Sprechen nur nach vorne: Diakon Benno Saruba und die Darsteller des Krippenspiels auf der Bühne.
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Sprechen nur nach vorne: Diakon Benno Saruba und die Darsteller des Krippenspiels auf der Bühne.

Heiligabend im Freien

Bei Weihnacht am See mit Kirmesorgel Gott nah sein

  • vonHans Kürzl
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Wir feiern – nur anders als gewohnt. Das galt am Heiligen Abend 2020 auch für die Stadtkirche Germering. Ein ganz besonderes Erlebnis für alle Beteiligten waren die Kindermetten der Pfarrei St. Johannes Bosco am Germeringer See.

Germering – Es ist ein außergewöhnlicher Ort in einer außergewöhnlichen Zeit. Dämmerung liegt bereits über dem See, als Diakon Benno Saruba rund 170 Besucher zu Kindermette und Krippenspiel begrüßt. Das Wort „Corona“ fällt kein einziges Mal in den knapp 25 Minuten. Masken und der Abstand der Bänke verraten aber schon genug.

Auch wenn kein Schnee liegt und der grüne Rasen vor der kleinen Bühne doch reichlich aufgewühlt daherkommt, soll der Zauber der Heiligen Nacht wirken, so viel Weihnachtsfreude wie nur möglich herrschen. „Wir wollen als Kirche nichts unversucht lassen, weil wir spüren, wie sehr unsere Verbundenheit untereinander und mit Jesus Christus unser Leben prägt und trägt“, so heißt es auf der Homepage der Germeringer Stadtkirche.

Ein Ordnungsdienst am Eingang zum Gottesdienstgelände wacht über die Einhaltung der Hygieneregeln.

Drei Mädchen und vier Buben tragen als Darsteller beim Krippenspiel ein großes Stück dazu bei, dass diese Stimmung ankommt. Sinn und Inhalt der Herbergssuche dringen von der Bühne in die Besucherreihen, auch wenn sie nur in einer Kurzversion gespielt wird, damit vier Kinderchristmetten zeitlich möglich sind. Wegen Corona dürfen sich zudem nur jeweils zehn Personen gemeinsam auf der Bühne aufhalten. Die Stadtkirche achtet sorgfältig auf die Einhaltung aller Hygiene-Vorgaben. „Jeder darf nur nach vorne sprechen“, erklärt Manfred Welzel, einer der Organisatoren.

Welzels Sohn Lionel ist das Ereignis am See letztendlich zu verdanken. „Es hat hier so ein klein wenig von Waldweihnacht“, erklärt der 22-Jährige seine Idee. Der Heilige Abend solle für die Kinder etwas Besonderes sein, fügt Lionel Welzel noch hinzu.

Ungewöhnlich sind auch die Klänge: eine Kirmesorgel, die die Pfarrei St. Johannes Bosco über die Münchner Schausteller-Familie Radlinger organisiert hat. „Originell“, fand das Besucher Dieter Fahner, der das Geschehen von weit hinten auf der Wiese verfolgt hatte. Es war ihm ein Bedürfnis zu kommen. „Mit Abstand und doch Gott als nah empfunden“, beschreibt er seine Gefühlslage.

Kantor Dirk Weiler darf als einziger singen.

„Die Kirmesorgel war die einzige Alternative zu einer unpersönlichen CD“, erklärt Mit-Organisator Manfred Welzel. Singen darf – auch wegen Corona – nur eine Person. Das übernimmt Dirk Weiler, Kantor in St. Johannes Bosco und Mitglied des Chors in St. Cäcilia. „Ich habe schon eine besondere Stimmung empfunden“, erzählt er kurz.

Eine Absage der Veranstaltung war in der Pfarrei übrigens nie ein Thema. „Dazu hätte es eine klare gesetzliche Anordnung oder ein Verbot geben müssen“, sagt Organisator Manfred Welzel. Das Umsetzen der Regeln und Vorschriften sei längst sorgfältig gepflegte Routine. Man hätte die Kindermetten bei jedem Wetter veranstaltet. Trotzdem war am 24. Dezember so mancher Besucher froh, nach den 25 Minuten ein wärmendes Getränk mitzubekommen. Kioskbetreiber Hans Reitmeier hatte extra für die Besucher der vier Krippenspiele geöffnet.

Mit Abstand stehen die Bänke auf der Wiese am Germeringer See. Die Szene erinnert an eine Waldweihnacht.

410 Anmeldungen hatte die Pfarrei St. Johannes Bosco verzeichnet. Insgesamt 19 Kinder- und Christmetten hatten am 24. Dezember in den Pfarreien der Stadtkirche stattgefunden, um möglichst vielen den Besuch eines Gottesdienst am Heiligen Abend zu ermöglichen. Ihnen allen war gewissermaßen der Schlusssatz von Diakon Saruba gewidmet: „Bleiben Sie gesund und fürchten Sie sich nicht.“ Das Wort „Corona“ fiel auch da nicht.

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