Zum Musizieren kommt Stephan Zippe nur noch selten – etwa als Leiter eines Projektchors für die nächste Adventszeit oder bei Feiern zu besonderen Anlässen.

Bei der Musik hat er das Sagen in der Kirche

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 Er ist für die Kirchenmusik in der gesamten Diözese München-Freising zuständig. Der Germeringer Stephan Zippe ist vor wenigen Monaten zum Diözesanmusikdirektor aufgestiegen – und seitdem kommt er kaum noch dazu, selbst auch nur einen Ton zu spielen.

Germering – Ursprünglich wollte er Mathe- und Physiklehrer werden. Nebenher, so der Plan, würde er später als Kirchenmusiker arbeiten. Schon seit der siebten Klasse hatte der gebürtige Amberger in der Schule Klavierunterricht bei einem Lehrer, der ihn bald auch an die Orgel setzte und seine Begeisterung für Kirchenmusik entfachte. Bereits mit 17 hatte der lang aufgeschossene junge Mann den Abschluss als C-Musiker in der Tasche. „Da habe ich gemerkt, dass es das nicht gewesen sein kann“, erzählt Zippe. Kurz vor dem Abitur wirft er seine bisherigen Berufspläne über den Haufen.

Nach dem Zivildienst als Rettungsdiensthelfer beim Roten Kreuz beginnt er das lange und komplexe Studium der Katholischen Kirchenmusik. Zwei Semester lang gehört der Domorganist und Germeringer Kulturpreisträger Franz Lehrndorfer zu seinen Professoren. Welche Berufsaussichten er mit dem Studium haben wird – „darum habe ich mich überhaupt nicht gekümmert“, erinnert sich der 48-Jährige. Falls seine Eltern sich im Stillen Sorgen machten, behielten sie es für sich. „Sie haben mich unterstützt und keine Zweifel geschürt.“

Nach einem glänzenden Abschluss mit der Note 1,66 muss er sich dann aber doch erst mal mit einer 20-Stunden-Stelle in München-Pasing durchschlagen, für die er eigentlich überqualifiziert ist. Er schickt Bewerbungen bis ins westfälische Solingen, hat aber letztlich das Glück, eine attraktive Stelle in Bayern zu bekommen. Ab 1998 leitet er 15 Jahre lang die Kirchenmusik der Pfarrei St. Kastulus in Moosburg (Landkreis Freising).

2013 wird er Stellvertreter des Diözesanmusikdirektors, Ende 2019 übernimmt er selbst die hohe Position. Seine neuen Aufgaben beschreibt Zippe als „umfangreich und vielfältig“. Er unterstützt Pfarreien bei Stellenbesetzungen, berät Kirchenmusiker und vermittelt in Konfliktfällen, beantwortet Anfragen, muss sich um Finanzen und Mitarbeiter kümmern, Kurse und Fortbildungen organisieren, Arbeitskreise leiten. Dass er selbst Musik macht, beschränkt sich momentan auf eine Ordinariatsmesse im Monat, auf Feiern zu besonderen Anlässen und auf die Leitung eines Projektchors für die nächste Adventszeit.

Fehlt ihm da nicht etwas? „Ich glaube ja“, räumt Zippe ein, der in seiner knappen Freizeit gern mit seiner Familie Fahrradtouren macht und in die Berge geht. „Aber ich komme im Moment noch nicht dazu, dass es mir auffällt.“ Über kurz oder lang werde er sich aber wohl eine zusätzliche musikalische Betätigung suchen.

Sein Terminkalender wird dadurch noch voller werden, denn Zippe arbeitet auch als Professor für Gregorianik an der Münchner Musikhochschule. Diese Form des liturgischen Gesangs fasziniert ihn seit der Schulzeit, ohne dass er genau sagen könnte, warum. „Vielleicht, weil sie etwas Archaisches hat, aber auch schon in den Hitparaden aufgetaucht ist.“

Gesungen wird auch bei Zippe zu Hause. Er ist mit einer aus Germering stammenden Kirchenmusikerin verheiratet – und beide sind froh, nach langer Suche hier eine Bleibe gefunden zu haben. Nun können die beiden elf und fünf Jahre alten Kinder in der Nähe von Oma und Opa aufwachsen. Dass beide Töchter schon Klavier spielen und die ältere bereits die Orgel für sich erobert – das liegt in der Familie.

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