Michael Sigmund (l.) und sein Vorgänger als ADFC-Ortssprecher, Hartwig Hammerschmidt, ärgern sich, dass der Radweg entlang der Staatsstraße an der Landsberger Straße abrupt endet.
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Michael Sigmund (l.) und sein Vorgänger als ADFC-Ortssprecher, Hartwig Hammerschmidt, ärgern sich, dass der Radweg entlang der Staatsstraße an der Landsberger Straße abrupt endet.

Germering

Mehr Tiefen als Höhen beim Fahrrad-Check

  • Andreas Schwarzbauer
    VonAndreas Schwarzbauer
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Radfahren ist angesagter denn je. Doch wie fahrradtauglich sind die Kommunen? Wir haben sie einem Fahrrad-Check unterzogen und auch Experten befragt. Heute in Germering.

Germering – Flott überquere ich die Kreuzung der Landsberger Straße mit der Unteren Bahnhofstraße und muss plötzlich abrupt stoppen. Der Radweg mündet in einen Gehweg. Im Schritttempo schlängele ich mich zwischen den Passanten hindurch. Nach wenigen Metern werde ich erneut ausgebremst: Die Radfahrer werden nun auf einen Nebenweg geleitet, den sie sich mit den Autos teilen. Doch das Auffahren auf diese Straße ist nicht ungefährlich, denn von hinten kommen immer wieder in hohem Tempo Fahrzeuge, die die Landsberger Straße verlassen.

Landsberger Straße

Dieser Wechsel von gemeinsamen Fuß- und Radwegen sowie parallel verlaufenden Nebenwege zeichnet die Route entlang der Landsberger Straße aus. Für Michael Sigmund vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ist das Radeln dort eine Herausforderung. „Kaum ist das Ortsschild von Germering erreicht, wird es kompliziert und schwierig“, kritisiert er. Die Wege seien oft zu schmal für Fußgänger und den größtenteils erlaubten Zweirichtungsradverkehr. Manche Bordsteine an Einmündungen seien nicht abgesetzt, sodass man dort durchgeschüttelt werde. Der rot markierte Fahrradsteifen an der Kreuzung von Unterer Bahnhofstraße und Landsberger Straße sei kaum noch sichtbar.

Für eine besondere Gefahrenstelle hält Sigmund aber die die Einmündung der Walkürenstraße am östlichen Ortseingang, da sich Radler und Autofahrer erst spät sehen. Zudem blockieren die Fahrzeuge beim Abbiegen den Radweg. „Ich würde die Straße zumachen. Anwohner können über die Münchner Straße auf die Landsberger Straße fahren“, sagt Sigmund.

Auch der Fahrradbeauftragte der Stadt, Thomas Wieser, hält die Situation nicht für ideal: „Es ist dort nicht ganz einfach, aber man kann die Straße nicht einfach abhängen.“ Er kann sich stattdessen vorstellen, die Rechtsabbiegerspur auf der Landsberger Straße aufzulösen und den Radweg dort entlangzuführen.

Viel Lob gibt es für die überdachte Abstellanlage am Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen.

Wieser sieht die Situation entlang der Landsberger Straße nicht so negativ. „Durch die parallelen Nebenwege haben wir eigentlich eine komfortable Situation. Allerdings gehen sie nicht komplett durch.“ So gebe es derzeit zwischen der Oberen und der Unteren Bahnhofstraße eine Lücke, die die Stadt aber schließen will. „Wir wollen den Radweg auf der Nordseite so ertüchtigen, dass aus beiden Richtungen befahren werden kann, denn die Verbindung ist von überörtlicher Bedeutung.“

Auch an der Kreuzung von Unterer Bahnhofstraße und Landsberger Straße sieht die Stadt Verbesserungsbedarf. Sie soll mittelfristig umgebaut werden. Wieser kann sich dort einen Kreisverkehr vorstellen.

Problemstellen

Auf der Unteren Bahnhofstraße sind die Radler größtenteils mit den Autos auf der Fahrbahn unterwegs. „Ich bin wirklich ein robuster Radfahrer, aber hier fahre ich nie. Das ist wirklich lebensgefährlich“, sagt Sigmund. Er wünscht sich rechts und links Fahrradschutzstreifen. Dafür müssten allerdings Parkplätze weichen. Verbesserungen auf der Unteren Bahnhofstraße sind für Sigmund deshalb so wichtig, weil es bisher „keine vernünftige und durchgängige Nord-Süd-Querung für Radler“ gibt.

Zwar lobt Sigmund den neuen Radweg, der im Norden an der Staatsstraße entlang führt. Allerdings endet dieser an der Landsberger Straße. „Ich wohne in Harthaus und mich ärgert es, dass ich nicht in gerade Linie zum Baumarkt oder dem Kino fahren kann, sondern mich durch das Wohngebiet schlängeln muss“, kritisiert Sigmund.

Der ADFC-Sprecher könnte sich vorstellen, eine Spur der Staatsstraße zum Radweg umzubauen. „Die Straße ist mit ihren vier Spuren so nicht mehr notwendig, weil es inzwischen die Autobahnumfahrung gibt.“

Ein weiteres Ärgernis ist für Sigmund der nördliche Teil der Streiflacher Straße. Die Strecke werde von Radlern häufig genutzt, weil dort die Bahnlinie gequert werden kann und viele Schüler zum Max-Born-Gymnasium radeln. Allerdings werde es wegen der parkenden Autos und dem Busverkehr häufig eng. Die Stadt habe eine gute Gelegenheit verpasst, eine Fahrradstreifen zu schaffen, als das angrenzende Grundstück vor kurzem neu bebaut wurde. Doch statt eines Schutzstreifens gibt es nun einen großen Parkplatz.

Gute Lösungen

Viel Lob hat Sigmund für die überdachte Abstellanlage am Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen. Auch über die geplante Fahrradstraße durch die Frühling-, Südend- und Eisenbahnstraße würde er sich freuen. „Die großflächigen 30er-Zonen sind ebenfalls positiv.“

Radl-Reparatur

Reparaturmöglichkeiten und eine Luftpumpe gibt es an den Bahnhöfen und hinter dem Rathaus. Eine solche Servicestation ist auch für den Germeringer See geplant. Zukunft Neben der Ertüchtigung des Radwegs an der Landsberger Straße wird die Stadt auf der unteren Bahnhofstraße auf beiden Seiten ein Parkverbot erlassen, um Fahrradstreifen zu markieren. Außerdem steht die Fahrradstraße als Ost-West-Verbindung in den Startlöchern. „Sie ist genehmigt und hätte eigentlich schon heuer kommen sollen, aber weil eine Stelle in der Verwaltung im Moment nicht besetzt ist, zieht es sich noch ein bisschen“, so Wieser.

Fazit

Wenn Germering alle seine Pläne umsetzt, ist für Fahrradfahrer viel gewonnen. Derzeit gibt es allerdings noch einige Stellen, an denen man mit Vorsicht radeln sollte.

Fahrrad-Checks aus weiteren Orten finden Sie hier: Gröbenzell

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