Stufen vor Zugängen zu Arztpraxen oder anderen Einrichtungen sind auch in Germering keine Seltenheit –Rampen könnten hier Abhilfe schaffen. 

Germering

Der lange Weg zur barrierefreien Stadt

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Auf dem Weg zur barrierefreien Stadt bleibt noch einiges zu tun. Das ist das Ergebnis einer Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes von öffentlichen Einrichtungen, Arztpraxen, Apotheken und Geschäften. Städteplaner Helmut Wartner stellte die Untersuchung im Sozialausschuss vor.

Germering – Vor einhalb Jahren hat der Stadtrat das Landshuter Planungsbüro „raum + zeit“ von Helmut Wartner mit dem Projekt „Germering barrierefrei 2023“ beauftragt. Wichtigster Initiator war Sozialreferent Herbert Sedlmeier (CSU). Der Rollstuhlfahrer, damals noch Behindertenbeauftragter des Landkreises, setzt sich Zeit seines Lebens dafür ein, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum herzustellen.

Die Untersuchung von Wartner sollte jetzt vor allem aufzeigen, was in Germering schon erreicht ist und wo es noch Defizite gibt. In einer detaillierte Fragebogen-Aktion wurden rund 300 Einrichtungen angeschrieben. Abgefragt wurden alle Faktoren, die für Barrierefreiheit wichtig sind. Dazu gehört neben der Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer beispielsweise auch die Frage nach behindertengerechten Toiletten.

Die Resonanz auf die Aktion war zunächst ernüchternd, wie Helmut Wartner jetzt berichtete. Nur elf Prozent der Angeschriebenen hätten den Fragebogen beantwortet. Man habe dann die Verweigerer angerufen und ermuntert, doch noch mitzumachen. Am Ende kam man immerhin auf eine Rücklaufquote von 47 Prozent – wobei die öffentlichen Einrichtungen vollständig geantwortet haben.

Aktiv-Verweigerer

Auch unter denen, die die Fragebögen zurückgeschickt oder zumindest telefonisch geantwortet haben, befinden sich Wartner zufolge noch zahlreiche so genannte Aktiv-Verweigerer. Diese hätten letztlich genaue Auskünfte über die Barrierefreiheit ihrer Einrichtungen vermieden. Als auffällig bezeichnet Wartner die Tatsache, dass sich eine hohe Anzahl von Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Apotheken nicht an der Aktion beteiligten – dabei hätten sich die Mitarbeiter in den Arztpraxen aufgeschlossener gezeigt als ihre Arbeitgeber.

Insgesamt könne man davon ausgehen, dass rund die Hälfte der 134 Einrichtungen, die sich an der Untersuchung beteiligten, überwiegend barrierefrei sind. Die größten Defizite wurden bei Gebäudezugängen festgestellt – ein Problem, dass sich laut Wartner schnell und relativ kostengünstig mit Rampen lösen ließe.

Das Problem fehlender Behinderten-Parkplätzen ist über das Stadtgebiet verteilt unerwartet groß, kann aber relativ einfach behoben werden. Komplizierter wird es, wenn der Zugang zum Haus zwar möglich ist, im Inneren aber kein Aufzug vorhanden ist. Einen Treppenlift und bereit gestellte Falt-Rollstühle stellte Wartner hier als Lösungsmöglichkeiten vor.

Die Untersuchung zeigte auch, dass Germering und der Landkreis in einem Bereich Vorbildcharakter haben: Es gibt ein Bus-Haltestellenkataster, in dem die Situation im Stadtgebiet nach unterschiedlichen Kategorien aufgelistet ist.

Die Studie ist für OB Andreas Haas eine gute Grundlage auf dem Weg zu einem barrierefreien Germering. Jetzt gehe es um die Umsetzung. Herbert Sedlmeier stufte das umfangreiche Datenmaterial, über das die Stadt jetzt verfüge, ähnlich ein: „Wir haben jetzt eine Draufschau und sehen, wo’s noch fehlt.“

Sozialamtsleiter Martin Rattenberger kündigte an, dass die Stadt in einem nächsten Schritt ehrenamtliche Berater ausbilden werde. Die sollen dann in Geschäften und Praxen für Lösungen zu mehr Barrierefreiheit werben. Das Projekt werde von der Städtebauförderung bezuschusst.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind auf der städtischen Internetseite einsehbar. Die kompletten Datensätze, Tabellen und erstellten Karten werden in das Geografische Informationssystem (GIS) des Bauamts eingearbeitet. Die Inhalte können dort einzeln aktiviert und dargestellt werden. Man kann sich beispielsweise anzeigen lassen, wo Rampen notwendig sind oder wo die Beleuchtung verbessert werden muss.

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