+
Bildhauer Bernhard Männel schlägt seine Objekte aus sächsischem Sandstein.

Für Kunstliebhaber

Die Werktage in Germering: Hier wird gebohrt, gesägt und gehämmert

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
    schließen

Kunstwerken beim Entstehen zusehen, mit den Künstlern ins Gespräch kommen – das kann man in diesen Tagen bei den Werktagen am südlichen Ortsrand von Germering.

Germering – Auf dem ehemaligen Wifo-Gelände haben Bildhauer ihre Werkzeuge ausgepackt und bearbeiten unter freiem Himmel Holzblöcke und Gestein.

Zum elften Mal finden die Germeringer Werktage auf dem ehemaligen Kasernengelände in der Otto-Wagner-Straße 80 heuer statt – etwas kleiner als üblich, aber sehenswert allemal. 14 Holz- und Steinbildhauer sind vertreten. Drei weitere waren eingeladen, haben aber coronabedingt abgesagt.

Die Pandemie ist auch daran schuld, dass die Open-Air-Kunstaktion dieses Mal nur als Ausstellung, nicht aber als Veranstaltung stattfinden darf. Das bedeutet: Eröffnungsfest und Abschlussfeier mussten gestrichen werden, es darf für die Besucher keine Speisen und Getränke geben, und es dürfen nicht mehr als 40 Leute gleichzeitig auf das Gelände.

Die Organisation war aufwendiger als sonst

Für die Organisatoren um Bernd Sedlmeier bedeutet das mehr Aufwand, doch die Laune lässt sich davon niemand verderben. Überall auf dem Gelände wird unter Wetterschutzplanen gewerkelt, der Lärm von Bohrern und Sägen stört in der unbewohnten Umgebung niemanden.

„Hauptsache, ich kann am Stein arbeiten“, sagt Bernhard Männel und betrachtet den ebenmäßigen Block aus sächsischem Sandstein, der vor ihm auf der Werkbank liegt. Daraus soll ein Wasserbecken für den Garten werden – eine Auftragsarbeit. Männel, der aus Dresden kommt und unter allen Teilnehmern die weiteste Anreise hatte, ist mit seiner Kunst so gut im Geschäft, dass er davon leben kann. Vor 13 Jahren hat er seinen früheren Alltag als Garten- und Landschaftsbauer hinter sich gelassen. Mit dem Sandstein aus seiner Heimat arbeitet der 54-Jährige besonders gern. Die Resultate können abstrakt sein, verfremdet oder täuschend echt wie das Schaf, das neben ihm auf der Werkbank thront.

Jeder Künstler  hat seinen eigenen Stil

Bernd Sedlmeier hat die Werktage organisiert.

Bernd Sedlmeier mag es geometrisch. Auf seiner jüngsten in Arbeit befindlichen Holzskulptur hat er mit angetackerten Hosengummis Linien abgesteckt, die bei der weiteren Gestaltung helfen. Das nächste Rohmaterial wartet bereits, ein Stück Stamm mit Astansatz – das bietet spannende Möglichkeiten. Sedlmeier legt Wert darauf, nur mit hohlen Stämmen zu arbeiten, weil diese außen keine Trockenrisse mehr entwickeln. Peter Kobierski stören solche Risse nicht – im Gegenteil. Sein Thema sind Köpfe, vorgeformt mit der Kettensäge, weiterbearbeitet mit Stemmeisen und Klüpfel, vollendet mit Ölfarbe. Wenn das Gesicht sich später verändert, weil das Holz weiter austrocknet, ist das ein im doppelten Sinne natürlicher Prozess. Wenn dagegen Michael Glatzel ein Gesicht gestaltet, ist es in Stein gemeißelt. Der Gründer und langjährige Organisator der Werktage hat einen Block Freyunger Marmor dabei und Tuffstein, den er sich beim Abriss eines alten Pasinger Bahnhofsgebäudes sicherte. Was er daraus machen wird, können Besucher der Werktage live miterleben – noch bis Sonntag, 26. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

Im Kasernengebäude wartet in jedem Raum eine künstlerische Überraschung

Leuchtend gelb und orange rankt sich der gedrehte und gewundene Stoff, einer Kletterpflanze gleich, an spitz zusammenlaufenden Bambusstangen empor. Das Objekt der Bildhauerin Angela Lenk kommt im lichtärmsten Raum des Kunstforums WiFo besonders gut zur Geltung. Einzig die Spannung, unter der der Stoff steht, hält ihn in seiner Position. Hier das richtige Maß zu finden, war die Herausforderung für die Künstlerin. „Es ist wie im Leben. Zu viel Spannung macht uns tot, zu wenig auch.“ Deshalb hat Lenk ihrem Objekt genau diesen Titel gegeben – „Leben“. 

Die Kunstausstellung in den WiFo-Räumen findet parallel zu den Germeringer Werktagen statt. Die Ateliergruppe 27, die Malschule Germering und Teilnehmer der Werktage zeigen hier Gemälde und Skulpturen. Jeder Gang, jeder Raum wird ausgenutzt, jeder Blick um die nächste Ecke offenbart Überraschendes und zeigt eine Fülle an Materialien, Stilrichtungen und Techniken.

„Leben“ heißt das leuchtend gelbe Objekt von Angela Lenk, das hier von Christine Helmerich bestaunt wird.

Überdimensionales Werk aus Küchenpapier

Die Mitglieder der Malschule haben unter der Leitung vom Margherita Moroder eine Blumenwiese aus bemaltem Küchenpapier gestaltet und zu einem überdimensionalen Gesamtwerk zusammengenäht. Jedes Papierquadrat trägt eine eigene Handschrift, und doch ergibt sich ein stimmiges Ganzes. Archaisch wirken die Bilder der Grafrather Künstlerin Brigitte Cabell, entstanden in Mischtechnik mit Eisen und Steinmehl. Der Germeringer Brian Whitehead spielt mit Gegensätzen, wenn er aus Serpentin eine Skulptur formt, die er „Tropfen“ nennt. Johannes Hofbauer fasziniert mit Holzarbeiten, die zusammengesetzt wirken, in Wirklichkeit aber aus einem einzelnen Stück ausgesägt wurden. 

Die Ausstellung im Kunstforum WiFo läuft noch bis Sonntag, 26. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag 14 bis 18 Uhr. Im Gebäude gelten Maskenpflicht und Mindestabstände.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Germering finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare