Dieses Bild ist Geschichte: Kreisbäuerin Karin Sepp am Milchautomaten ihres Hofladens Beim Joche.
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Dieses Bild ist Geschichte: Kreisbäuerin Karin Sepp am Milchautomaten ihres Hofladens Beim Joche.

Germering

Keine Kühe mehr: Dorfladen baut Milchautomat ab

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Im Hofladen Beim Joche an der Hoflacher Straße von Kreisbäuerin Karin Sepp und Familie gibt es ab sofort keine frische Milch mehr. Der dort stehende Milchautomat wird abgebaut. Warum das so ist, erklärt Karin Sepp im Gespräch mit dem Merkur.

Frau Sepp, im Juni ist im Bau-Ausschuss die Privilegierung für den Neubau eines Milchviehstalls für 48 Kühe durch das Amt für Landwirtschaft bekannt gemacht worden. Jetzt verkünden Sie den Ausstieg aus der Milchviehwirtschaft. Was ist da passiert?

Durch unsere Lage am Rand des Wasserschutzgebietes müssen wir Bau-Vorschriften einhalten, die mit zusätzlichen und sehr hohen Kosten verbunden sind. Dadurch übersteigen die Bau- und Anschaffungskosten unsere Berechnungen um ein Vielfaches. Das Ausmaß dieser Kosten war zum Zeitpunkt der Privilegierung noch nicht bekannt. An dieser Stelle möchten wir uns beim Landwirtschaftsamt sowie der Stadt Germering für die Unterstützung bedanken. Ein weiteres Konzept, biozertifizierte Milch zu produzieren, macht das Wasserschutzgebiet ebenfalls unmöglich, da für diese Zertifizierung bei Neubauten Weidegang vorausgesetzt wird. Weidehaltung ist im Wasserschutzgebiet, in dem sich unsere anliegenden Flächen befinden, verboten. Diese Umstände haben uns gezeigt, dass ein Stallneubau für Milchvieh mit unserem Anspruch an Tierkomfort an unserem Standort leider nicht möglich ist. Dass die Aufgabe unserer Milchviehhaltung so schnell vonstatten ging war ein glücklicher Zufall, auch für unsere Tiere. Ein Landwirt, etwa eine Stunden Fahrzeit entfernt, hat unsere gesamte Herde übernommen.

Der Milchautomat am Hofladen ist ab sofort eingestellt. Seit wann gab es dieses Angebot?

Der Milchautomat stand seit 2008 bei uns am Hof und wurde nach und nach von immer mehr Menschen genutzt und geschätzt. Wir möchten uns hiermit bei allen Kunden für die jahrelange Treue bedanken.

Bleibt der Hofladen mit den übrigen Angeboten erhalten? Wenn ja, wann öffnet er wieder?

Der Hofladen, wie es ihn bisher gab, ist seit 31. Dezember geschlossen. Wir müssen viele Arbeitsabläufe umstellen und uns neu ordnen. Allen unseren Kunden ein herzliches Dankeschön für die vielen Jahre der Unterstützung, die unzählbaren Stunden der gemeinsamen Freude, die vielen wunderbaren Gespräche und, und, und. Wer Interesse hat, wie und wann es weitergehen wird, kann uns gerne auf unserer Homepage auf www.beim-joche.de besuchen. Den Warenautomaten betreiben wir wie bisher und auch Heu und Stroh kann bei uns weiterhin gekauft werden.

Betreibt der Hof künftig überhaupt noch eine Tierhaltung?

Ja, aktuell bauen wir unseren Milchviehstall zum Laufstall für Färsenmast auf Stroh um und ergänzen diesen mit Weidehaltung. Anders als in der Milchviehhaltung sind wir bei unseren Mastrindern nicht an Weiden rund um unsere Hofstelle gebunden und können andere Flächen abseits beweiden lassen. Unsere Rinder mästen wir für die Hofmetzgerei Stanishof der Familie Kirmair.

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