September 2015: Tausende Flüchtlinge kamen Tag für Tag nach Deutschland, sie brauchten und bekamen Hilfe.
+
September 2015: Tausende Flüchtlinge kamen Tag für Tag nach Deutschland.

Germering

Hilfe für Migranten in Corona-Zeiten

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
    schließen

Trotz Corona hat der städtische Integrationsbeauftragte Manuel Leupold im Vorjahr jede Menge Beratungsarbeit leisten müssen – während des Lockdowns überwiegend telefonisch oder per E-Mail. Insgesamt nahm Leupold die Anfragen von 492 Ratsuchenden entgegen.

Germering – Die Anfragen, die die städtische Fachkraft für Integration – so der offizielle Titel – zu hören bekam, drehten sich überwiegend um Fragen der beruflichen Orientierung von Flüchtlingen und Migranten (167). Probleme beim Erklären und Ausfüllen von Briefen, Anträgen und Dokumenten (144), Fragen zum Aufenthaltsstatus oder zur Wohnungssuche (76), Sonstiges wie Tipps zur Prüfungsvorbereitung (39), Fragen bei finanziellen Problemen (35) und zu Sprachkurs-/Integrationsangeboten (31) waren auch wichtige Themen. Detailliert nachlesen kann man das im aktuellen Integrationsbericht Leupolds.

Frauen fragen öfter

Bemerkenswert ist laut Leupold dabei, dass vor allem Frauen mit Migrationshintergrund das Beratungsangebot der Stadt in Anspruch nahmen. Von den 492 Hilfesuchenden waren 365 weiblich. Das entspricht einem Anteil von 74 Prozent. Bezüglich der Staatsangehörigkeiten hält Leupold fest, dass im Vorjahr Personen mit Wurzeln aus 35 verschiedenen Staaten erfasst wurden. Dabei waren es überwiegend Menschen mit afghanischen Wurzeln, nämlich 147, die den Rat der Integrationsfachkraft suchten. Migranten aus Nigeria (52), Marokko (45), Irak (41) und Syrien (33) waren ebenfalls stark vertreten.

Einige der Personen, die Unterstützung in Anspruch nahmen, sind dabei mehrmals bei Integrationsexperten vorstellig geworden. Wenn beispielsweise jemand beruflich weiterkommen möchte, muss Leupold mehrere Termine einplanen: Nach einem grundsätzlichen Gespräch zu den Möglichkeiten der beruflichen Orientierung werden dann in einem weiteren Termin Lebensläufe und Bewerbungsschreiben mit den Klienten angefertigt. Personen, die wiederum Probleme haben, Briefe und Anträge zu verstehen, weil sie beispielsweise nicht ausreichend alphabetisiert sind, benötigen dann auch über einen längeren Zeitraum Unterstützung.

Wenige Europäer

Auffällig ist Leupold zufolge, dass 85 Prozent der Beratungsanfragen von Personen kommen, die ihre Wurzeln im afrikanischen Raum beziehungsweise dem Nahen und Mittleren Osten haben. Menschen aus Europa nehmen die Angebote nur selten in Anspruch, Personen aus Nord- und Südamerika und aus Südostasien so gut wie gar nicht.

Die meiste Zeit seiner Beratungstätigkeit muss Manuel Leupold für das Erklären und Ausfüllen von Briefen, Anträgen und Dokumenten aufwenden. Vor allem Personen mit festem Wohnsitz in Germering und Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte suchen diese Art von Hilfe. Für Leupold bedeutet dies, dass künftige Integrationsprojekte einen Schwerpunkt auf diesen Bereich legen müssen.

Berufliche Integration

Um die Eingliederung von Flüchtlingen ins Berufsleben zu fördern, hat Manuel Leupold zunächst ab 2016 den Aufbau eines Netzwerkes von Anbietern von Praktikumsplätzen im sozialen Bereich begonnen. Hier gab es zwar einige Erfolge, so Leupold. Allerdings sei schnell klar geworden, dass man dieses Thema breiter aufstellen müsse. Neben der Suche nach sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und Minijobs wurde 2017 auch mit dem Angebot berufsbezogener Deutschkurse begonnen.

Die Erfolge können sich durchaus sehen lassen. Im vergangenen Jahr wurden 15 Personen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vermittelt. Zwei junge Migranten haben eine Ausbildung begonnen und acht ein berufsorientierendes Praktikum absolviert. Drei Hilfe suchende Personen konnten einen Minijob oder eine Tätigkeit auf Übungsleiterpauschale antreten. Insgesamt war im Jahr 2020 etwa jeder dritte Vermittlungsversuch erfolgreich.

Seit 2016 konnten mit Unterstützung von Manuel Leupold insgesamt 47 reguläre Jobs/Ausbildungen mit Berufsbezug, 56 Praktika, 44 Minijobs/Übungsleiterpauschale vermittelt werden. Außerdem wurden 95 Lebensläufe erstellt.

Auch interessant: Blick hinter die Kulissen: So funktioniert das Ankerzentrum für Asylbewerber in Fürstenfeldbruck

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare