Florian Arbenz musste seine Konzert alleine spielen. Er begeisterte das Publikum dennoch.
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Florian Arbenz musste seine Konzert alleine spielen. Er begeisterte das Publikum dennoch.

Germering

Schweizer Schlagzeuger wegen Covid alleine auf der Bühne

  • Klaus Greif
    VonKlaus Greif
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Die Rückkehr der Stadthalle zu Indoor-Veranstaltungen stand unter keinem guten Stern. Natürlich coronabedingt.

Germering – Im Rahmen der Jazz-Reihe hätte eigentlich der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz mit dem New Yorker Saxofonisten Greg Osby auftreten sollen. Dass daraus nichts werden wird, war dann schon vor Wochen klar: Osby konnte seine Heimat nicht verlassen. Arbenz sah sich nach Ersatz um und wurde auch auf Empfehlung von Greg Osby in Amsterdam fündig: Tineke Postma, Studentin von Osby und eine der führenden Saxofonistinnen Europas, sollte einspringen.

In Germering war alles bereitet. Der Orlandosaal war für die rund 150 Abonnenten der Jazzreihe bestuhlt worden. Die Reihen hatten einen ausreichenden Abstand, zu jeweiligen Nachbarn waren immer zwei Plätze frei. Womit Arbenz und die Stadthalle allerdings nicht gerechnet hatten, war die überraschende Einstufung zweier niederländischer Regionen zum Risikogebiet. Tineke Postma saß laut Stadthallen-Leiterin Medea Schmitt schon im Flugzeug von Amsterdam nach München, als die neuen Regeln bekannt gegeben wurden. Folge: Sie musste sich nach der Landung testen lasen und anschließend coronabedingt in Quarantäne begeben. Als Medea Schmitt dies erzählte, saß Postma wenige hundert Meter weiter im Germeringer Hotel.

Schlagzeuger spielt alleine

Florian Arbenz meinte zwar, dass er das in seiner rund 25-jährigen Bühnenkarriere noch nicht erlebt habe. Er ließ sich davon aber nicht beeindrucken und spielte die Show ganz einfach alleine. Wer gehen möchte, dürfe dies gerne tun, er bekommen sein Eintrittsgeld anteilig erstattet, erklärte Medea Schmitt noch vor dem ersten Trommelwirbel. Tatsächlich sah man nur einen älteren Herrn aufstehen und den Saal verlassen. Der Rest blieb sitzen und erlebte allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert.

Arbenz ist ein klassisch ausgebildeter Schlagwerker, der sogar schon in einem Orchester unter Pierre Boulez spielte. Dass er sich irgendwann für das Drumset entschied und beim Jazz hängen blieb, erklärte er ganz einfach so: „In der Klassik hat mir der Groove gefehlt.“ Dass er grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition „Groove Conductor“. Sie entstammt wie fast alle Nummern des Konzert dem aktuellen Album „Reflections of Eternal Line“ von Arbenz und Osby.

Filigrane Kunst

Dass diese und die anderen Stücke auch ohne Saxofon so wunderbar rüber kamen, lag natürlich an der filigranen Kunst von Florian Arbenz. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung.

Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte.

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