Beim Großtauschtag der Briefmarkenfreunde treffen sich Sammler aus vielen Vereinen. Heuer musste er coronabedingt ausfallen.
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Beim Großtauschtag der Briefmarkenfreunde treffen sich Sammler aus vielen Vereinen. Heuer musste er coronabedingt ausfallen.

Germering

Briefmarken-Tausch nur noch übers Telefon

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Die Corona-Krise hat nicht nur Sportler hart getroffen. Auch Musik-, Freizeit-, Kultur- und andere Vereine leiden an den Kontaktbeschränkungen und dem Verbot von Veranstaltungen. Der Merkur stellt sie in einer losen Serie vor. Heute: die Briefmarkenfreunde.

Germering – Briefmarkensammeln ist ein Hobby, das vom Austausch lebt – und damit vom Kontakt mit anderen Sammlern. Doch Kontakte sollen in Corona-Zeiten vermieden werden. Die Germeringer Briefmarkenfreunde trifft das hart.

Eigentlich treffen sich Mitglieder des Vereins jeden zweiten Freitag im Monat in der Germeringer Stadthalle. Doch seit Corona fallen die Tauschabende aus. Am 6. März kamen die Mitglieder letztmals zusammen. „Seitdem geht nichts mehr“, sagt der Vorsitzende Norbert Prummer. Zwar gibt es ein Sicherheitskonzept in der Stadthalle. Doch das ist für die Briefmarkenfreunde zu aufwendig umzusetzen.

„Die Auflagen haben es in sich“, erklärt der Vereinschef. Nicht nur, dass für jeden Tauschabend erst der Schlüssel für einen Seiteneingang abgeholt werden müsste. Es werden auch detaillierte Aufzeichnungen gefordert, wer die Stadthalle betritt. Zudem muss überwacht werden, dass keiner reinkommt, der nicht angemeldet ist. „Letztlich bedeutet das, dass ein Mitglied von 17 bis etwa 21 Uhr brav auf seinem Stuhl hinter dem Seiteneingang sitzt – was bei kühlen Temperaturen frostig sein dürfte“, sagt Prummer.

Bei Verstößen droht dem Veranstalter ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro. Ein Betrag, der weit über das Vereinsvermögen hinaus ginge und für den daher Prummer und sein Stellvertreter als Vorsitzende persönlich haften würden.

Nicht nur die regelmäßigen Treffen sind heuer ins Wasser gefallen. Auch der am 22. März im Orlandosaal geplante Großtauschtag musste abgesagt werden. Ob das Großereignis, zu dem jedes Jahr viele Sammler auch von anderen Vereinen kommen, 2021 stattfinden kann, ist mehr als fraglich. Prummer befindet sich im Austausch mit der Stadthalle, unkt aber: „Es schaut wohl nicht gut aus.“ Ein zweiter Ausfall in Folge, wäre „gigantisch schlecht“, so Prummer.

Gleichwohl ist dem Vereinschef klar, dass die Pandemie unter Umständen keine andere Wahl lässt. Vor allem aufgrund der hohen Altersstruktur der Mitglieder und des damit verbundenen Risikos seien die Absagen der Veranstaltungen unvermeidlich. „Ich gehöre mit meinen 66 Jahren quasi zur Jugendabteilung“, sagt Prummer mit Blick auf den Altersschnitt der Mitglieder.

Das Vereinsleben aufrecht zu erhalten, ist unter diesen Bedingungen natürlich schwierig. Zwar könne man den Tausch einer Marke auch telefonisch absprechen. Doch das ist für die Briefmarken-Sammler offenbar nicht das Gleiche. „Der eine oder andere hat mich schon mal deswegen angerufen, aber das sind nur sehr wenige“, sagt Prummer. Ihm und seinen Vereinskollegen bleibt damit nicht viel anderes, als auf bessere Zeiten zu warten. „Wir hoffen, dass im Frühjahr oder Sommer 2021 wieder was geht.“

Vereinssteckbrief

Gründungsjahr: 1979 (im Vereinsregister seit 1980 eingetragen)

Mitglieder: 50

Kontakt: info@germeringer-briefmarkenfreunde.de

Internet: www.germeringer-briefmarkenfreunde.de

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