Im Januar haben Helen Hoff (l.) und Katrin Schmidt ihre neue Buchhandlung eröffnet. Gestern konnten sie zu erste mal Kunden begrüßen – wegen Corona war bislang nur ein Abholservive möglich. 
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Im Januar haben Helen Hoff (l.) und Katrin Schmidt ihre neue Buchhandlung eröffnet. am Montag konnten sie zu erste mal Kunden begrüßen – wegen Corona war bislang nur ein Abholservive möglich. 

Germering

Der erste Tag der neuen Buchhandlung

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Seit Montag dürfen die Buchhandlungen wieder ihre Läden für Kunden öffnen. In der Unteren Bahnhofstraße ist die Wiedereröffnung gleichzeitig auch eine Neueröffnung: Denn die Buchhandlung Lesezeichen ist umgezogen. Über den Start freute sich neben den Kunden auch die Germeringer Tafel.

Germering – „Wie eröffnest du einen Buchladen in Corona-Zeiten?“ Diese Frage haben sich Helen Hoff und Katrin Schmidt, Geschäftsführerinnen der Buchhandlung Lesezeichen, in der letzten Woche gestellt. Denn plötzlich wurde von Seiten der Regierung klar, dass die Buchhandlungen seit dem gestrigen Montag öffnen dürfen. Für Hoff und Schmitt war es aber nicht nur eine Wiedereröffnung nach über zweieinhalb Monaten Lockdown. Die beiden Germeringerinnen sind umgezogen und eröffnen in neuen Räumen.

Die erste Stunde war ganz privat

Um diesen Tag besonders zu würdigen, haben ich Katrin Schmidt und Helen Hoff am Freitag noch spontan eine Aktion einfallen lassen. „Wir haben über Facebook und unsere Homepage die erste Stunde, von 9 bis 10 Uhr, versteigert“, erzählt die 43-jährige Schmidt. Der Erlös ging zugunsten der Germeringer Tafel.

Thuy und Alexander Wegmaier waren mit 350 Euro die Höchstbietenden und führten ihre siebenmonatige Tochter Amalia durch die neue Buchhandlung – bevor der Laden für alle Kunden um 10 Uhr öffnete. „Die neuen Räume sind super“, freut sich die 29-Jährige Thuy Wegmaier. Ihr Ehemann pflichtet bei: „Es ist so schön groß, wir haben sogar schon den Kinderwagen-Test gemacht“, ergänzt der 37-Jährige und lacht.

Rund 500 Euro für Germeringer Tafel

Auch Jürgen Quest, Leiter der Germeringer Tafel, schaut sich in der neuen Buchhandlung um. Er bedankt sich bei den Geschäftsführerinnen für die Versteigerung und bei Familie Wegmaier für die großzügige Spende. „Die Tafel kann das Geld für die nächsten Projekte gut nutzen.“ Zusätzlich kommen 120 Euro von einer Familie obendrauf, die trotz Mitbieten die Privatstunde nicht ergattern konnte, erzählt die 54-jährige Helen Hoff. „Und wir runden die 470 Euro auf“, ergänzt ihre Kollegin Schmidt. Bei der jungen Familie Wegmaier bedanken sich Schmitt und Hoff mit einer prall gefüllten Stofftasche voller Germeringer Leckereien.

Der Hauptumzug der Buchhandlung von ihrem alten Standort in die Untere Bahnhofstraße 50 lief an einem Tag ab, am Samstag, 2. Januar. Insgesamt 20 000 Artikel mussten die rund 500 Meter weiter wandern. „Wir sind mit den rollbaren Postkartenständern im Gänsemarsch über die Kreuzung“, erzählt Katrin Schmidt lachend. Über den Zebrastreifen habe das den ein oder anderen bestimmt an das berühmte Bild der Beatles erinnert. Die restlichen Artikel haben die beiden Chefinnen und ihre Helfer in Kisten und Wannen gepackt. Letztere hat die Wasserwacht Germering für den Umzug zur Verfügung gestellt. Ein Zeichen des Zusammenhalts, wie ihn Helen Hoff und Katrin Schmitt während ihres ganzen Umzugs immer wieder von Handwerkern und freiwilligen Helfern gespürt haben.

Jahrelangen Traum erfüllt

2006 haben die beiden Frauen nach jahrelanger Mitarbeit die Buchhandlung Lesezeichen übernommen. „Und im 15. Jahr sind wir jetzt umgezogen“, sagt Schmidt. Einen seit fast 20 Jahren gehegten Traum haben sich die Geschäftsführerinnen in den neuen Räumen verwirklicht: „Eine Kaffee-Ecke“, sagen die beiden unisono und strahlen.

Und auch die Kunden, die um 10 Uhr in die neue Buchhandlung strömen – wegen der beschränkten Kundenzahl mit einer gelben Stofftasche markiert – sind begeistert. „Das hat mir gefehlt“, ruft eine ältere Dame, „das war ja furchtbar mit diesem Bestellen!“ Keine Oper, kein Theater oder Ähnliches, da seien Bücher etwas dringend notwendiges, freut sich die Kundin über die Wiedereröffnung. Und auch die siebenmonatige Amalia Wegmaier freut sich mit ihren Eltern über ihr erstes Buch. Der Titel war passend: „Boarisch für Zwergerl.“

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