Alwin Hoefelmayr nimmt sich seit Corona mehr Zeit für seine Kunst.
+
Alwin Hoefelmayr nimmt sich seit Corona mehr Zeit für seine Kunst.

Nach Corona-Zwangspause

Blick hinter die Kulissen: Künstler öffnen ihre Ateliers

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
    schließen

Kunstwerke sieht man normalerweise in Ausstellungen, fix und fertig kreiert und perfekt in Szene gesetzt. Der Entstehungsprozess findet in den Köpfen der Künstler und hinter verschlossenen Ateliertüren statt. Einen Blick hinter die Kulissen erlauben die offenen Ateliertage.

Germering – Am Wochenende fanden die Ateliertage nach der Corona-Zwangspause zum ersten Mal wieder statt. Das Portal des alten Schulhauses in der Salzstraße stand offen, ebenso wie die Türen der zwölf Ateliers, die die Stadt an Künstler vermietet hat. Die Besucher wanderten durchs Haus, kamen mit den Künstlern ins Gespräch und genossen das Rahmenprogramm aus Lesungen und Live-Jazz.

Christa Geiger hat für die Besucher der Ateliertage eine interaktive Aktion vorbereitet.

Um die Interessierten noch mehr einzubinden, hatte Christa Geiger, Mitglied im Germeringer Kunstkreis, eine interaktive Aktion vorbereitet. Zentrales Element dabei waren diverse leere Wegweiser an einer Holzstele, bunt bemalt mit Blumenwiese, Luftballons am blauen Himmel und einem Sternenzelt. „Während der Lockdowns konnte man ja viele Wege nicht mehr gehen“, so die Künstlerin. Der Einschnitt biete die Chance zu reflektieren: Welche Wege will man wieder aufnehmen, und welche ist man eh nur noch aus Gewohnheit gegangen? Die Besucher waren aufgefordert, ihre neu gesteckten Ziele aufzuschreiben.

Germeringer Ateliertage: Einblick in tiefere Schichten der Psyche

Mehr Zeit für seine Kunst nimmt sich Alwin Hoefelmayr, nachdem er jahrzehntelang als Architekt tätig war. Seine Bilder kehren Reflektion und Innensicht nach außen. Sie zeigen Gesichter mit entrücktem Blick, die wie von Farbe übergossen scheinen. Die Malweise des 69-Jährigen lässt Risse und Aussparungen entstehen, die wie ein Einblick in tiefer liegende Schichten der Psyche wirken.

Im Atelier von Michael Glatzel sind viele seiner unterschiedlichen Kopf-Skulpturen zu sehen.

Einer, der sich gerne diese Hintergründe erklären lässt, ist nach eigenem Bekunden OB Andreas Haas. „Ich freue mich jedes Jahr auf die offenen Ateliertage“, sagte er bei der Eröffnung. Ihn fasziniert nicht zuletzt die Bandbreite künstlerischer Werkzeuge – vom feinsten Pinsel bis zu den groben Geräten von Stein- und Holzbildhauern.

Dass man auch aus ungewöhnlichen Materialien Kunst gestalten hat, bewies ein Besuch im Atelier von Michael Glatzel. Es ist gefüllt mit Skulpturen aus Marmor, Holz und Kunstharz, aber auch aus Deckeln von alten Ölfässern und ausrangierten Sieben aus dem Kiesabbau. Aus allem macht er sein Leib- und Magenmotiv – Köpfe. Sie sind reduziert auf Schädel und Nase, in der Form oft verfremdet und doch unverkennbar. Mit dem Kopf als Kunstmotiv steht der 74-Jährige in einer langen Tradition: „Schon die alten Mykener haben sich vor 3500 Jahren damit beschäftigt.“

Weitere Nachrichten aus Germering lesen Sie bei uns.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare