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Eine Aufnahme von der Abifeier.

Max-Born-Gymnasium

Eine verunglückte Abi-Rede und ihre Folgen

Die Abiturfeiern sind lange vorbei. Doch im Max-Born-Gymnasium (MBG) wurde heuer noch Wochen nach der Veranstaltung im Orlandosaal der Stadthalle darüber diskutiert. Der Grund: die etwas verunglückte Abiturrede.

Germering – Abiturreden werden immer mit Spannung erwartet. Sie sind für die Schüler der Abschlussklassen die Möglichkeit, aus ihrer Sicht über Gymnasium, Lehrer und Erlebnisse während der Schulzeit zu sprechen. Und das vor großem Publikum. Denn zu den Abifeiern kommen regelmäßig hunderte Verwandte und Bekannte der Absolventen. Mal regen diese Reden zum Nachdenken an, oft werden sie aber auch mit einem gewissen Augenzwinkern gehalten, enthalten lustige und amüsante Passagen. Anders bei der diesjährigen Rede am Max-Born-Gymnasium Germering.

Als dieses Jahr nach dem 2. Bürgermeister Wolfgang Andre, der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler und Eva Kuchler als Stellvertreterin des Elternbeirats die beiden auserkorenen Abiturienten ans Rednerpult traten, wurde es in den Zuschauerreihen still. Beide steckten im Anzug. Abwechselnd trugen sie die Textpassagen vor.

„120 von uns werden nun in das Erwachsenenleben weiter geschoben“, begann die Ansprache. „Und wir werden uns in Zukunft die Elite Deutschlands nennen.“ Darauf wurde mit einem Schluck aus einem Flachmann angestoßen.

Abgesang auf den Zusammenhalt 

Noch war das Publikum begeistert und klatschte laut Applaus. Intention ihrer Rede sei, erklärten daraufhin die beiden Absolventen, ein Rückblick auf die vergangenen Schuljahre. „Wir wollen Dinge über Lehrer erzählen, die bisher unter Verschluss gehalten wurden.“ Noch immer war man im Publikum entspannt.

Los ging die Rückblende dann mit der zehnten Klasse. Auch die Alkoholexzesse mancher Schüler etwa auf Klassenfahrten wurden nicht ausgespart. Später hätten sie sich von einem Lehrer anhören müssen, ob sie Gymnasiasten oder doch eher Spasten seien. Den Rückblicken folgte ein Abgesang auf den Zusammenhalt innerhalb der Jahrgangsstufe. „Es haben sich Cliquen gebildet und es wurde viel gelästert.“

45 Minuten hatten die beiden Abiturienten in dieser Manier gesprochen, da wurde Schulleiter Robert Christoph sichtlich ungeduldig. Seine Rede sollte noch folgen. Das bemerkten nach einiger Zeit auch die Abiturienten, woraufhin sie sich bei allen Beteiligten bedankten und die Bühne verließen.

Nach der Feier und dieser Rede gab es am Max-Born-Gymnasium durchaus Stimmen, die Konsequenzen forderten. Im Raum stand sogar die Möglichkeit, dass im nächsten Jahr die Abiturienten ihre Rede im Vorfeld der Schulleitung vorlegen sollten. Zwar könnten so Entgleisungen vor einem großen Publikum vermieden werden. Zum anderen stünde dann aber der Vorwurf der Zensur im Raum.

Eltern entschuldigen sich

Direktor Robert Christoph selbst will das bestehende Verfahren nicht ändern. „Wir haken das jetzt einfach ab und verbuchen es als Erfahrung“, sagte er auf Nachfrage zum Merkur. Also dürfen auch im nächsten Jahr die Abiturienten reden, wie sie möchten.

Die Elternbeiratsvorsitzende Eva Kuchler sieht die Sache ähnlich. Man müsse sich überlegen, dass junge Menschen, die auf eine Bühne kommen und eine Rede halten müssen, damit erst einmal zurechtkommen müssen. Das sei dieses Jahr halt nicht so gut gelungen. Sie empfinde das aber nicht als tragisch. Außerdem herrsche Meinungsfreiheit.

51 verrückte Abi-Mottos zum Durchklicken

Ihrer Einschätzung nach ist es die richtige Entscheidung, nichts am Verfahren der Abiturreden zu ändern. Vielleicht, so Kuchlers Hoffnung, spornt das die Redner im nächsten Jahr an, es wieder besser zu machen.

Ganz konkret geschehen ist schon Folgendes: Einige Eltern – nicht die der Redner – haben sich bei Lehrern für die Rede entschuldigt. Auch unbeteiligte Schüler des Gymnasiums sorgten sich nach der missglückten Abiturrede um den guten Ruf ihrer Schule.

Von Alexandra Müller und Klaus Greif

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