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So funktioniert die virtuelle Schule

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Von: Klaus Greif

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So sah der Arbeitsplatz von Lehrerin Manuela Recke in den drei Wochen vor den Osterferien aus. Ihre Schüler hatte sie via Laptop immer im Blick.
So sah der Arbeitsplatz von Lehrerin Manuela Recke in den drei Wochen vor den Osterferien aus. Ihre Schüler hatte sie via Laptop immer im Blick.

Nur weil die Schule geschlossen hat, heißt das nicht, dass sich die Schüler auf die faule Haut legen können. An der Kerschensteiner Schule wird kräftig für die Mittlere Reife gepaukt.

Germering – Internet, Schulportal, E-Mail, Chat-Gruppe oder Video-Kommunikation – kann mit diesen Zutaten effektiver Unterricht stattfinden? Das haben sich viele gefragt, als vor vier Wochen alle Schulen zwangsweise schließen mussten. Ein Bericht von Manuela Recke, Lehrerin der Kerschensteiner Schule, zeigt: Ja, es geht. Sie und ihre Kollegin Yildiz Sondermann haben es mit ihren Klassen 10Ma/b bewiesen.

Die Struktur des Schulalltags wird aufrechterhalten 

Den Schülern der zwei 10. M-Klassen war Manulea Recke zufolge von Anfang an klar, dass sie keine Corona-Ferien haben werden. Sie standen (und stehen) vor der Herausforderung, dass sie sich trotz allem erfolgreich auf ihre Prüfung der Mittleren Reife im Sommer vorbereiten müssen. Rückblickend berichtete Recke, dass die jungen Leute sich unvoreingenommen und neugierig an die Arbeit gemacht hätten. Gemeinsam mit den Lehrerinnen hätten sie „on the job“, also bei der Arbeit, Vorgehensweisen entwickelt und geeignet erscheinende Hilfsmittel ausprobiert.

Ganz wichtig war dabei aus Sicht der Lehrerinnen: Die Struktur des Schulalltags wurde aufrechterhalten, Unterricht fand von Montag bis Freitag jeweils pünktlich von 9 bis 13.30 Uhr statt – nicht im Klassenzimmer, sondern vor dem heimischen Computer. Täglich wurden von der Lehrkraft im Schulportal Aufgaben eingestellt. Die Lösungen mussten bis um 13.30 Uhr von den Schülern abgegeben werden. „Das erfordert mehr Selbstständigkeit und Disziplin als sonst“, gesteht Manuela Recke zu.

Die Schüler tauschen sich im Chat aus

Recke und Sondermann, aber auch die Schüler erstellten aufgabenbezogene Lernvideos. Diese konnten sich die Zehntklässler zur späteren Vertiefung noch einmal ansehen oder damit ihre Mitschüler unterstützen. Eine am PC angeschlossene Dokumenten-Kamera ersetzte die Tafel, so können über Video-Kommunikation alle Schüler den Erläuterungen der Lehrkräfte folgen.

Der Austausch zwischen den Jugendlichen erfolgt über Chat-Gruppen. Für komplexere Fragen der Schüler an die Lehrer wurde von der Heftseite schnell ein Foto gemacht und per E-Mail versendet.

Die ruhigen Schüler sind auch im Chat ruhig

Dabei wurde nicht nur bereits vermittelter Stoff vertieft. Insbesondere in Mathematik mussten mit Blick auf die Prüfungen auch neue Themen erarbeitet werden. Das kostete Zeit. Aber auch hier gibt es gute Lernvideos beispielsweise von BR alpha, die den Lernprozess nachhaltig unterstützen können.

Im virtuellen Klassenzimmer war allerdings nicht alles anders, bilanziert Recke die drei Wochen des ungewohnten Unterrichts: „Die ruhigen Schüler sind auch im Chatroom ruhig und zurückhaltend. Diejenigen, die schon mal verschlafen, sitzen auch mal verspätet vor dem Computer – und wer es mit der Abgabe der Hausaufgaben nicht so genau nimmt, der muss auch hier ermahnt werden.“

Alle Schüler sind mit Engagement dabei

Natürlich musste sich laut Recke die gute Online-Zusammenarbeit erst entwickeln. Zum Abschluss der dritten Woche aber fanden alle: „Wir könnten noch so weiter machen.“

Im Rückblick sprechen Manuela Recke und Yildiz Sondermann ihren Schülern ein sehr großes Lob aus: „Alle haben sich auf das Experiment eingelassen, mit großem Engagement mitgearbeitet und häufig sogar bessere schriftliche Ergebnisse erzielt.“ Einer der Schüler meinte allerdings bereits am dritten Tag nach Schulschließung: „Ich vermisse die Schule.“

Der Digiclub bietet trotz Corona ein Ferienprogramm an.

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