Germering

Kerschensteiner Schüler machen große Oper

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Die Kerschensteiner Mittelschule hat zum zweiten Mal am Projekt „Oper-Über-Leben“ der Münchner Staatsoper teilgenommen. Nach Donizettis „Lucia di Lammermoor“ vor zwei Jahren erarbeiteten Zehntklässler jetzt eine Kurzversion von Smetanas „Die verkaufte Braut“ und führten sie am Nationaltheater auf. Danach durften sie sich die aktuelle Inszenierung ansehen.

Germering – Diesen Abend werden die 20 Schüler der 10 Ma und Mb nicht so schnell vergessen: Im Königssaal des Nationaltheaters führten sie vor interessierten Opernbesuchern eine eigene Kurzversion von „Die Verkaufte Braut“ vor. Anschließend sahen sie sich mit Lehrerin Manuela Recke und Schulleiterin Claudia Frisch die Staatsopern-Inszenierung von David Bösch an. Mit dabei waren auch zahlreiche Eltern der Jugendlichen. Die Schüler waren von der echten Oper begeistert wie die Besucher von der Version der Jugendlichen. Die Schüler präsentierten fünf Szenen aus der Oper, die sie selbst erarbeitet hatten.

„Oper-Über-Leben“ ist ein Projekt, mit dem die Bayerische Staatsoper Mittelschulen im S-Bahnbereich die Begegnung mit einer Kunstform verschaffen will, die den Jugendlichen bis dahin wohl eher fremd ist: der Oper. Das Projekt richtet sich vor allem an Schulen mit einem großen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund und Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien. Eine musikalische Bildung wird nicht vorausgesetzt.

Schon Wochen vor dem Termin in der Oper wurden die Zehntklässer an die Thematik heran geführt. Vertreter des Nationaltheaters kamen an die Kerschensteinerschule. In fünf Workshops erklärten sie den Jugendlichen, worum es in der aufzuführenden Oper geht. Sie stellten die Geschichte vor und gingen auf die einzelnen Charaktere des Stücks ein. In dieser Phase begannen die Schüler auch mit der Erarbeitung einer eigenen Kurzfassung. Um sie auch selbst aufführen zu können, wurden die Mittelschüler mit Rhythmik- und Stimmübungen entsprechend geschult. Die Schüler lernten unterschiedlichste Instrumente kennen und erfuhren, wie eine Oper aufgebaut ist.

Am Tag nach der Aufführung erhielten die Schüler noch einmal Besuch vom Nationaltheater. Ursula Gessat, sie betreut das Projekt, war zu einer Nachbesprechung ins Klassenzimmer gekommen. Dabei wollte sie zunächst nur wissen, ob es den Kindern überhaupt gefallen hat – es war für alle einschließlich der Eltern die erste Berührung mit der Oper.

Begeistert von unbekannter Kunstform

Überraschendes Ergebnis: Die Jugendlichen waren rundum begeistert von einer Kunstform, die ihnen fast völlig fremd ist. Bei Pauline beispielsweise hat das Projekt und vor allem der Opernbesuch einen Wunsch verstärkt, den sie länger hat. „Ich wollte immer schon in die Theaterwelt. Jetzt kann ich mir das noch mehr vorstellen.“ Was sie denn genau werden wolle, wollte Gessat wissen. Prompte Antwort: „Schauspielerin. Hauptdarstellerin in Musicals.“

Bei einer zuvor nicht so theateraffinen Klassenkameradin hat das Projekt etwas ganz anders ausgelöst. Sie habe zuvor riesigen Bammel gehabt, etwas vor fremden Menschen aufzuführen, meinte Nina. „Es war aber ganz toll, dass sich mich getraut habe.“ Es sei einfach cool gewesen. Das sah auch Jordan so, die die neue Erfahrung genossen hat. Vor allem die Gesangsübungen haben ihr sehr gut gefallen.

Als einer, der sich normalerweise nicht so exponiert, gab sich Brian zu erkennen. Es habe ihm aber geholfen, dass die ganze Gruppe mitgemacht und öffentlich gesungen habe. Der Auftritt sei für ihn deswegen definitiv besser gewesen, als er es erwartet hätte.

Voll und ganz zufrieden waren auch Susi, Francesca, Kate und Marlo. Carlos empfand den Abend im Nationaltheater sogar als überraschend interessant und gab bekannt: „Das hat mich der Oper näher gebracht.“

Ein Extralob für ihre Kurz-Aufführung im Königssaal gab es noch von Opern-Expertin Gessat: „Ich war stolz auf eure Aufführung. Die Besucher waren Mega begeistert.“

Lehrerin Manuela Recke, sie hat die Teilnahme am Projekt in die Wege geleitet, wünschte sich nach dem Abschluss, dass die Mittelschulen mehr in die kulturelle Bildung investieren, um die Jugendlichen für Theater und Oper zu begeistern. Dass dies möglich ist, hat das Projekt wieder einmal gezeigt.

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