Polizei warnt vor neuer Gauner-Masche

Von eigenem Handy entlarvt: Mann mit Schmuddel-Videos erpresst - Aufnahmen landen bei Ehefrau

Internet-Gauner sind erfinderisch. Der neueste Trick: Sie kapern Kameras in Smartphones und filmen heimlich. Mit den – teils sehr pikanten – Videos erpressen sie dann die Besitzer.

Germering - Eigentlich macht man mit den Kameras hinter den Front-Displays die beliebten Selfies. Diese Fotos zeigen meist lachende Gesichter vor schönem Hintergrund. Einen 31-jährigen Germeringer filmte seine Kamera jetzt aber ohne sein Zutun heimlich in einer Situation, von der er sicher kein Selfie gemacht hätte: Er betrachtete gerade eine Pornoseite im Internet und befriedigte sich dabei selbst.

Diese Aufnahmen schickten die Erpresser per Facebook ausgerechnet der Ehefrau des 31-Jährigen. Als sei das nicht schlimm genug, drohten die unbekannten Täter, das Video auf der Internetplattform Youtube zu veröffentlichen, wenn der Germeringer nicht Lösegeld an sie bezahlte.

Drei Männer Opfer der selben Masche

Doch Peinlichkeit hin, Peinlichkeit her, der Mann zahlte nicht, sondern ging zur Polizei und erzählte alles. Wie sich herausstellte, hat er jede Menge Leidensgenossen. „Alleine am Montag meldeten sich bei uns in der Inspektion drei Männer, die das Opfer der selben Betrugsmasche geworden sind“, erklärt Polizeisprecher Andreas Ruch: Neben dem 31-Jährigen waren es ein 59-jähriger Germeringer und ein 73-jährigen Rentner aus Gilching. Beiden wurde mitgeteilt, es gebe ein Selbstbefriedigungsvideo von ihnen. Das werde in den sozialen Netzwerken verbreitet, falls sie nicht bezahlten. Als Summe wurden jeweils 500 Euro in der Krypto-Währung Bitcoin genannt. Auch diese beiden Männer bezahlten nicht.

Nachforschungen von Polizeisprecher Andreas Ruch ergaben, dass die Erpressungsversuch durchaus kein Einzelfall sind. In Internetplattformen sei die Rede davon, dass bereits ein Viertel der Benutzer, die Frontkameras auf ihren mobilen Endgeräte abklebten, damit diese nicht von Internet-Piraten gekapert und heimlich gegen sie verwendet werden können.

Polizeisprecher warnt: „Sollte man nicht tun“

Dabei verschickten die Betrüger auch Erpressermails an Internetbenutzer, von denen sie gar nicht wissen, ob sie auf Schmuddelseiten unterwegs waren, beziehungsweise in verfänglichen Situationen vor ihren Computern gesessen haben. Offenbar sei der Prozentsatz derjenigen, die es für möglich halten, dass so peinliche Aufnahmen von ihnen entstanden sind, ziemlich groß.

Allen, die per E-Mail, über soziale Netzwerke oder andere Kanäle Erpresserpost der oben beschriebenen Art erhalten rät die Polizei, auf keinen Fall zu bezahlen. „Selbst wenn man sich auf irgendeine Weise ertappt fühlt, sollte man das nicht tun“, sagt Sprecher Andreas Ruch.

Lesen Sie bei merkur.de: Erpressung geht weiter: Webcam soll sexuelle Handlungen gefilmt haben

sk

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte (Symbolbild)

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