den einzelnen Fraktionen noch einige Fragen zu klären seien. Sofort abstimmen wollten lediglich die drei SPD-Vertreter im Ausschuss, die das Projekt ablehnten, weil es aus ihrer Sicht zu groß für Germering ist.

Bevor diskutiert wurde, stellten die Post-Projektleiter Thomas Schlickenrieder und Landschaftsarchitektin Andrea Gebhardt die Pläne noch einmal ausführlich vor. Zentrale Aussagen: Am Standort entstehen rund 1300 zukunftssichere Arbeitsplätze auf allen Ebenen bis hin zum Management. Die Post investiert in Absprache mit der Gewerkschaft Millionen Euro, um den Umzug der Mitarbeiter nach Germering so verträglich wie möglich zu machen – dazu zählt auch der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, den die Post finanziell unterstützen will, um die Mitarbeiter zum neuen Standort zu bringen. Die finanziellen Vorteile für Germeringer bezifferte Schlickenrieder mit einem Kaufkraftzuwachs in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro jährlich und eine Gewerbesteuer von etwa einer Million Euro im Jahr. Die Befürchtungen dass Germering mit dem Briefzentrum im Lkw-Verkehr ersticken könnte, entkräftete der Post-Planer mit Verkehrsgutachten und dem Hinweis darauf, dass die An- und Abfahrten der ab 2012 fast vollständig elektrifizierten Lkw-Flotte der Post ausschließlich über die B2 und die Autobahn erfolgen wird. Schlickenrieder: „Das sagen wir zu.“

Ökologische Vorgaben für Briefverteil- und Verwaltungszentrum in Germering

Architektin Andrea Gebhardt präsentierte Pläne, die aus ihrer Sicht alle modernen Umweltstandards erfüllen oder sogar übertreffen. Eine extensive Begrünung der Dachflächen mit Blühwiesen, auf die auch noch Photovoltaik-Elemente gesetzt werden, gehören ebenso dazu wie eine große Ausgleichsfläche mit einem kleinen Wäldchen und eine vollständig begrünte Außenfassade. Die Versiegelung wird deswegen im Vergleich zu den üblichen Werten in Gewerbegebieten von 80 auf 66 Prozent der Fläche reduziert.

Dieser Grad der Versieglung spielte bei der anschließenden Diskussion der Stadträte immer wieder ein Rolle. OB Andreas Haas erinnerte daran, dass der Stadtrat unter Alt-OB Peter Braun (SPD) im Jahr 2001 mit nur einer Gegenstimme die Aufstellung eines Rahmenplanes beschlossen habe. Ziel sei die Ausweisung eines Gewerbegebietes gewesen. Damals habe lediglich die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer gefehlt, ansonsten würde es jetzt am fraglichen Areal schon ein Gewerbegebiet mit einer höheren Versiegelung geben.

Seiner Meinung nach könne die Stadt mit dem Angebot der Post etwas verwirklichen, für das es keinerlei gesetzlichen Anspruch gibt. Die Frage sei deswegen, wie man das festschreiben könne. Um das zu klären, sei eine Vertagung hilfreich. Haas betonte immer wieder, dass er alle Meinungen zu den Post-Plänen ernst nehme. Allerdings sei es vor diesem Hintergrund konsequent, dass man bei Ablehnung des Briefzentrums eigentlich sagen müsste, dass man keinerlei Veränderung wünsche. Sprich: Die vorhandene landwirtschaftliche Fläche müsste so bleiben wie sie ist.

SPD lehnt Zentrum in Germering ab

Die SPD stimmte als einzige Fraktion gegen eine Vertagung. Sprecher Robert Baumgartner machte gleich zu Beginn klar, dass seine Fraktion nach intensiver Diskussion das Vorhaben ablehnen wird. Es passe nicht ins Landschaftsbild, sei zu groß und würde zu einer Versieglung von 44 000 Quadratmetern führen. Die Stadt ersticke jetzt schon im Verkehr, führte er weiter aus.“

Bau eines Briefverteil- und Verwaltungszentrums der Post: Das sagt die CSU

Für die CSU sprachen sich Sonja Thiele, Albert Metz, Wolfgang Andre und Franz Senninger eindringlich für das Briefzentrum aus. Sie führten unter anderem immer wieder das Argument der Arbeitsplätze und der finanziellen Vorteile für die Stadt ins Feld. Andre: „Das ist eine Chance für Germering.“

Eduard Sammiller machte dagegen klar, dass es auch bei den Christsozialen Vertreter gibt, die das Vorhaben ablehnen. Die Planung sei zwar in ökologischer Hinsicht entschärft worden, räumte der frühere Vorsitzende des Umweltbeirats ein. Allerdings befürchte er eine zu große Verkehrsbelastung. Das Vorhaben sei außerdem überdimensioniert.

Auch Grüne sind uneins

Umweltreferentin Angelika Kropp-Dürr (Grüne) sprach sich wegen der hohen Versieglung und wegen des zu erwartenden Verkehrs auch des Personals klar gegen das Briefzentrum aus. Auch das Argument der Arbeitsplätze, die mt dem Umzug der Post in Germering entstehen, wollte sie nicht nachvollziehen. Auch bei der Post gebe es seit Jahren einen Stellenabbau.

Fraktionskollegin Barbara Hagmann würdigte dagegen die ökologischen Anstrengungen der Post und kündigte an, dass die Fraktion nicht geschlossen gegen die Pläne stimmen werde.

Das sagen die Kleinen zum geplanten Briefverteil- und Verwaltungszentrum

Die kleineren Gruppierung im Stadtrat äußerten sich nicht eindeutig zu den Plänen der Post. Bei Karin Sepp (ÖDP) war eher eine kritische Haltung herauszuhören: „Das ist wahnsinnig groß dimensioniert und zu nah am Wohngebiet.“

Peter Klotz (FDP) bekannte, dass es gute Argumente für und gegen das Vorhaben gebe. Als sehr aufschlussreich empfand er eine Auflistung von OB Andreas Haas über die Entwicklung der Aus- und Einpendlerzahlen. Derzeit verlassen täglich 14 000 Germering die Stadt auf dem Wege zu ihrem Arbeitsplatz, 5000 kommen nach Germering. Dieses Saldo von 9000 sei in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Die Ansiedlung der Post würde den Trend umkehren.

So geht’s weiter in Germering

Über den Antrag der Post auf Änderung des Bebauungsplanes wird jetzt im Bauausschuss am 9. April beraten. Das letzte Wort hat der Stadtrat in einer Sondersitzung am 21. Mai.

 Im Vorfeld hatte die Gewerkschaft Verdi ihre ursprüngliche Haltung aufgegeben und sich für das Zentrum ausgesprochen. Der Bund Naturschutz indes ist gegen die Ansiedlung in Germering. Die Post hatte der Stadt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen versprochen.

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