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Hier wird künftig das neue Briefverteilzentrum der Post stehen – wenn es nicht doch noch durch ein Bürgerbegehren gestoppt wird.

Aus dem Bauausschuss

Briefzentrum rückt einen Schritt näher

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Das Briefverteilzentrum der Post hat die nächste Hürde genommen. Der Planungs- und Bauausschuss empfahl dem Stadtrat mit 8:6-Stimmen, den notwendigen Bebauungsplan zu billigen.

Germering – Das seit einem Jahr laufende Bauleitverfahren ist mittlerweile in die Phase der öffentlichen Beteiligung getreten. Die eingegangenen Stellungnahmen von Bürgern und von den so genannten Trägern öffentlicher Belange sind jetzt im Planungs- und Bauausschuss behandelt worden. Die weitaus umfangreichsten und auch kritischsten Anmerkungen hatten der Umweltbeirat und der Bund Naturschutz eingereicht.

Verkehrsfragen beschäftigen den Bauausschuss

Im Kern ging es beiden Einrichtungen vor allem um die zu erwartende Verkehrsbelastung und die aus ihrer Sicht zu großen Eingriffe in die Landschaft. Zur Verkehrsbelastung verwies Stadtbaumeister Jürgen Thum auf das vorliegende Gutachten des Büros Vössing. Ein anwesender Vertreter des Gutachters wiederholte die Einschätzung, dass es zu keiner Überlastung des Verkehrs kommen werde. Zum Argument von Grünen-Stadtrat Gerhard Blahusch, dass die Straßen jetzt schon überlastet seien, meinte er, dass der Postverkehr nicht zu den Spitzenzeiten stattfinde.

Die ökologischen Fragen der Planung werden Jürgen Thum zufolge noch detailliert im Umweltbericht behandelt, der noch überarbeitet wird. Landschaftsplanerin Andrea Gebhard gab aber jetzt schon zu verstehen, dass es aus ihrer Sicht hervorragend gelungen sei, ein Gewerbegebiet mit ökologischen Aspekten zu verbinden. Das reiche von der intensiven Dachbegrünung über die Speichermöglchkeit von Regenwasser bis hin zur Möglichkeit, sämtliche Ausgleichsflächen auf dem Gelände selbst zu schaffen. Die vorab getätigten Maßnahmen zur Ansiedlung von Feldlerchen und das Pflanzen von Blühstreifen seien ein erster Erfolg.

Zu viele Bäume bemängelt die Naturschutzbehörde

Die vorgesehene Bepflanzung des Postareals mit 105 Bäumen war dabei sogar der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes zuviel. Die Behörde befürchtete negative Auswirkungen für die Entwicklung einer artenreichen Wiese und schlug die Reduzierung auf 75 Bäume vor. Der Ausschuss billigte dies. Allerdings regte Franz Senninger (CSU) an, die fehlenden 30 Bäume entlang der Augsburger Straße doch noch zu pflanzen. Auf diese Weise könnte vielleicht die gelbe Pakethalle der Post-Tochter DHL etwas verdeckt werden. Andrea Gebhard versprach, dass dies geprüft werde.

Ein weiterer Vorschlag der Naturschutzbehörde des Kreises wurde dagegen abgelehnt. Wie geplant sollen Bäume mit einem Mindest-Stammumfang von 60 Zentimeter gepflanzt werden. Das Argument der Kreisbehörde, dass Bäume mit geringeren Pflanzgrößen sich besser entwickeln, wurde zwar zur Kenntnis genommen. Allerdings bleibt es Ziel der Stadt, dass von Anfang an Bäume gepflanzt werden, die einen gewissen Bewuchs darstellen, so Stadtbaumeister Thum. Andrea Gebhard versicherte zudem, dass Bäume, die nicht gedeihen, nachgepflanzt werden.

Erdwall im Westen

Die Anregung von vier Familien, deren Häuser rund 50 Meter westlich des Post-Grundstücks liegen, wurde stattdessen voll gefolgt. Sie wünschten sich die Aufschüttung eines Erdwalls entlang der westlichen Grundstückskante. Grund: An dieser Stelle ist die Versickerungsfläche für Wasser geplant. Die Nachbarn befürchteten Geruchsbelästigungen, mehr Insekten und Überflutungen bei Starkregen.

Der Erdwall wird wie gewünscht gebaut. er soll laut Gebhard zwei Meter hoch werden und von der Augsburger Straße bis zum Feldweg gehen, der von Köhlerstraße aus nach Osten führt. Die Versickerungsflächen werden deswegen weiter nach Osten verlegt.

In der Diskussion der einzelnen Punkte wendeten sich Grüne und ÖDP grundsätzlich gegen die Entscheidung, das Briefverteilzentrum zu bauen. Blahusch und Maximilian Streicher (ÖDP) argumentierten unter anderem, dass die Rahmenplanung zwar vor 20 Jahren so beschlossen worden sei. Aber auch das könne man ja ändern, so Streicher. Letztlich stimmten die sechs im Ausschuss sitzenden Stadträte von Grünen, SPD und ÖDP gegen die Pläne. Sieben Vertreter von CSU, FWG und OB Andreas Haas waren dafür.

So läuft das Verfahren

Die Pläne der Deutschen Post, im Germeringer Norden ein modernes Briefverteilzentrum zu bauen, das die bisherigen Standorte in München und bei Starnberg ersetzen soll, werden seit rund eineinhalb Jahren öffentlich diskutiert. Vor genau einem Jahr hat der Stadtrat mit knapper Mehrheit die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. 

Der spätere Antrag der Grünen, die Pläne mit Hilfe eines Ratsbegehrens noch zu stoppen, wurde vom Stadtrat abgelehnt. Im Februar wurde dann allerdings doch noch ein Bürgerbegehren gegen das Briefzentrum gestartet. Die Sammlung der notwendigen rund 2000 Unterschriften wurde allerdings von der Corona-Krise ausgebremst. 

Wenn der Stadtrat in der nächsten Sitzung der Empfehlung des Bauausschusses folgt, werden die Pläne mindestens einen Monat öffentlich ausgelegt. Auch in dieser Phase sind noch Stellungnahmen möglich, die noch einmal zu einer Änderung oder Anpassung des Entwurfs führen können. Nach der Auslegung werden diese Anregungen noch einmal im Ausschuss behandelt. 

Dann folgt der letzte Schritt des Verfahrens: Der Stadtrat billigt den Entwurf und beschließt den Plan als Satzung. Erst damit wird Baurecht geschaffen – die Post kann das Briefzentrum realisieren. Ab diesem Zeitpunkt kann auch ein Begehren den Bau nicht mehr stoppen.

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