Freuen sich auf das neue Frauenhaus (v.l.): Uli Jurschitzka (Leiterin des Frauenhauses), Martina Nitsch (Projektkoordinatorin), Anja Blobner (Geschäftsleiterin) und Gerda Vogl (Vorsitzende von „Frauen helfen Frauen“).
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Freuen sich auf das neue Frauenhaus (v.l.): Uli Jurschitzka (Leiterin des Frauenhauses), Martina Nitsch (Projektkoordinatorin), Anja Blobner (Geschäftsleiterin) und Gerda Vogl (Vorsitzende von „Frauen helfen Frauen“).

Germering

Ein Frauenhaus möglichst ohne Geheimnisse

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Der Verein „Frauen helfen Frauen FFB“ wird das Frauenhaus betreiben, das an der Unteren Bahnhofstraße entsteht. Den Weltfrauentag am Montag, 8. März, nimmt der Merkur zum Anlass, um die künftige Einrichtung und den Verein näher vorzustellen.

Germering – Im April 2022 soll das neue Frauenhaus eröffnet werden. Es ersetzt dann das seit 30 Jahren in einer anderen Landkreiskommune bestehende Haus. Der Trägerverein „Frauen helfen Frauen FFB“ betreibt nicht nur das Frauenhaus sondern seit Jahrzehnten sämtliche Unterstützungsangebote im Landkreis – dazu gehören auch der Frauennotruf, die Frauenberatungsstelle und die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.

Offene Adresse

Die derzeit entstehende Schutzeinrichtung ist Teil des Max-und-Gabriele-Strobl-Hauses und wird auch ein stationäres Hospiz und Sozialwohnungen beheimaten. Bauträger ist die Sozialstiftung, die auch Eigentümer des gesamten Gebäudekomplexes bleiben wird. Allerdings hat die Sozialstiftung nichts mit der Trägerschaft der Einrichtungen im Gebäude zu tun. Der Landkreisverein betreibt also auch künftig das Frauenhaus.

Aus Sicht von „Frauen helfen Frauen“ entsteht in Germering etwas wirklich Neues: „Ein Haus mit offener Adresse, dass nicht Anonymität zum Schutz der Frauen nutzt, sondern im Gegenteil den Frauen ermöglichen soll, ihren Platz inmitten der Gesellschaft einzunehmen.“ Das Verstecken werde ein Ende haben, schreiben die Vereinsvertreterinnen – die Adresse des bestehenden Hauses war immer geheim gehalten worden.

Der Schutz der Frauen und Kinder, die im neuen Haus Schutz suchen, wird einerseits gewährleistet über bauliche Sicherheitsmaßnahmen: Videoüberwachung, Eingangsschleuse, Transpondersystem für die Türen, speziell gesicherte Fenster und eine direkte Verbindung zu einem privaten Sicherheitsdienst gehören dazu. Auch einen enge Kooperation mit der Polizei soll den Schutz gewährleisten.

Sicherheitskonzept

Intern wird es dem Verein zufolge im Frauenhaus ein Sicherheitskonzept geben, das so funktionieren soll: Über ein Risikoscreening wird die Bedrohungslage erfasst und je nach Erfordernis werden gesetzlich vorgesehene Maßnahmen wie Kontakt- und Näherungsverbot oder Gefährderansprache durch die Polizei umgesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist aber auch die Tatsache, dass die Menschen in der Nachbarschaft wissen werden, wer im Haus lebt: Frauen, die des Schutzes der Gesellschaft bedürfen. „Frauen helfen Frauen“ hofft darauf, dass sie von den Nachbarn dabei unterstützt werden, den Frauen einen sicheren Ort anzubieten.

Ein Frauenhaus als bekannter Ort wirkt sich dem Verein zufolge positiv auf Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung der Frauen aus. Das zeigten jedenfalls Berichte aus Häusern, die dieses Prinzip schon anwenden. Die Schutzsuchenden erhalten Hilfe dabei, ihre Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen. Sie könnten sich so eine neue, selbstbestimmte Lebensweise erarbeiten.

Die offene Adresse erleichtere zudem die Erschließung von Unterstützungsmöglichkeiten. Eine genaue Umfeldanalyse werde neuer Bestandteil des Hilfekonzepts sein. Dabei soll auch geklärt werden, ob es noch Angehörige oder Bekannte gibt, die den Frauen Unterstützung geben können. Aus der Isolation heraus sei Veränderung oft nur schwer möglich. Die Betroffenen schämen sich zudem häufig, offen mit der erlebten Gewalt umzugehen. Sie scheuen es, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen und Hilfe anzunehmen.

„Frauen helfen Frauen“ plant außerdem, den Kontakt mit dem gewalttätigen Partner aufzunehmen – wenn es die Schutzsuchende wünscht. So könnte ein Problem gelöst werden, das auftritt, weil viele Frauen die Beziehung trotz aller Vorkommnisse aufrecht erhalten wollen: „Es könnte darüber gesprochen werden, wie die Gewalt dauerhaft überwunden werden kann“. Gespräche mit dem Partner seien aber auch sinnvoll, weil oftmals Kinder mit im Frauenhaus sind. Frau und Mann könnten dann darüber sprechen, was diese von ihnen brauchen und wie der Umgang gestaltet werden soll.

Die Rolle der Kinder

Die Kinder spielen auch einen besondere Rolle im Konzept des künftigen Frauenhauses. Sie brauchen dem Verein zufolge besondere Unterstützung, um das Erlebte verarbeiten zu können. Die Mädchen und Buben sollen erleben, dass sie im Frauenhaus als eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Wünschen angenommen werden. Sie sollen zudem neue Erfahrungen machen können – auch dabei helfe die offene Adresse, denn sie haben dann keinen Geheimhaltungsdruck mehr und können Freunde einladen.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ weist zudem darauf hin, dass er bei allen Projekten einen Eigenanteil von zehn Prozent für die finanziellen Aufwendung leisten muss. Er ist deswegen dringend auf Spenden angewiesen. Wer einen Beitrag leisten will, erfährt im Internet auf der Seite www.fhf-ffb.de, wie es geht.

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