Germering ist Stadt. Am 12. April 1991 überreicht Innenminister Edmund Stoiber (l.) die Urkunde in der Mehrzweckhalle der Kirchenschule an den damaligen Bürgermeister Rudi Bay. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Spielmannszug Unterpfaffenhofen-Germering, der erst später in Stadtkapelle umbenannt wurde.	archivfoto: Peter Weber 
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Germering ist Stadt. Am 12. April 1991 überreicht Innenminister Edmund Stoiber (l.) die Urkunde in der Mehrzweckhalle der Kirchenschule an den damaligen Bürgermeister Rudi Bay. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Spielmannszug Unterpfaffenhofen-Germering, der erst später in Stadtkapelle umbenannt wurde.

Rückblick

Germering ist seit 30 Jahren eine Stadt

  • vonHans Kürzl
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Am 12. April 1991 überreichte der damalige bayrische Innenminister Edmund Stoiber an den mittlerweile verstorbenen Alt-Bürgermeister Rudi Bay in der Mehrzweckhalle der Kirchenschule eine besondere Urkunde: Germering wurde in den Stand einer Stadt erhoben. OB Andreas Haas und sein Vorgänger Peter Braun blicken auf dieses wichtige Ereignis zurück.

Germering – Wie lange eine Zeitspanne von 30 Jahren wirkt, mag daran zu erkennen sein, dass sowohl Peter Braun (SPD) als auch Andreas Haas (CSU) den offiziellen Akt der Stadtwerdung als Gemeinderäte erlebten. Haas war damals noch ganz neu in der Kommunalpolitik, der erst seit einem Jahr im Gemeinderat saß. Er erinnert sich an diese Zeit so: „Ich weiß noch, dass nicht alle Leute glücklich waren mit der ,Stadt’-Werdung. Manchen fiel es sehr schwer, sich von den heimatlichen ,Dörfern’ zu verabschieden. Erst im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass wir uns nicht von den dörflichen Strukturen verabschieden mussten.“

Größte Gemeinde

Alt-OB Braun war damals Vorsitzender der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Landtagsabgeordneter und schon zum Bürgermeister gewählt – sein Amt hatte er aber noch nicht angetreten. „Beim Festakt in der Kirchenschule, die Stadthalle war noch im Bau, überreichte Innenminister Stoiber dem noch amtierenden Bürgermeister Rudi Bay die Stadturkunde“, erinnert er sich.

Der Schritt zur Stadt habe sich gewissermaßen ergeben, erzählt Peter Braun. Die nach der Gebietsreform 1978 zusammengelegten Kommunen Germering und Unterpfaffenhofen hätten um 1990 mit 34 000 Einwohnern die mit Abstand größte Gemeinde in Bayern gebildet.

Der Alt-OB spricht mit großem Respekt von seinen beiden Vorgängern und ihrem Beitrag zur Stadtwerdung. Josef Kistler, 1960 bis zu seinem Tod 1974 Bürgermeister der Einzelgemeinde Germering, habe mit großem geschick für Wachstum und günstigen Wohnungsbau gesorgt. In seiner Amtszeit wurden unter anderem das erste Hallenbad im Landkreis und das Max-Born-Gymnasium gebaut. „Ich wurde mit 32 Jahren sein Nachfolger bis zur Gebietsreform 1978“, schiebt Braun dazwischen.

Der auf Kistler folgende Rudi Bay hat in seiner Amtszeit als gewählter Bürgermeister der neuen Großgemeinde von 1979 bis 1991 den Antrag zur Stadterhebung gestellt und Vorgespräche bei Behörden geführt. In seiner Amtszeit entstanden zum Beispiel das Freibad und die Eishalle. er Stadthalle begonnen.

Das Beste gegeben

Auch Andreas Haas zollt in Sachen Stadtwerdung seinen Vorgängern Hochachtung: „Jeder hat sein Bestes gegeben und sich engagiert. Bay hat im Vorfeld agiert und Peter Braun vor allem nach der Erhebung. Beide haben Grundsteine dafür gelegt, dass Germering sich zu einer Stadt entwickeln konnte, in der Menschen gerne leben.“

Damit waren auch äußere Zeichen verbunden. Die Stadtkapelle, vorher Spielmannszug Unterpfaffenhofen-Germering, etwa hat auf eigenen Wunsch diesen Titel erhalten. Bei der Feuerwehr wurden neue Dienstgrade eingeführt. „Mancher hat da gemeint: Wenn wir schon Stadt sind ...“, erinnert sich Braun.

Im übrigen habe man damals den Titel eher wohlwollend zur Kenntnis genommen. „Eine öffentliche Diskussion gab es kaum. Das Leben mit seinen Höhen und Tiefen im öffentlichen und privaten Bereich hat sich nicht geändert“, erinnert sich das frühere Stadtoberhaupt. Haas sieht dies so: „Die damaligen Verantwortlichen wünschten sich, dass die Bürgerinnen und Bürger sich noch stärker mit ihrem Heimatort identifizieren würden und damit ihr sogenannter ,Bürgersinn’ gestärkt werden könne. Auch eine stärkere Außenwahrnehmung war der Wunsch. Und sehen Sie sich um… Impulse dafür gab und gibt es am laufenden Band! “

Befragt , was er mit dem Begriff „Stadt“ verbinde, sagt OB Haas: „Für Germering verbinde ich mit dem Stadtbegriff vor allem die Menschen die hier leben, arbeiten und wohnen. Die Vielfalt der Menschen macht Germering aus und ich erlebe gerade hier sehr viel Engagement mit- und füreinander. Das macht Germering aus!“

Peter Braun sieht das etwas formaler. Früher habe „Stadt“ ein Gemeinwesen mit besonderen Rechten dargestellt. Heute sei es eher ein Begriff, der die Größe einer Gemeinde abbilde. „Letztendlich ist auch München eine Gemeinde“, sagt Braun.

Wann wird gefeiert?

Die Pandemie verhindert einen Feier des runden Geburtstag der Stadterhebung, darin sind sich Braun wie Haas einig. „Solange das andauert, kann es keine Feste geben“, betont Braun. Die Probleme wegen Schulschließungen, Lernrückständen, Belastungen in der Familie, finanzielle Sorgen – all das überstrahle alles andere.

Für Haas bedeutet das, dem Jubiläum zwar den Platz im Gedenken und der Erinnerung an die Entstehung einzuräumen. „Ein Fest wird es aber erst dann wieder geben, wenn es wieder möglich ist.“

Der Ausblick

Die Wünsche für die Zukunft beider passen sich fast selbstverständlich an die aktuelle Lage an. „Wieder unbeschwerte Begegnungen, die nicht von Maßnahmen und Vorgaben geprägt sind“, hofft Haas. Es werde aber sicher gelingen, die Stadt lebens- und liebenswert zu erhalte. „Dazu gehört weiterhin gemeinsames Agieren und Diskutieren.“

Braun denkt in zwei Kategorien: „Ein Ende der Pandemie nach Impfangeboten“, ist der kurzfristige Wunsch des Alt-OB. Mittelfristig sei eine ausgewogene Entwicklung im Bereich Wohnen und Infrastruktur. Für den Hospizverein und den Bau des Heimes, zwei sehr persönliche Anliegen, erbittet sich Braun weiter Unterstützung.

Die Geschichte einer Siedlung

Die Besiedlungsgeschichte des heutigen Stadtgebiets ist Jahrtausende alt. Archäologische Funde weisen menschliche Aktivitäten bis in die letzte Eiszeit vor rund 35 000 Jahren nach. Skelettfunde Gräberfunde aus der Steinzeit und Zeugnisse von römischer Besiedlung sind ebenfalls reichlich vorhanden.

Der Name „Kermaringun“ für Germering wird urkundlich erstmals um 950 n. Chr. erwähnt. Ein wichtiger Schritt in die heutigen Strukturen wurde 1818 getätigt. Damals wurden die selbständigen Gemeinden Germering und Unterpfaffenhofen dem Steuerbezirk im Bezirksamt Fürstenfeldbruck zugeordnet. Der Internetseite der Stadt zufolge brachte dann der Bau der Bahnlinie Bahnlinie München-Herrsching 1902 die erste größere Strukturveränderung. In Harthaus bildete sich eine eigene Siedlungsgenossenschaft. Im nordöstlichen Bereich Germerings entstand die Siedlung Neugermering. Im Jahr 1935 wurde in Folge des Tanklagerbaus der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft der Nazis im Kreuzlinger Forst die Wifo-Siedlung angelegt.

Ein großer Bevölkerungszuwachs der beiden noch eigenständigen Einzelgemeinden ergab sich 1945/1946 durch den Zuzug von Heimatvertriebenen. Den nächsten großen Schub gab es Anfang der 1970er-Jahre, als die Zahl auf über 25 000 emporschnellte. Bis zur Gebietsreform 1978, als beide Gemeinden zu einer zusammen gelegt wurden, erreichte Germering schon rund 34 000 Einwohner. Mit der Stadtwerdung 1991 erfolgte der nächste logische Schritt. Die Stadt lag da bei knapp 36 000 Einwohnern. Das Wachstum erfolgte seit seitdem maßvoll.

Am 1. Oktober 2004 wurde Germering schießlich zur Großen Kreisstadt erhoben. Heute leben hier etwas über 41 400 Einwohner. Germering ist damit die größte Kommune im Landkreis Fürstenfeldbruck. hk

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