Gericht

Schlüsseldienst-Abzocke bleibt ungesühnt

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Die Preise von Schlüsseldiensten sorgen immer wieder für hitzige Debatten. Nun landete ein Fall sogar vor dem Strafgericht.

Germering – Ein Beamter (32) aus Germering hatte an einem Samstagabend 414,12 Euro für einen Schlüsseldienst bezahlt. Hernach ärgerte er sich so sehr, dass er den Mini-Jobber (22) mit Wohnsitz in Essen, der die Tür öffnete, anzeigte. Und tatsächlich verurteilte das Amtsgericht Fürstenfeldbruck diesen im Januar wegen Wuchers zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Das wollte der Verurteilte nicht auf sich sitzen lassen und legte Berufung beim Landgericht München II ein, wo noch einmal neu verhandelt wurde. Und siehe da: Auf einmal drehte sich der Fall.

Der Beamte, der sich am 16. Juli 2016 aus seiner Wohnung ausgesperrt hatte, bat seinen Nachbarn, einen Schlüsseldienst zu rufen. So berichtete er es vor Gericht. Der Nachbar half - und rief bei einer 0800-Nummer an. „Wenn ich gewusst hätte, wen er gegoogelt hat, hätte ich mir selbst einen rausgesucht.“ Aber er sei in einer Notlage gewesen.

Drei Stunden später kam der Angeklagte und habe erklärt, dass es 100 bis 150 Euro koste. Der Germeringer unterschrieb. Nachdem der Handwerker die Tür in drei Minuten mit einem Draht geöffnet hatte, habe es aber auf einmal 414,12 Euro gekostet. Auch das unterschrieb der Mieter. „Das ist schon heftig“, sagt er.

Aber die Zeit habe gedrängt, und er habe auf die Toilette gemusst. Da habe er sich gedacht: Okay, ich zahle. Doch als der Nachbar später zu ihm sagte, dass er diesen Betrag nicht gelöhnt hätte, da habe er sich geärgert - und die Polizei angerufen. „Ich fühlte mich hopps genommen.“

Der Verteidiger erklärte, dass der Angeklagte dem Kunden den richtigen Preis inklusive Samstagszuschlag mitgeteilt habe, woraufhin der 32-Jährige den Auftrag erteilt hätte. Er habe auch zweimal unterschrieben - vor der Arbeit und danach. „Der Preis ist im üblichen Rahmen.“ Es habe auch keine Zwangslage des Opfers geherrscht.

Und genau das war am Ende der Knackpunkt: Auch die Richterin erkannte keine Ausbeutung einer solchen Situation - und sprach den 22-Jährigen frei. „Es scheitert an der Zwangslage“, sagte sie, „mehr ist dazu nicht zu sagen.“ Als der Angeklagte nach dem Urteil lachte, sagte sie aber doch noch was: „Ich würde nicht schmunzeln, vielleicht werden die Obergerichte auch einmal eine Zwangslage sehen.“

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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