So kannte man sie: Ingeborg Mückenberger und ihr Akkordeon.
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So kannte man sie: Ingeborg Mückenberger und ihr Akkordeon.

Nachruf

Sie war die Grande Dame des Akkordeons

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Ihr Leben gehörte der Musik – genauer gesagt, der Musik, die mit Tasten, Bassknöpfen und Balg erzeugt wird. Ingeborg Mückenberger spielte Akkordeon – und sie brachte es Hunderten von Schülern bei. Jetzt ist die Grande Dame des Akkordeons nach einem erfüllten Leben im Alter von 94 Jahren gestorben.

Germering - Viele verehrten sie als begnadete Musikpädagogin, darunter die Mitglieder des Akkordeonorchesters Unterpfaffenhofen (AOU), das sie maßgeblich geprägt hat.

Neben ihrer Lehrtätigkeit gründete Ingeborg Mückenberger zahllose Ensembles. In Spitzenzeiten leitete sie bis zu elf dieser Orchester gleichzeitig. Ebenso brachte ihr Wirken mehr als ein Dutzend Dirigentinnen und Dirigenten hervor. Das einzige, was sie kaum produzierte, waren Solisten – denn daran hatte sie wenig Interesse.

„Die richtige Freude macht Musik erst dann, wenn man sie mindestens zu zweit spielt“ – das war immer ihr Wahlspruch. Allein in der Landeshauptstadt und im Münchner Westen gibt es heute immer noch Orchester, die auf Ingeborg Mückenberger zurückgehen und die nach wie vor Konzerte geben – mehr als 20 Jahre, nachdem die Senior-Chefin den Taktstock weitergegeben hat. Das letzte Orchester, das sie noch selbst leitete, war das AOU. Erst mit 73 zog sie sich zurück, nach 24 äußerst erfolgreichen Jahren.

„Mücke“, wie sie von ihren Musikern gerne genannt wurde, stammte aus dem baden-württembergischen Tuttlingen und hatte das Glück, ihre musikalische Ausbildung bei einigen Großen der Akkordeonszene zu erhalten. Darunter war kein Geringerer als Hermann Schittenhelm, Gründer und Leiter des Firmenorchesters von Akkordeon-Hersteller Hohner, sowie der geniale Akkordeonist Rudolf Würthner. Von ihm lernte sie, welche Leistungen man auch von Laienmusikern verlangen kann, wie man ein Orchester-Repertoire aufbaut und wie Konzertprogramme gestaltet werden, die nicht nur Akkordeon-Enthusiasten begeistern.

Etliche Konzertreisen

Ihre eigene Lehrtätigkeit nahm die Musikpädagogin in München auf und gründete, getreu ihrem Wahlspruch, auch gleich ihr erstes Ensemble. Ende der 1950er-Jahre war das Akkordeonorchester Mückenberger-Quintenz, benannt nach ihrem Geburts- und ihrem späteren Ehenamen, regelmäßig in Münchner Konzertsälen zu hören. Höhepunkte ihres Dirigentenschaffens waren Titel beim Harmonika-Welt-Festival in Luzern 1968 und beim Internationalen Akkordeon-Festival in Innsbruck 1989, Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk und fast 40 Konzertreisen.

Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes ging mit Begeisterung, unermüdlichem Einsatz, einer großen Portion Herz und durchaus auch Temperament zu Werke. Gab man sich bei Proben keine rechte Mühe oder hörte den Anweisungen vom Dirigentenpult nicht zu, konnte schon mal der Taktstock durch die Luft fliegen. Und die erzürnten „Hergoles“-Ausrufe der Mutter zweier Söhne waren legendär und wurden als ihr Markenzeichen von allen geliebt.

Beim Akkordeonorchester Unterpfaffenhofen ist in diesen Tagen die Trauer groß. Pressereferent Edgar Nubert spricht für alle Mitglieder, wenn er sagt: „Was wir sind, was wir können und was wir in den 40 Jahren unseres Bestehens erreicht haben, verdanken wir zum allergrößten Teil unserer Ingeborg.“

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